Kurzmeldungen

Grammatik, Parkplatz, Literatur

In den Ruinen von Hippos Foto: Flash 90

Grammatik
Autokorrektur gab es damals noch nicht. Archäologen haben an einer antiken Kirche griechische Inschriften entdeckt, die vor Rechtschreib- und Grammatikfehlern nur so strotzen. Die Überreste der Kirche aus dem 6. Jahrhundert n.d.Z. waren schon vor 15 Jahren in der Ausgrabungsstätte Hippos-Sussita am Fuß der Golanhöhen östlich des Sees Genezareth entdeckt worden. Doch erst jetzt wurden die Ruinen von Forschern erneut aufgesucht, die sich Aufschlüsse über den Brand erhofften, der wohl im 7. Jahrhundert in der byzantinischen Siedlung gewütet hat. Dabei entdeckten sie Mosaiken mit geometrischen Mustern, Vögel in lebendigen Farben und »einen sehr fröhlichen fetten Fisch«, so der Grabungsleiter Michael Eisenberg von der Universität Haifa. Zudem wurden drei griechische Inschriften freigelegt, die sämtlich fehlerhaft geschrieben sind. Die Wissenschaftler vermuten daher, dass Griechisch nicht die Muttersprache des Künstlers und seiner kirchlichen Auftraggeber war, sondern wahrscheinlich eher Aramäisch. Die Hoffnung, die Überreste der antiken Synagoge, die es in der Siedlung Hippos gegeben haben soll, noch zu finden, haben die Archäologen inzwischen aufgegeben.

Sensoren
Der erste kassenlose Laden des Landes hat in Tel Aviv eröffnet. Es handelt sich um eine Filiale der Heimtierbedarfs-Kette »Nowpet«. Wenn die Kunden das Konzept annehmen, will Nowpet es auf 20 weitere Filialen ausdehnen. Es funktioniert so, dass Käufer sich einmalig vor dem Besuch des Ladens per Kreditkarte, Telefonnummer und Fingerabdruck registrieren. Mittels seiner biometrischen Daten meldet sich der Kunde beim Betreten des Ladens an. Die Regale öffnen sich nur nach Erkennen des Fingerabdrucks. Die Technologie wurde von dem Start-up »Cyb-Org« entwickelt. Dabei werden auch Kameras zur Erkennung der Kunden und zur Diebstahlprävention eingesetzt. Die Waren werden mithilfe von Sensoren überwacht, die laufend Informationen über den Warenbestand liefern. Die Inhaber von Nowpet schätzen die Betriebskosten für eine solche automatisierte Filiale auf 2500 Dollar pro Monat einschließlich der Miete.

Parkplatz
Im Streit um einen Parkplatz ist am vergangenen Sonntag der 40-jährige Familienvater Ofir Hasdai erschossen worden. Auf dem Parkplatz des Azrieli-Einkaufszentrums in Ramle wurde ihm aus nächster Nähe in die Brust geschossen. Seine Frau und seine beiden Kinder mussten die schreckliche Tat mitansehen. Sanitäter von Magen David Adom brachten Hasdai sofort ins Krankenhaus, wo er kurz darauf seinen Verletzungen erlag. Die Polizei nahm den mutmaßlichen Täter, einen 74-Jährigen aus der Stadt Lod, in Gewahrsam. Die beiden Männer sollen versucht haben, in dieselbe Parklücke einzudringen. Darüber sei es zum Streit gekommen, woraufhin der Täter plötzlich seine Waffe zog und zwei Schüsse auf den anderen Mann abgab. Bereits im Januar hatte sich in Cholon ein ähnlicher Fall ereignet. Ein Vater und sein Sohn wurden festgenommen, weil sie im Streit um einen Parkplatz den 43-jährigen Yuri Podovni erschossen haben sollen.

Literatur
Der Schriftsteller und Übersetzer Tuvia Rübner ist im Kibbuz Merchavia im Norden Israels im Alter von 95 Jahren gestorben. Rübner wurde 1924 in Bratislava als Kurt Tobias Rübner geboren. Als Einzigem seiner Familie gelang ihm 1941 die Flucht über Ungarn, Rumänien, die Türkei, Syrien und den Libanon nach Israel. Im Kibbuz arbeitete er zunächst als Schafhirte, ehe er Professor für hebräische und deutsche Literatur an der Uni Haifa wurde. Seine Gedichte schrieb Rübner bis 1954 in deutscher, anschließend auch in hebräischer Sprache. Seine erste Veröffentlichung in Deutschland war 1990 der Lyrikband Wüstenginster. Es folgten bis 2016 zehn weitere Gedichtbände, die vorallem im kleinen Rimbaud-Verlag erschienen. Zu seinem 90. Geburtstag 2014 kam sein Lyrikband Wunderbarer Wahn heraus. Außerdem übersetzte er unter anderem Goethe, Kafka und Celan ins Hebräische. Für sein Werk wurde Rübner vielfach ausgezeichnet. 1999 erhielt er den Paul-Celan-Preis für seine Übersetzung des Romans Schira von Samuel Agnon ins Deutsche. 2008 wurde ihm der Israel-Preis verliehen und 2012 der Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung. Nach den Worten seines Herausgebers und Freundes Giddon Ticotsky war Rübner ein »Migrant aus der Peripherie der deutschen Kultur«. Nach der Schoa habe er versucht, »etwas von seinem intellektuellen Zentrum in der entfernten Provinz Israel wiederaufzubauen«. Mit seinem literarischen Werk habe Rübner »Brücken zwischen beiden Kulturen gebaut, zu einer Zeit, als Kontakte zwischen beiden Seiten noch als Tabu galten«.

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