Ein ehemaliger Leibwächter des getöteten Hamas-Führers Ismail Haniye hat in Großbritannien Asyl und später die britische Staatsbürgerschaft erhalten. Im vergangenen Jahr soll der Mann eine groß angelegte Terrorserie gegen Juden und Israelis in Europa mitgeplant haben. Das berichtete jetzt die britische Zeitung »The Sunday Times«.
Der Mann, dessen Identität aus rechtlichen Gründen derzeit nicht veröffentlicht werden darf, wird in dem Artikel »Mr. X« genannt. Er soll vor mehr als einem Jahrzehnt aus dem Gazastreifen nach Großbritannien gekommen sein und dann als IT-Berater gearbeitet haben.
Der Palästinenser soll zum persönlichen Sicherheitsteam von Ismail Haniye gehört haben. Der Hamas-Vorsitzende hatte bis zum Jahr 2017 die Terrororganisation im Gazastreifen angeführt und wurde später Vorsitzender des Politbüros. Im Juli 2024 wurde er in Teheran durch einen Anschlag getötet. Haniye hielt sich nach der Amtseinführung des iranischen Präsidenten Massud Peseschkian in einem Gästehaus der Revolutionsgarden auf. Nach iranischen Angaben sei das Gebäude von einem Geschoss getroffen worden.
Seine Hamas-Zugehörigkeit sollen Behörden bekannt gewesen sein
Iran und die Hamas machten Israel verantwortlich. Eine offizielle Bestätigung aus Jerusalem gab es erst im Dezember. Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz sagte bei einer Veranstaltung damals ausdrücklich, dass tatsächlich Israel hinter der Tötung Haniyes stecke.
Sein Leibwächter war allerdings schon lange zuvor nach Europa geflüchtet. Nach Angaben der Sunday Times soll X vorher in Ägypten festgenommen worden sein. Seinerzeit seien ihm Schmuggel von Waffen und Gold in den Gazastreifen vorgeworfen worden.
Im Jahr 2015 dann habe X Asyl beantragt und einen Aufenthaltsstatus erhalten, durch den er in Großbritannien bleiben konnte. Später wurde ihm sogar die britische Staatsbürgerschaft verliehen, mit der er sich in Europa völlig frei bewegen konnte. Und das, obwohl seine Verbindungen zur Hamas und seine Tätigkeit für Haniye den britischen Behörden bekannt gewesen sein sollen, als über seinen Aufenthaltsstatus entschieden wurde, schreibt die britische Zeitung.
»Mr. X« soll seinen legalen Namen mehrfach geändert und sich ein scheinbar normales Leben in der IT-Branche aufgebaut haben.
Die Tarnidentität soll, so der Bericht, sehr ausgeklügelt gewesen sein. So habe er seinen legalen Namen mehrfach geändert und sich ein scheinbar normales Leben in der IT-Branche aufgebaut.
Im November des letzten Jahres wurde X im Zentrum von London von britischen Sicherheitsbehörden verhaftet. Dies sei im Rahmen einer internationalen Untersuchung gegen ein Hamas-Netzwerk erfolgt, das Anschläge in Europa geplant und vorbereitet haben soll.
Auch in Deutschland geriet X schließlich ins Visier: Er wird verdächtigt, eine zentrale Rolle bei den Vorbereitungen von Terroranschlägen gespielt zu haben. Auch soll der Hamas-Mann Waffen und Munition von Berlin nach Wien gebracht und dort für eventuelle Angriffe gelagert haben.
Als mögliche Ziele gelten jüdische Gemeinden, israelische Diplomaten und pro-israelische Demonstrationen in Deutschland und Österreich. Die Anschläge sollten rund um den zweiten Jahrestag des Hamas-Massakers vom 7. Oktober 2023 stattfinden, also im Jahr 2025, so der Bericht weiter.
Mossad und Sicherheitsbehörden in Deutschland informierten britische Kollegen
Die Informationen über die geplanten Anschläge sollen nach Angaben der »Sunday Times« vom israelischen Geheimdienst Mossad und deutschen Sicherheitsbehörden an die britischen Behörden übermittelt worden sein. Derzeit läuft gegen X in Großbritannien ein Strafverfahren. Anschließend soll er angeblich nach Deutschland ausgeliefert werden.
Äußerst ungewöhnlich ist dabei allerdings der Umgang mit seiner Identität: Ein Gericht in London verhängte zunächst eine Nachrichtensperre über 100 Jahre. In dieser Zeit hätte der Name des mutmaßlichen Terroristen nicht veröffentlicht werden dürfen. Nach einem Antrag der Sunday Times sei diese Entscheidung jedoch revidiert worden. Nun darf nach Abschluss der gegen ihn laufenden Strafverfahren in Großbritannien öffentlich gemacht werden, wie X wirklich heißt.