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Armee

Granaten und Äpfel

Drei Tonnen Honig und 20 Tonnen Äpfel, damit auch bei der IDF das Jahr süß wird Foto: IDF/Alexi Rosenfeld

Flecken auf dem Tischtuch werden kaum zu vermeiden sein. Denn bei manchem Festessen dürfte es arg schaukelig werden. Doch Seekrankheit ist für die Leute auf dem Raketenschiff Schayetet 3 der israelischen Marine kein Thema mehr. Sie sind daran gewöhnt, auf hoher See zu essen. Auch an Rosch Haschana werden die Schiffe der israelischen Armee bedient, die Panzer gepflegt und die Kasernen bewacht. Viele Soldaten müssen daher an den Feiertagen ihren Dienst ableisten. Doch auch das Militär streift sich in diesen Tagen ein feierliches Gewand über.

»Für mich ist es das erste Mal, dass ich nicht zu Hause mit meiner Familie feiern werde«, erzählt Lior Anderson aus Maalot. Der 19-Jährige ist auf der Schayetet 3 stationiert und wird das jüdische Neujahr gemeinsam mit seinen Kameraden an Bord verbringen. »Ich werde sicher alle vermissen, denn wir feiern jedes Jahr mit der ganzen Großfamilie. Doch ich freue mich auch auf eine neue Erfahrung. Und darauf, mit meinen Freunden zusammen zu sein.«

Um bei den Soldaten nicht allzu viel Heimweh aufkommen zu lassen, kümmert sich gleich eine ganze Staffel von Helfern um die Ausstattung an den Chagim. Offizier Eyal Ben-David ist zuständiger Leiter für die Lebensmittel-Logistik in den Armeekasernen – auch an den Feiertagen.

Damit es festlich ist und gleichzeitig glatt läuft, ist Ben-David schon seit Wochen mit den Vorbereitungen beschäftigt. Kistenweise werden die Zutaten für Rosch Haschana in die Kasernen gekarrt: drei Tonnen Honig und 20 Tonnen Äpfel, damit das kommende Jahr auch wirklich so süß wie Honig wird. Dazu werden 10.000 Flaschen Traubensaft und zwölf Tonnen Honigkuchen verteilt. Und auch Granatäpfel gibt es satt: ganze zehn Tonnen. Die zahlreichen Kerne in der symbolischen Frucht stehen für die vielen Mizwot, die man im neuen Jahr leisten soll.

Seele Für Ben-David ist das Wichtigste, dass es den Soldaten schmeckt. »Wenn der Koch mit Seele arbeitet, dann ist es gutes Essen, und die Soldaten sind glücklich«, spricht Ben-David aus Erfahrung. »An Rosch Haschana kommt natürlich eine Extraportion Liebe hinzu.« Doch natürlich sei es eine große Herausforderung, in Riesenmengen schmackhaft zuzubereiten. Dafür lässt sich die Armee die Ausbildung der Köche etwas kosten. Jeder Einzelne muss die renommierte professionelle Kochschule Tadmor absolvieren und eine Weile in Hotels arbeiten, bevor er den Kochlöffel für die Hungrigen in Uniform schwingen darf.

Und wenn es doch mal nicht schmeckt, erklärt der Lebensmittel-Koordinator, sind die Soldaten aufgefordert, es direkt zu sagen. Regelmäßig trifft sich ein Komitee, das Verbesserungsvorschläge bespricht und umsetzt. »Zu salzig, zu fett, zu fade soll es nicht geben. Wir haben wirklich das Ziel, wie zu Hause bei Ima zu kochen.«

Doch auch auf das Ambiente wird viel Wert gelegt. Statt Plastiktellern auf nackten Tischen sorgen die Küchenteams mit Tischtüchern, Servietten, Blumensträußen und Challot für festliches Flair in den Speisesälen. Die wichtigste Zutat, da ist Ben-David sicher, ist aber die Gemeinschaft: »An den Feiertagen sitzen alle zur selben Zeit zusammen, sprechen den Segen über den Wein und lassen sich die Köstlichkeiten schmecken. Egal, ob die Soldaten religiös oder säkular sind, das gefällt immer allen. Ganz besonders an diesem ersten Feiertag im neuen Jahr.«

Damit es auch mit der Einhaltung der Speisegesetze klappt, schaut Avi Edri, zuständiger Kaschrutaufseher bei der Marine in der Einheit Squadron 3, überall vorbei. Gleichzeitig versorgt er die Soldaten mit sämtlichen Zutaten und Utensilien, ohne die ein Fest kein echtes Fest ist: für Rosch Haschana mit dem Schofar, Äpfeln und Granatäpfeln, für das Laubhüttenfest Sukkot mit den vier Arten (Arba Minim) sowie Überraschungen, Musik und Tanz für Simchat Tora. Außerdem organisiert Edri Fahrten nach Jerusalem an die Kotel, nach Safed und andere heilige Orte für jene, die Slichot sagen möchten.

Heimweh »Wir kümmern uns um die Soldaten und bieten ihnen alles, was zu einem richtigen Feiertag gehört. Wir wollen nicht, dass sie sich einsam fühlen, weil sie nicht zu Hause bei ihren Familien sind. Es gefällt ihnen aber eigentlich immer sehr gut«, so Edri. »Manchmal sogar noch besser als zu Hause.«

Dass es ihm in der Kaserne besser gefällt, als mit der Familie Apfelschnitzel in Honig zu tauchen, würde Maor Gur sicher nicht sagen. Doch der Soldat aus Frankfurt fühlt sich in seiner Einheit so wohl, dass er sich auf Erew Rosch Haschana in der Basis richtig freut. Der 20-Jährige gehört zur Panzereinheit Chativa 188 und ist seit zwei Jahren als »lone soldier«, als Soldat ohne Familienangehörige in Israel, in der Armee.

Vor Einsamkeit fürchtet sich Gur jedoch nicht. »Nein, wirklich ganz und gar nicht, denn die anderen ›lone soldiers‹, die mit mir im Kibbuz Yechiam wohnen, sind meine zweite Familie geworden – ebenso wie meine Einheit in der Armee. Es ist immer jemand da, mit dem man reden und Spaß haben kann.«

Neben der Geselligkeit ist ihm gutes Essen wichtig. »Wir müssen hier schwere Aufgaben erledigen, da ist es total wichtig, dass wir bestens versorgt werden.« Und weil Gur schon oft Küchendienst in seiner Einheit schieben musste, hat er einen hervorragenden Draht zu den Köchen. »Und die haben mir schon versprochen, dass es an Rosch Haschana richtig lecker werden wird.«

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