Antisemitismus

Gericht: Reiseportal darf Flug eines Israelis nach Kuwait stornieren

In der Kritik: die Fluglinie Kuwait Airways Foto: dpa

Ein Reiseportal darf den Flug eines israelischen Staatsbürgers gegen den Willen des Kunden stornieren, weil dieser wegen seiner israelischen Staatsbürgerschaft bei einem Zwischenstopp in Kuwait nicht einreisen darf. Das hat das Oberlandesgericht (OLG) München am Mittwoch entschieden (Az. 20 U 6415/19). Nathan Gelbart, der Rechtsbeistand des Klägers, nannte das Urteil »enttäuschend, beschämend und falsch zugleich«.

Ein in Deutschland lebender Israeli hatte geklagt, weil er im Jahr 2018 von München nach Sri Lanka reisen wollte. Dabei hätte er einen Zwischenstopp in Kuwait-Stadt einlegen müssen.

BOYKOTT-GESETZ Weil er dort aber wegen des laut Antisemitismusexperten einhellig als judenfeindlich beschriebenen »Einheitsgesetzes zum Israel-Boykott« nicht einreisen darf, stornierte das Online-Reiseportal die zunächst bestätigte Buchung. Der Mann klagte dagegen und forderte eine Entschädigung.

Das Landgericht Landshut hatte die Klage in vorheriger Instanz abgewiesen (Az. 24 O 61/19), das OLG bestätigte diese Entscheidung nun. Entschädigungsansprüche sah es nicht. Die Revision gegen das Urteil wurde nicht zugelassen.

Zwar sei »dieses Gesetz (...) für deutsche Gerichte nicht beachtlich, weil es fundamentalen Grundwerten der deutschen Rechtsordnung widerspreche«, teilte das Gericht mit. Die gebuchte Leistung der Beförderung sei aber »wegen tatsächlicher Unmöglichkeit« ausgeschlossen.

Die Beweisaufnahme habe ergeben, »dass der Kläger als Inhaber eines israelischen Reisepasses schlicht tatsächlich nicht nach Kuwait reisen« dürfe - auch dann nicht, wenn er dort nur in ein anderes Flugzeug umsteigen will.

SKANDAL Rechtsanwalt Nathan Gelbart wies diese Einschätzung zurück. Das Gericht nehme »ein faktisches Leistungshindernis an, weil der Emir von Kuwait als Eigentümer des Flughafens und der staatlichen Fluggesellschaft einfach anordnet: ‚Hier steigen keine Israelis um‘.«

Damit legitimierten die Richter »die Umgehung deutschen Rechts, nämlich die Beförderungspflicht aller Menschen von deutschem Boden aus, unabhängig von Religion, Staatsbürgerschaft und geschlechtlicher Orientierung. Mit derselben Begründung könnte der Emir morgen anordnen, dass keine Homosexuellen mehr in Kuwait umsteigen dürfen und damit eine Beförderungsverweigerung von Schwulen durch Kuwait Airways in Deutschland rechtfertigen,« so Gelbart weiter.

Dass die Verweigerung der Beförderung von Israelis nach Ansicht des Gerichts keine Diskriminierung von Juden sei, da es ja auch einige nichtjüdische Israelis gäbe, sei »ein Skandal«, sagte der Berliner Rechtsanwalt gegenüber der Jüdischen Allgemeinen, und fügte an: »Wer keine Israelis befördert, will Juden diskriminieren. Dieses OLG München würde auch ein Verbot der Beförderung von Gospelsängern durchwinken, da es ja auch einige Weiße unter ihnen geben könnte.«

Man werde nun prüfen, ob gegen dieses Urteil Rechtsmittel eingelegt würden, erklärte Gelbart. dpa/ja

Hamas

Missbrauch als Waffe

Auf Basis von Tausenden Videos, Fotos und Zeugenaussagen dokumentiert ein neuer Bericht systematische sexuelle Übergriffe der Terroristen am 7. Oktober und danach

von Sabine Brandes  24.05.2026

Tel Aviv

Hilfe für das »Liebling Haus«

Das Besucherzentrum der »Weißen Stadt« wird nach Raketenschäden mit deutscher Hilfe repariert

von Sabine Brandes  24.05.2026

Studie

Wird Israel unbezahlbar?

Die Lebenshaltungskosten im Land gehören zu den höchsten weltweit. Dafür gibt es zahlreiche Gründe – manche sind hausgemacht

von Sabine Brandes  24.05.2026

Essen

Balagan auf der Zunge

Zwischen Frena-Ofen und French Malawach: Das EAT Tel Aviv Food Festival zeigt, wie Israels Küche Traditionen aus aller Welt aufgreift, neu mischt und daraus ein lebendiges Geschmacks-Chaos macht

von Sabine Brandes  24.05.2026

Essay

Erinnerungen an Schawuot in Be’eri

Unsere Autorin ist in dem Kibbuz aufgewachsen, der durch das Massaker traurige Bekanntheit erlangte. Eines der prägendsten Feste ihrer Kindheit war das Wochenfest – wird jene Freude je wieder zurückkehren?

von Eshkar Eldan Cohen  21.05.2026

Wahlen

Arabisch-israelisches Zünglein an der Waage?

Der Aktivist Yoseph Haddad will den Sprung in die Politik wagen und könnte im festgefahrenen Rennen um die Knesset entscheidend sein

von Sabine Brandes  21.05.2026

Aschkelon

Israel schiebt Hunderte Flottillen-Aktivisten ab

Während die ausländischen Flottillenaktivisten vom Flughafen Ramon aus ausgeflogen werden, steht die israelische Teilnehmerin Zohar Regev in Aschkelon vor Gericht

 21.05.2026

Jerusalem

»Nicht das Gesicht Israels«: Sturm der Entrüstung gegen Ben-Gvir

Der rechtsextreme Politiker steht in der Kritik, weil er ein Video veröffentlichte, in dem Aktivisten der Gaza-Flotille gedemütigt werden. Auch Regierungschef Benjamin Netanjahu distanzierte sich von seinem Minister

von Sabine Brandes  21.05.2026

Tacheles-Preis

»Ihr prägt den Journalismus. Ihr prägt unser Land«

WELT-Chefredakteur Helge Fuhst hielt die Laudatio auf die Jüdische Allgemeine. Eine Dokumentation

von Helge Fuhst  21.05.2026