Diplomatie

Historischer Besuch aus dem Tschad

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu mit Idriss Déby, Präsident des Tschad Foto: dpa

Von der Regierung wird er als historischer Besuch angepriesen: Am Sonntag landete der Präsident des zentralafrikanischen Staates Tschad, Idriss Déby, in Israel.

»Dies ist der erste Besuch des Tschad seit Israels Gründung«, teilte das Büro von Regierungschef Benjamin Netanjahu mit. »Er ist zustande gekommen, weil der Premierminister sich sehr dafür eingesetzt hat. Dies ist ein großer diplomatischer Durchbruch.«

GESCHICHTE Der Tschad ist ein muslimisches Land, zu dem Israel seit dem Jahr 1972 keinerlei Beziehungen unterhält; eine diplomatische Vertretung gibt es bis heute nicht.

Netanjahu besuchte Afrika in den vergangenen Jahren mehrfach. Das Ziel der vermehrten diplomatischen Beziehungen Israels ist es, sich die Unterstützung der afrikanischen Staaten bei den Vereinten Nationen zu sichern. Viele afrikanische Staaten stimmen traditionell für die palästinensischen Vertreter.

Benjamin Netanjahu versucht, die Beziehungen zu afrikanischen Staaten zu verbessern.

Israels Regierungschef versucht zudem, die Verbindungen zu moderaten arabischen Staaten auszubauen, besonders zu den Golfnationen. Israel arbeitet derzeit daran, auch Beziehungen zu dem Sudan und Bahrain einzuleiten.

TERRORISMUS Auf der Pressekonferenz im Anschluss an das Treffen zwischen Netanjahu und Déby versicherten beide Politiker, dass der Kampf gegen den Terrorismus ihre Staaten miteinander verbinde. Déby fügte hinzu: »Die Menschheit muss dieses Ding einfach loswerden.«

Zu seinem Besuch in Israel sagte er: »Die Auflösung unserer Verbindung in den 70er‐Jahren hat es nicht verhindert, dass wir eine gute Beziehung haben. Aber diplomatische Vertretungen in unseren Ländern werden das Problem mit den Palästinensern nicht lösen.« Er hoffe auf eine friedliche Lösung des Konfliktes, »denn offener Dialog ist die Basis für jede Lösung«.

»Wir nähern uns einander schnell«, machte Netanjahu deutlich. »Und zwar in allen Bereichen. Zuerst im Kampf gegen den Terrorismus. Doch auch darin, unseren Völkern zu geben, was sie benötigen: Sicherheit, Essen und Trinken, sauberes Wasser, Gesundheit, Medizin und alle Dinge, die wir durch eine Kooperation erreichen können.«

BEDEUTUNG Déby traf auch Präsident Reuven Rivlin in Jerusalem, der ebenfalls die Bedeutung des Staatsbesuchs betonte. »Wir sind hoch erfreut, nach so vielen Jahren endlich wieder mit dem Tschad zusammenzukommen. Der Tschad ist ein wichtiges Land, ein Land, das den Terror bekämpft. Wir sehen einen großen Wert darin, Verbindungen mit Afrika einzugehen, der Wiege der Zivilisation. Afrika ist die Zukunft – und Israel möchte diese Erfahrung gemeinsam mit den Afrikanern erleben.«

Die Opposition übt scharfe Kritik an Netanjahus Treffen mit Déby.

Die Opposition in Israel will derweil wissen, inwieweit bei dem Besuch aus dem Tschad über eventuelle Waffenverkäufe an das afrikanische Land gesprochen wurde. Tamar Zandberg, Vorsitzende der linken Partei Meretz, forderte von Netanjahu Transparenz, was dieser jedoch ablehnte.

»Unsere Sorge ist, dass der Besuch auch geheimen Waffendeals dient, bei denen israelische Waffen verkauft werden, um politische Gegner, Menschenrechtsaktivisten und Journalisten zu verfolgen. Der Anführer des Tschad ist eine verachtenswerte Person, der LGBT‐Aktivisten, Journalisten und Dissidenten verhaften lässt. Er hat eine Diktatur in seinem Land errichtet«, wetterte Zandberg.

»Wenn es eine Wahl gibt zwischen den liberalen Demokratien und den dubiosesten Anführern, wählt Netanjahu immer die dubiosen. Seine Außenpolitik schadet Israels Ansehen in der ganzen Welt«, so Zandberg weiter.

Die Regierung des Tschad hatte der Nachrichtenagentur Reuters vor der Reise bestätigt, dass Israel der Armee des Tschad Waffen und andere Ausrüstung geliefert habe, die dem Kampf gegen die Rebellen im Norden des Landes dienen. Der Tschad kämpft unter anderem gegen die Terrorgruppe Boko Haram und andere islamistische Organisationen.

Israel

Armee räumt größtes Minenfeld an Taufstätte von Jesus

3000 explosive Geschosse werden bei Jericho vermutet, wo einst Jesus getauft worden sein soll

 26.05.2019

Jerusalem

»Regierung trägt Verantwortung für das Wohl von Juden«

Israel reagiert auf Empfehlung des Antisemitismusbeauftragen gegen Kippa‐Tragen in Deutschland

 26.05.2019

Israel

Waldbrände im Landesinnern

Rund 3000 Menschen mussten zeitweise ihre Häuser verlassen – ein Toter durch Hitzschlag

 24.05.2019