Israel

Herzog drängt auf Einigung zu Justizumbau - »Es reicht«

Israels Präsident Isaac Herzog Foto: copyright (c) Flash90 2023

Rund eine Woche vor einem entscheidenden Gerichtstermin hat Israels Präsident Isaac Herzog auf einen Kompromiss zum umstrittenen Justizumbau gedrängt.

»Wir befinden uns in einer tiefen Krise, die unser Leben, unsere Sicherheit, unsere Wirtschaft, unsere Gesellschaft und unser menschliches Verhalten dramatisch beeinträchtigt. Es reicht«, sagte Herzog in einem am Dienstag auf der Plattform X (ehemals Twitter) veröffentlichten Video. Die Regierung müsse der Realität ins Auge sehen, die Hand ausstrecken und alles tun, um eine Einigung zu erzielen.

Zuvor waren Berichte über Bewegung in Verhandlungen um einen Kompromiss bekanntgeworden. Aus Herzogs Büro hieß es dazu: »Die Bemühungen, eine Einigung zu erzielen, dauern an, es ist jedoch noch keine Einigung erzielt worden«. Herzog versucht seit Monaten zwischen Koalition und Opposition zu vermitteln. Die Gespräche unter seiner Leitung blieben bisher jedoch erfolglos.

Gefahr für Demokratie Die Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu will mit einer Reihe von Gesetzen die Justiz im Land gezielt schwächen. Sie argumentiert etwa, das Oberste Gericht sei zu mächtig und mische sich zu stark in politische Fragen ein. Kritiker stufen die Pläne als Gefahr für die Gewaltenteilung und damit die Demokratie ein.

Nächste Woche kommt Israels Oberstes Gericht erstmals in voller Besetzung von 15 Richtern zusammen, um über Petitionen gegen ein jüngst verabschiedetes Kernelement des Justizumbaus zu beraten. Sollte das Gericht das Gesetz einkassieren und die Regierung die Entscheidung nicht akzeptieren, droht dem Land eine Staatskrise.

Den Berichten zufolge sieht der jüngste Kompromissvorschlag unter anderem vor, das verabschiedete Gesetz zu überarbeiten und weitere Teile des Justizumbaus für 18 Monate auf Eis zu legen. Mehrere Koalitionspartner von Netanjahu, darunter Justizminister Jariv Levin, machten jedoch bereits deutlich, dass sie dem Vorschlag nicht zustimmen würden. Kritik kam auch aus Teilen der Opposition sowie der Protestbewegung, die einen kompletten Stopp des Vorhabens fordern. dpa

Krieg

Netanjahu fordert Ermittlungen gegen Soldaten im Film »NAZA«

Der Premier wirft den anonymen Beteiligten mögliche Straftaten im Zusammenhang mit der Weitergabe geheimer Informationen vor

von Sabine Brandes  13.10.2026

Interview

»Wenn wir weder denken noch irgendetwas tun müssen – was machen wir dann?«

Der israelische Mathematiker Assaf Hasson warnt vor oberflächlichen Antworten, undurchsichtigen Beweisen und einer Generation, die sich zu sehr auf Künstliche Intelligenz verlässt

von Sabine Brandes  13.10.2026

Oktoberfest

Wiesn am Mittelmeer

Die bayerische Festtradition wird in Israel neu interpretiert

von Sabine Brandes  13.10.2026

Glosse

Wir stehen zum Existenzrecht Pakistans!

Absurder als im rot-rot-grünen Berlin wird’s nicht mehr

von Philip Fabian  13.10.2026

Replik

Einspruch, euer Ehren!

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ging in diesem Jahr an Philippe Sands. Ausgerechnet ein Mann, dessen Autorität auf juristischer Präzision und universellen Maßstäben gründet, nimmt es mit dem Völkerrecht erstaunlich ungenau

von Leeor Engländer  13.10.2026

Medien

Israel verweigert »taz«-Korrespondentin Arbeitsvisum

Diaspora-Ministerium: »Antiisraelische Akteure und diejenigen, die Israel verleumden, sollten keinen Fuß in das Land setzen«

 13.10.2026

Israel

Ein Toter und 24 Verletzte bei Explosion von Blindgänger

Ein mutmaßlicher Blindgänger explodiert in Nordisrael. Es gibt ein Todesopfer und zahlreiche Verletzte. Berichten zufolge waren Schüler und ein Lehrer in der Gegend gewandert

 12.10.2026

Katharina von Schnurbein

»Ich habe das Gefühl, den richtigen Weg gegangen zu sein«

Die EU-Antisemitismusbeauftragte Katharina von Schnurbein wechselt von Brüssel nach Berlin. Sie folgt dort Felix Klein nach. Ein Porträt

von Michael Thaidigsmann  12.10.2026

Korruption

Bestechungsring in der Vorstadt

Umschläge voller Bargeld, Luxusuhren und teure Autos: Der Bürgermeister von Kfar Saba und seine Frau sollen Geschäftsleuten gegen Zahlungen lukrative Aufträge verschafft haben. 17 Verdächtige wurden festgenommen

von Sabine Brandes  12.10.2026