Austausch

Handwerk trifft Hightech

Malermeister Jonas Renfordt (l.), Augenoptikerin Charlotte Krüger und Steinmetzmeister Daniel Schubert arbeiteten sechs Wochen in Israel. Foto: Sabine Brandes

Stolz zeigen sie ihren Berufsstand in der traditionellen Kluft: beigefarbene Hose, Weste aus unverwüstlichem Cord mit Knöpfen und ein weites weißes Hemd darunter. Die Steinmetzmeister Daniel Schubert aus Köln und der Israeli Ohad Cohen sind Kollegen und Freunde. An diesem Tag stehen die beiden symbolisch für deutsche Berufsausbildung und israelischen Innovationsgeist.

Wie man daraus eine Synergie erschaffen kann, war das Thema beim Seminar »Deutsche Berufsausbildung trifft Israel« in Holon, organisiert von der Deutsch-Israelischen Industrie- und Handelskammer AHK, der Landes-Gewerbeförderungsstelle des Handwerks (LGH) in Nordrhein-Westfalen (NRW) und dem Büro des Landes NRW für Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung, Jugend und Kultur in Israel.

Gil Yaron, Leiter des NRW-Büros, gab einen kurzen Einblick in die wirtschaftliche und handwerkliche Stärke des bevölkerungsreichsten Bundeslandes und resümierte: »Sie sind extrem gut in dem, was sie tun.« Das liege auch an der zertifizieren Berufsausbildung in Deutschland. »Allerdings«, so Yaron, »sehen heute nicht alle jungen Leute eine Ausbildung als erstrebenswert an, weil irgendetwas fehlt.«

team Daher wolle man die »Lehre« mit israelischer Innovation paaren. Seiner Meinung nach sei das »ein fantastisches Team«. Das finden auch die drei Teilnehmer des Pilotprojekts, bei dem Handwerker und Handwerkerinnen aus NRW sechs Wochen nach Israel kommen, um die »israelische Art und das Denken ›out of the box‹ zu lernen und im Gegenzug den Israelis die deutsche Art und Weise beizubringen«.

Man will die »Lehre« mit israelischer Innovation paaren.

Das tun sie durch und durch charmant. Mit dabei sind der Steinmetz Daniel Schubert, die Optikerin Charlotte Krüger aus Wipperfürth und Malermeister Jonas Renfordt aus Iserlohn. Sie alle sind derzeit in israelischen Unternehmen tätig.

In ihrer Heimatstadt arbeitet die Optikerin bei einem traditionellen Unternehmen, der Augenoptik Kleinhans, und ist Spezialistin für das Gerät »Orcam MyEye«. Das tragbare Hilfsmittel für blinde und sehbehinderte Menschen ist in Jerusalem erfunden worden. Dort ist Charlotte Krüger, die erst im Juli ihre Ausbildung abgeschlossen hatte, jetzt stationiert.

know-how Und sie ist begeistert, dass sie vor Ort alles rund um das Produkt kennenlernen kann, mit dem sie in Deutschland arbeitet. »Es macht wahnsinnigen Spaß und bringt mir so viel neues Wissen, das ich an unsere Kunden weitergeben werde.« Doch die 25-Jährige bringt auch viel Know-how mit nach Israel. »Ich bin die einzige Augenoptikerin hier und jemand, der direkt mit den Patienten zusammenarbeitet. Das ist ein echter Gewinn für Orcam.«

Das israelische Unternehmen ist sich dessen offenbar bewusst und lässt die Gesellin ihre eigenen Ideen gleich umsetzen. »Ich arbeite an einem Schulungsvideo auf Deutsch, damit das Produkt, das übrigens völlig konkurrenzfrei ist, in Deutschland besser verstanden wird.« Nicht nur mittendrin in der israelischen Innovationsszene zu sein, sondern auch noch etwas bewegen zu können, »ist eine unglaublich tolle Erfahrung«.

Dabei seien die israelischen Kollegen oft überrascht, wie viel sie jetzt schon weiß. »Sie können oft nicht glauben, dass ich schon ausgebildete Optikerin und noch so jung bin. In Israel würden die Leute das, was ich gelernt habe, an der Uni studieren, in Deutschland macht man dafür eine Berufsausbildung.«

zertifizierung Auch Renfordt ist jung. Mit 25 ist er bereits Malermeister und arbeitet im Betrieb seiner Familie, den er in einigen Jahren übernehmen möchte. Dafür brauche er den Meisterbrief, erklärt er den Israelis ausführlich. »Und der ist auch wichtig für den Respekt.«
Einer der Partner des Projekts ist die LGH.

Deren Leiterin der Koordinierungsstelle Außenwirtschaft, Handwerk NRW, Almut Schmitz, gab einen detaillierten Einblick in die Vorteile und Besonderheiten einer deutschen Ausbildung und betont die Bedeutung der Zertifizierung. »Wir brauchen Akademiker, die das große Ganze sehen, und Leute, die das auch praktisch umsetzen können.« Leider würden manche Menschen heute auf eine handwerkliche Ausbildung herabschauen. Dabei ist der Meisterbrief mit einem Bachelor an einer Universität gleichzusetzen, macht sie klar.

Der Meisterbrief ist mit einem Bachelor an einer Universität gleichzusetzen.

Ein leidenschaftlicher Verfechter der Berufsausbildung ist Daniel Schubert. Er sprüht nur so vor Begeisterung, als er seine Arbeit in der Dombauhütte in Köln und in Israel vorstellt. Sein Herz habe »in Flammen gestanden«, als er bei einem Praktikum zum ersten Mal mit Stein arbeitete. Damals wusste er noch nichts von Steinen, aber heute ist er Meister – und »I can do stones«, wie er seinem Publikum lachend verrät.

fachmann Obwohl die Meisterausbildung alles andere als einfach gewesen sei, ist er froh und stolz, dass er sie absolvierte. Denn dass er ein echter Fachmann auf seinem Gebiet ist, bescheinigt ihm nicht nur sein Erfolg an der Dombauhütte, »auch Freunde, die Architektur studieren, bestätigen, dass sie manches, was ich über Steine weiß, an der Uni nicht lernen«. Vor einigen Jahren hat er sogar an der Grabeskirche in Jerusalem gearbeitet.

Nach Israel würde eine Berufsausbildung der deutschen Art gut passen, meint Schubert. »Denn die Israelis wollen sehr viel lernen«, sagt er und zeigt auf seinen Freund Ohad. Mit dem arbeitet er hier zusammen, zum Beispiel an einem Haus in Haifa. Dort fehlte jüngst ein großer, besonderer Stein, den das Team ersetzte. »Wir haben den Stein per Hand gefertigt. Das war eine wirklich schöne Arbeit, die alle glücklich gemacht hat.«

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