Verhandlungen

Hamas will verhindern, dass die Frauen sprechen

Mitglieder von Hamas and Islamischem Dschihad bei einer Geiselübergabe am vergangenen Dienstag Foto: Flash90

Das Verhandlungsteam packt seine Sachen. Am Samstag rief der Chef des Mossad, David Barnea, die Gruppe von Israelis zur Rückkehr nach Hause auf, die sich seit Tagen in Doha, der Hauptstadt Katars, befand. Die indirekten Verhandlungen zwischen der Hamas und Israel um die Freilassung weiterer Geiseln seien in eine »Sackgasse« geraten.

»Die Hamas-Terrorgruppe ist ihren Verpflichtungen aus der Vereinbarung nicht nachgekommen, die die Freilassung aller Frauen und Kinder beinhaltete, die auf der Liste standen, die die Hamas genehmigt hatte«, hieß es in einer offiziellen Erklärung des israelischen Geheimdienstes. Barnea dankte darin »dem CIA-Chef, dem ägyptischen Geheimdienstminister und dem Premierminister von Katar für ihre Partnerschaft und die enormen Vermittlungsbemühungen, die zur Freilassung von 84 Frauen und Kindern aus Gaza sowie 24 ausländischen Staatsangehörigen geführt haben«.

Israel toleriert keine Weigerung der Hamas, Frauen freizulassen

»Laut einem israelischen Beamten wollte die Hamas die verbleibenden weiblichen Geiseln nicht freilassen, um zu verhindern, dass sie öffentlich über das Erlebte sprechen. Stellen Sie sich vor, was das bedeutet«, schrieb Aviva Klompas, ehemaliges Mitglied der israelischen Delegation der Vereinten Nationen, im Anschluss auf Twitter/X.

Als die Hamas in der vergangenen Woche Listen mit zur Freilassung vorgesehenen Geiseln vorlegte, die im Widerspruch zum Waffenstillstandsabkommen standen, teilte Barnea dem Team in Katar mit: Israel werde nicht tolerieren, dass Hamas die Rückgabe der entführten israelischen Frauen verweigert. Es werden noch immer viele, auch junge, Zivilistinnen in Gaza festgehalten. Darunter zum Beispiel Noa Argamani und Romi Gonen, die beide vom Nova-Festival in der Nähe des Kibbuz Re’im verschleppt wurden.

»Hamas ist ihren Verpflichtungen nicht nachgekommen, bestimmte Geiseln freizulassen.«

US-außenminister Antony Blinken

Israel habe zudem Forderungen der Hamas abgelehnt, bei jeder Freilassung Leichen auf die Geisellisten zu setzen. Die Frage, was Israel bereit ist, der Hamas im Austausch für tote Israelis oder andere Geiseln, die nicht Frauen oder Kinder sind, zu geben, ist noch unklar. Jerusalem hat sich bislang nicht dazu geäußert. Bis Freitag waren 110 Geiseln nach Israel zurückgekehrt, schätzungsweise 137 sind noch immer in der Gewalt der Hamas. Allerdings weiß man nicht, wie viele der Menschen tatsächlich noch am Leben sind.

Die Schuld der palästinensischen Terrorgruppe, dass der Deal platzte, wurde von Außenminister Antony Blinken bestätigt, der am Freitag hervorhob, dass die Waffenruhe »wegen der Hamas zu Ende ging, die begann, Raketen abzufeuern, bevor die Pause endete«. Blinken fügte hinzu, dass die Hamas »ihren Verpflichtungen nicht nachgekommen sei, bestimmte Geiseln freizulassen«. Unterdessen macht die Hamas Israel für das Scheitern der Gespräche verantwortlich.

Hamas-Geschosse auf Tel Aviv

Am Freitag wurden die Kämpfe zwischen Israel und der Hamas wiederaufgenommen. Die IDF beschoss nach eigenen Angaben »Hunderte von Terrorzielen im Gazastreifen«. Die Hamas feuerte Raketen auf die südlichen Gemeinden, darunter die Stadt Aschkelon. Am späten Samstagabend donnerten auch Geschosse auf das Zentrum des Landes, unter anderem auf Tel Aviv.

Als die Kämpfe wieder begannen, seien die Verhandlungen noch im Gange gewesen, um die Freilassung der verbliebenen israelischen und ausländischen Geiseln im Austausch gegen palästinensische Gefangene sicherzustellen, hieß es unterdessen aus dem katarischen Außenministerium. »Der Staat Katar ist zusammen mit seinen Vermittlungspartnern entschlossen, die Bemühungen fortzusetzen, die zur humanitären Pause geführt haben, und wird nicht zögern, alles Notwendige zu tun, um zur Ruhe zurückzukehren.«

Nachrichten

Vermisst, Einmischung, Deal

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  24.03.2026

Israel

Lex Haredim auf Eis

Zustimmung zum Kriegshaushalt erkauft

von Sabine Brandes  24.03.2026

Libanon

Israel will Gebiet bis Litani-Fluss kontrollieren

Der israelische Verteidigungsminister will die Pufferzone zwischen Israel und der Hisbollah vergrößern

 24.03.2026

Tel Aviv

NGO warnt vor Begnadigung Netanjahus

Die Organisation Movement for Quality Government fordert Kulturminister Eliyahu auf, von einer Begnadigungsempfehlung an Staatspräsident Isaac Herzog abzusehen

 24.03.2026

Nahost

Libanon weist iranischen Botschafter aus

Die Lage zwischen der Hisbollah und Israel spitzt sich immer weiter zu. Die Regierung in Beirut trifft nun weitere Maßnahmen, um den iranischen Einfluss einzudämmen

 24.03.2026

Dating

Dating-Plattform OKCupid startet hebräische Version

Ein Schwerpunkt liegt auf der Einbindung traditioneller und religiöser Nutzergruppen

 24.03.2026

Affen

Seltene Orang-Utan-Geburt erwartet: Zoo in Jerusalem hofft auf Nachwuchs

Die Schwangerschaft ist kein Zufall, sondern Ergebnis eines koordinierten Zuchtprogramms

 24.03.2026

Vatikan

Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem lädt Papst Leo nach Jerusalem ein

Rund zwei Millionen Menschen besuchen jährlich die Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem, die der versuchten Vernichtung des jüdischen Volkes in Nazi-Deutschland gewidmet ist. Nun wurde auch der Papst dorthin eingeladen

 24.03.2026

Nahost

Sechs Verletzte bei iranischen Raketenangriffen auf Tel Aviv

Selbst Abgeordnete der Knesset mussten eine Parlamentssitzung unterbrechen und zeitweise Schutzräume aufsuchen

 24.03.2026