Nepal

Hilfe im Himalaja

HIlfe kommt von der israelischen Armee Foto: IDF

Es sind wohl diese Bilder, die für viele Israelis mit dem verheerenden Erdbeben in Nepal verbunden bleiben werden, zumindest für die, die das Grauen nicht selbst miterlebt haben: junge Männer und Frauen mit Säuglingen im Arm, die erschöpft, aber sichtlich erleichtert vom Katastrophengebiet im Himalaja nach Israel zurückkehren. Bilder des Lebens inmitten der Verwüstung, des Todes und der Verzweiflung. Trotz der vielen Tausend Toten, die Nepal zu betrauern hat, waren zunächst keine Israelis unter den Todesopfern.

Israel ist Teil der internationalen Hilfskoalition, die nach dem Jahrhundertbeben in einem der ärmsten Länder der Welt im Einsatz ist, wo acht Millionen Nepalesen betroffen sind. Bereits wenige Stunden nach der Naturkatastrophe schickte das israelische Militär eine sechsköpfige Vorhut nach Kathmandu, um den Hilfsbedarf abzuschätzen.

Verschüttete bergen helfen, Verletzte medizinisch versorgen und israelische Staatsbürger ausfliegen, die möglichst schnell in die Heimat zurückwollten, darum ging es in den ersten Tagen. Unter den 600 bis 700 Israelis, die sich nach Angaben des israelischen Außenministeriums während des Bebens im Land aufhielten, waren auch ganz frische und werdende Eltern, die von Leihmüttern ein Kind in Nepal austragen ließen. Deren Situation hat die Debatte über eine Gesetzesänderung zur Leihmutterschaft neu entfacht.

Überlebende Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, der noch mitten in den Koalitionsverhandlungen steckt, beriet sich seit Samstag regelmäßig mit den zuständigen Kabinettsmitgliedern über die Rettungsmaßnahmen. Auch das Heimatschutzkommando und Magen David Adom, die am Sonntag mit ersten Rettungsmaschinen in Nepal eintrafen, nahmen an den Besprechungen teil. Sie flogen auch die ersten überlebenden Israelis aus dem Land, die am Montagnachmittag wieder israelischen Boden betraten.

Zu den Glücklichen gehörten der Musiker Ohad Hitman und sein Lebenspartner Ran Harush. Ihre Zwillinge wurden in Nepal geboren, kurz bevor die Erde dort zu beben begann. »Wir haben Kinder gesehen, die waren erst zwei Wochen alt und müssen dort nun im Regen, in der Kälte und mit den fürchterlichen hygienischen Verhältnissen leben. Holt sie bloß alle schnell nach Hause«, sagte Harush.

Die Rettungsaktionen in Nepal wurden auch durch die geringen Kapazitäten des einzigen internationalen Flughafens in Kathmandu behindert, der jeweils nur acht große Maschinen abfertigen kann. Die Bergungsspezialisten mit ihren Hunden, die Ärzte und Sanitäter des israelischen Heimatschutzes, insgesamt über 250 Experten, trafen daher erst mit mehrstündiger Verspätung Montagnacht und Dienstag ein. Sie brachten ein Feldlazarett mit 80 Betten, zwei Operationsräumen, Intensivstationen und medizinischer Ausrüstung für Geburten mit. »Im Notfall können wir aber auch auf einer Tragbahre entbinden«, sagte die Hebamme Michal Peretz aus Kfar Saba, die von anderen Katastropheneinsätzen weiß, dass die Wehen bei Schwangeren dann häufig früher einsetzen.

Geisterstadt Israelis, die sich während des Bebens in der Hauptstadt Kathmandu aufhielten, fanden in der israelischen Botschaft oder im Chabad-Haus von Rabbiner Cheski Lifschiz Unterschlupf, der auf seiner Facebook-Seite berichtete, dass die Umgebung einer »Geisterstadt« gleiche. Es fehle an Strom und Wasser, und auch die Lebensmittelvorräte gingen zur Neige. Lifschiz und seine Frau Chani halfen mit, den Verbleib von Vermissten festzustellen.

Auf Facebook-Seiten wie »Israel4Nepal« posteten Menschen Fotos von Familienangehörigen und Freunden, von denen sie seit dem Beben nichts mehr gehört hatten. Bis Mittwoch hatte sich die Zahl der Vermissten auf israelischer Seite offiziell auf elf reduziert.

Weil Nepal nur über wenige Hubschrauber verfügt, mietete Israel Helikopter aus Indien und China an, um Trekker aus den Bergen auszufliegen. Dabei soll es auch zu hässlichen Szenen gekommen sein, weil Nepalesen die Israelis gewaltsam am Einsteigen hindern wollten, wie die Tageszeitung Haaretz berichtete. Von 50 Israelis im Langtang-Nationalpark konnten bis Dienstag 20 geborgen werden.

15 Landsleute befanden sich nach Schätzungen des Außenministeriums auf dem Mount Everest. Die Zeitung Yedioth Ahronoth sprach mit Bar Asraf, der mit rund 100 europäischen Touristen auf einem Berg festsaß. »Wir schlafen in Zelten. Es regnet hier, es ist kalt und es gibt viele Nachbeben. Die Einheimischen versorgen uns mit Essen, und sobald sich die Lage beruhigt hat, werden wir versuchen, uns zu Fuß auf den Weg nach Kathmandu zu machen.« Die Menschen seien alle in einem Schockzustand, sagte Asraf.

Einreise Israel macht unterdessen seine Grenzen für schwangere Leihmütter aus Nepal auf, wenn sie Kinder von israelischen Staatsbürgern erwarten. Auch für die 26 Säuglinge, die kurz vor dem Beben von Leihmüttern geboren wurden, hob die Regierung die Formalitäten wie DNA-Tests vor der Einreise auf. Nepal ist nicht nur für junge Israelis als Reiseziel nach der Militärzeit beliebt, sondern auch bei Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch.

In Israel dürfen sich nur heterosexuelle Partner eine befruchtete Eizelle von einer fremden Frau austragen lassen, sodass Homosexuelle auf Dienste im Ausland angewiesen sind. Kritiker der israelischen Regelung hoffen, dass die Situation nach dem Erdbeben als Weckruf funktioniert und es zu einer Liberalisierung kommt.

Dabei wächst in Israel die Angst, dass es in nicht allzu ferner Zukunft auch im eigenen Land ein Jahrhundertbeben geben könnte. Der kleine Mittelmeerstaat ist tektonisch fragiles Gebiet, beim letzten großen Beben im Jahr 1927 kamen allein in Jerusalem 130 Menschen ums Leben.

Einer gerade erst veröffentlichten Studie des Wissenschaftsministeriums zufolge sind viele Gebäude nicht erdbebensicher. Im schlimmsten Fall sei bei einem ganz großen Beben damit zu rechnen, dass 7000 Menschen sterben, 30.000 Häuser zerstört werden und 170.000 Israelis ohne Dach über dem Kopf dastehen, heißt es in dem von Haaretz zitierten Bericht.

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