Charity

Gut gefüllt

Die einfachsten Sufganiot sind die besten: Elie Klein spricht aus Erfahrung. Foto: Yissachar Ruas

Diese Sufgania schmeckt wie Papier, bei einer anderen ist nur die Dekoration verführerisch, nicht aber der Inhalt. Und das dritte Teilchen, mit einem Schuss Schnaps veredelt, taugt höchstens für Partys von Lindsay Lohan – die amerikanische Schauspielerin ist bekannt für Alkoholexzesse.

Mitunter gemein, aber sehr unterhaltsam bewertet Elie Klein, Angestellter einer Werbeagentur in Jerusalem, die Palette von Sufganiot, die in Israel zu Chanukka überall angeboten werden. Was auf den ersten Blick als pure Anmaßung verstanden werden könnte, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als wohlbegründete Expertenmeinung nach einer dreijährigen, intensiven Testphase. Der 33‐Jährige aus Bet Schemesch verzehrte in dieser Zeit 300 Sufganiot. Der Grund war nicht sein leibliches Wohl – er tat es für den guten Zweck.

Es begann 2009 mit einer Wette unter Freunden. »Wir wollten wissen, wer die meisten Sufganiot verdrücken kann«, erinnert sich Klein. Ein Jahr später sollte der Wettkampf wiederholt werden, aber einer stieg aus – »vermutlich Gewichtsprobleme«, sagt Klein grinsend. Zu zweit machten sie weiter, twitterten und posteten ihre Eindrücke auf Facebook und gewannen immer mehr Aufmerksamkeit von Freunden und Bekannten.

»Eines Tages sagte mein Cousin, wenn ich noch eine Sufgania esse, würde er mir zehn Dollar geben«, erzählt der amerikanische Einwanderer. Ähnliches offerierte ein Nachbar, und so wurde eine Idee geboren: Wer wollte, dass Klein die Kalorienbomben zu sich nahm, musste bezahlen. Dafür konnte sich derjenige aussuchen, für welchen guten Zweck das Geld gespendet werden soll.

Blutwerte 2010 vertilgte Klein erstmals 70 Sufganiot und sammelte rund 33.000 Schekel für 44 verschiedene wohltätige Einrichtungen in Israel und der ganzen Welt. 2011 kämpfte er sich durch 105 Teigstücke und Portionen von Vanillepudding, Marmelade, Schokolade, Kreationen mit Apfel und Zimt, Halva, Nüssen und Tiramisu. Er sammelte etwa 45.000 Schekel für 83 verschiedene Organisationen.

Und vergangenes Jahr schließlich verschlang er ganze 125 Stück und bekam dafür 65.000 Schekel, die umgehend gespendet wurden. Klein beschloss, dass das für ihn der letzte Vertilgungsmarathon gewesen sein sollte. Die Bilanz: 300 Sufganiot, rund 142.000 Schekel, viel Publicity, schlechte Witze – »Fließt Vanillepudding in deinen Adern?« –, unzählige Fragen nach seinem Gewicht und seinen Vorlieben sowie eine lange alphabetische Auflistung aller Vereine und Organisationen, die Geld erhalten haben.

Was sich nach Zuckerschlecken anhört, lag schwer im Magen. Zwar hatte der Arzt dem damals 31‐Jährigen grünes Licht gegeben. »Meine Blutwerte waren normal.« Aber schließlich aß Klein ja eine ganze Menge der im Öl gebackenen runden Teigware – im Durchschnitt sechs Stück pro Tag, »meistens zum Frühstück und als Dessert zum Mittagessen«, erzählt er. So konsumierte er mal eben bis zu 6000 Kalorien pro Tag, und alle dachten, er werde bald selbst aussehen wie eine Sufgania.

Erstaunlicherweise jedoch konnte der schlanke Mann sein Gewicht halten. »Ich habe nebenher nur noch Salat gegessen.« Hinsichtlich seiner Gesundheit hatte Klein kaum Bedenken und verglich seine Völlerei mit den Anstrengungen eines Marathons: »Das ist ja auch nicht unbedingt gesund, aber einmal im Jahr geht es.« Doch es kostete Klein, der Exemplare aus ganz Israel testete, im Laufe der drei Jahre immer größere Überwindung, die Sufganiot zu essen: »Irgendwie bekam ich eine Abneigung dagegen.«

Während der dreijährigen Spendenaktion zu Chanukka gab Klein niemals bekannt, von welchen Bäckereien genau die Sufganiot stammten. Er sagte lediglich, dass er die einfachen, klassisch mit Marmelade gefüllten am liebsten esse. Dabei brannten seine Anhänger darauf, eine Art Ranking von ihm zu lesen. Sie wollten etwa wissen, ob es sich lohnt, bis zu elf Schekel für ein von Hand zubereitetes Stück hinzublättern, oder ob die am Fließband produzierte Ware für rund vier Schekel genauso gut ist.

Ratgeber Nun endlich ist es so weit: Klein veröffentlichte Tipps zum Kauf und Verzehr der süßen Stücke, wenn auch ohne Nennung bestimmter Bäckereien. In acht Punkten – so vielen, wie Chanukka Tage hat – erklärt der Sufganiot‐Spezialist, worauf man achten muss. Wobei er es nicht immer ganz ernst meint.

Kleine Bäckereien böten bessere Ware, schreibt Klein, dort seien regelrechte Künstler am Werk, die »mystische« Zutaten verwenden. Wer sich von Smarties und anderen überflüssigen Dekorationen auf den Sufganiot blenden lasse, sei selbst schuld. »Nach dem ersten Biss findet man alles und sich selbst auf dem Boden wieder.« Eine Sufgania mit Karamellfüllung sei das Beste. »Wer es nicht kennt, hat nie gelebt«, sagt Klein.

Dieses Jahr fällt das amerikanische Thanksgiving am 28. November mit dem Beginn von Chanukka zusammen. Weshalb manche auf die abstruse Idee kommen, das Gebäck mit Truthahn und Kürbis zu verhunzen. Klein empfiehlt, mit dem Verzehr zu warten, bis beide Feste kalendarisch wieder zusammenfallen – das ist in rund 78.000 Jahren wieder der Fall.

Vermeiden solle man unbedingt auch kostenlose Sufganiot. »Es wird einen Grund geben, warum sie nichts kosten«, mahnt der Experte. Und ganz grundsätzlich zählten hausgemachte Sufganiot sicher zu den besten. Hinsichtlich der verspeisten Menge empfiehlt Klein, sich nicht selbst zu belügen: »Man isst niemals nur einen.« Nur eines dürfe niemals passieren: »Dass jemand meinen Rekord bricht.«

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