Konjunktur

Gute Prognose

Vor allem Israels Hightechbranche erwartet viel Erfreuliches von 2010. Foto: Flash 90

Wenn man von den ungelösten politischen Problemen einmal absieht, präsentieren sich die nächsten Monate in Israel reichlich paradiesisch – zumindest in der Optik der Konjunkturexperten. Während in den meisten Ländern Rezession, steigende Arbeitslosigkeit, ein negatives Konsumklima und eine zunehmende Staatsverschuldung die Wirtschaftsaussichten trüben, verbreiten die Kenner der israelischen Ökonomie Optimismus.

Von einem »fantastischen Wachstum« spricht zum Beispiel Schlomo Maoz, Chef-ökonom beim Tel Aviver Investmenthaus Excellence Nessuah. Seine Zuversicht begründet er mit steigenden Steuereinnahmen, einem anziehenden Konsum der privaten Haushalte, steigenden Gewinnen und höheren Investitionen. Maoz ist in bester Gesellschaft. Auch Barclays Capital rechnet in ihrer jüngsten Israel-Studie mit einem Boomjahr. Die Rezession habe Israel nahezu ohne Schaden überstanden, weil der Finanzsektor des Landes weniger verletzlich gewesen sei als in den meisten Volkswirtschaften des Westens. Die Prognostiker überbieten sich derzeit förmlich, wenn es um den künftigen Konjunkturtrend in Israel geht. Barclays rechnet für 2010 mit einem Wirtschaftswachstum von 2,9 Prozent und 3,1 Prozent im Folgejahr. JP Morgan rechnet für 2010 sogar mit einem BIP-Wachstum von 3,6 Prozent und von 4,5 Prozent im Jahr 2011.

Export Alimentiert wird der Aufschwung vor allem von den Ausfuhren. Sie wuchsen im dritten Quartal um stolze 33 Prozent, wenn man den Quartalswert aufs ganze Jahr umrechnet. Besonders hoch war die ausländische Nachfrage nach Hightech-Produkten. Die Technologieexporte stiegen in den Monaten September bis November, aufs Jahr hochgerechnet, um stolze 40 Prozent. Und der Trend zeigt weiter nach oben, meinen Bankökonomen. Sie erwarten, dass die Ausfuhren im Jahr 2011 um 65 Prozent zulegen werden.

Bereits jetzt befindet sich die Wirtschaft auf Wachstumskurs. Im dritten Quartal habe sich der Aufwärtstrend konsolidiert, schreibt die Bank Hapoalim in ihrem jüngsten Konjunkturbericht. Sie sei um 2,2 Prozent gewachsen, wenn man das Ergebnis des 3. Quartals aufs ganze Jahr hochrechnet. Im Finanzministerium geht man von einer Reduktion der Arbeitslosenquote aus. Sie soll im Laufe des nächsten Jahres von heute 7,7 Prozent auf sechs Prozent fallen. Das positive Klima beflügelt das Ausgabeverhalten der Bürger. Der private Konsum dürfte bis 2011 um weitere drei Prozent zunehmen. Die Tel Aviver Börse reflektiert derzeit die gute Wirtschaftsstimmung. Der Index »Tel Aviv-25« ist seit Januar um 75 Prozent gestiegen.

Die Auswirkungen der Finanzkrise haben Israels Konjunkturdaten kaum in Mitleidenschaft gezogen. Das Sozialprodukt im dritten Quartal war zwei Prozent höher als im letzten Quartal 2007, als die Rezession in den USA begonnen hatte. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum verzeichnete die Wachstumsrate des Sozialprodukts in Industrieländern ein deutliches Minus: -3 Prozent in den USA, -3.6 Prozent im Euroraum, -5 Prozent in Großbritannien, und -5,7 Prozent in Japan. Dass Israels Wirtschaft die globale Rezession relativ gut überstanden hat, bestätigten Mitte Dezember auch die Ökonomen des Internationalen Währungsfonds (IWF). Sie loben vor allem die Fiskal- und Geldpolitik der Israelis. Experten erwarten zwar eine Preissteigerung, die im Sommer bei vier Prozent liegen könnte. Aber die Notenbank haben die inflationären Tendenzen im Griff, heißt es zum Beispiel in einem Bericht von JP Morgan.

Von der globalen Wirtschaftskrise wurde Israel relativ spät und bloß schwach ergriffen, fasst ein Report des Währungsfonds zusammen. Seit 2008 habe Israel den Status eines »sicheren Hafens« angenommen, stellen die IWF-Experten fest. Es sei zu einem starken Anstieg der Netto-Kapitalzuflüsse gekommen, was bei der Landeswährung zu einer starken Aufwertung geführt habe.

Gesundheit

Rezept gegen die Pillen

Neue Vorschriften sollen den Missbrauch opioidhaltiger Medikamente eindämmen. Israel führt weltweit beim Pro-Kopf-Konsum

von Sabine Brandes  05.07.2026

Ehemalige Geiseln

Wenn aus Ketten Freudentänze werden

Hennafeier von Eliya Cohen und Ziv Abud: Das Paar feiert seine Liebe und bereitet sich auf die Hochzeit im August vor

von Sabine Brandes  03.07.2026

Wirtschaft

So viele Millionäre gibt es in Israel

Ein Überblick

von Sabine Brandes  03.07.2026

Kriminalität

Vier Tote in 24 Stunden

Nur 12 Prozent aufgeklärt: Israels arabische Gemeinde sieht sich einer immer weiter eskalierenden Welle der Gewalt gegenüber

von Sabine Brandes  03.07.2026

Gazastreifen

Israelische Armee tötet Entführer von Daniel Perez

Muhammad Na’im Jandiya überfiel mit einer Nukhba-Einheit den Kibbuz Nahal Oz

 03.07.2026

22. Makkabiade

Zusammenstehen - mehr denn je

Tausende Athletinnen und Athleten aus aller Welt feiern bei der Eröffnung in Jerusalem jüdische Identität, Sport und Solidarität – gerade in Zeiten wachsender Unsicherheit

von Sabine Brandes  02.07.2026

Israel

»Hab viel Spaß in der Hölle, du Hurensohn!«

Die ehemalige deutsch-israelische Geisel Rom Braslavski reagiert auf die Tötung ihres Peinigers. Ein Moment, der für ihn mehr als Rache ist

von Sabine Brandes  02.07.2026

Nahost

Hat ein Tadschike für den Iran Ziele in Israel ausgespäht?

Über ein Jobangebot kam ein Tadschike laut Israels Geheimdienst mit einem iranischen Agenten in Kontakt. Er soll für Teheran Orte in Israel ausspioniert und weitere Spione angeworben haben

 02.07.2026

Interview

»Klimaanlagen sind Pflicht«

Keren Agay-Shay erklärt, warum extrem heiße Sommer mehr sind als ein Wetterphänomen – und welche Maßnahmen Leben retten können

von Sabine Brandes  02.07.2026