Jerusalem

Gantz fordert Neuwahlen

Der Vorsitzende der Nationalen Einheit, Benny Gantz Foto: Flash90

Die Hoffnungen waren groß – wenn auch nur von kurzer Dauer. Benny Gantz, Vorsitzender der Nationalen Einheit, sagte am Dienstag, dass seine Oppositionspartei grundsätzlich einverstanden sei, über einen neuen Kompromissvorschlag zur Justizgesetzgebung zu sprechen, kritisierte jedoch den jüngsten Aufruf von Premierminister Benjamin Netanjahu zu persönlichen Gesprächen als »Spin«.

VERHANDLUNGEN Die Worte von Gantz kommen zu einem Zeitpunkt, da Präsident Isaac Herzog sich bemüht, doch noch eine Einigung zwischen den Seiten auszuhandeln. Die von ihm vermittelten Gespräche Anfang des Jahres waren gescheitert. Jetzt sollten es zunächst indirekte Verhandlungen sein.

Im Juli war eine Einbringung in der Knesset verabschiedet worden, die die Aufsichtsbefugnisse der Gerichte einschränkt. Es ist das erste Gesetz im höchst umstrittenen Justizreformplan der rechtsreligiösen Koalition. Die in der Presse geleakte Rahmenvereinbarung für einen Kompromiss würde angeblich eine »weichere« Version des verabschiedeten Gesetzes beinhalten und ein 18-monatiges Einfrieren der Gesetzgebung zur Umgestaltung des Wahlausschusses, der die Richter ernennt.  

»Klar ist, dass Israel von einer extremen Minderheitsregierung regiert wird.«

Benny gantz

Die Berichterstattung kommt nur wenige Tage vor den Terminen am 12. und 19. September vor dem Obersten Gerichtshof, bei denen Petitionen gegen die Änderung der Gesetze gehört werden. Die Regierung beantragte eine Verschiebung, doch der Gerichtshof antwortete: »Angesichts des erweiterten Gremiums und aufgrund von Terminbeschränkungen ist es unmöglich, dem Antrag der Regierung stattzugeben.« Lediglich die Frist für das Verfassen einer Antwort der Koalition wurde verlängert.

SCHWINDEL Zudem lehnte am selben Tag der als Hardliner bekannte Justizminister Yariv Levin den angeblichen Kompromiss ab. Er bezeichnete den Vorschlag als »Schwindel« und machte unmissverständlich klar: »Das ändert nichts an dem, was erforderlich ist – die Änderung des Ausschusses für die Auswahl der Richter.« Er fügte hinzu, dass Netanjahu diese Position unterstütze. »Entgegen allen Berichten gibt es seitens des Premierministers keine Änderung hinsichtlich der Reform.«

In einer Fernsehansprache zur Hauptsendezeit äußerte sich Gantz am Dienstagabend: Es sei ihm versichert worden, dass der Kompromissvorschlag Herzogs vom Premierminister angenommen worden sei. Gleichsam glaube er nicht daran, vor allem nach dem öffentlichen Widerstand der Hardliner in der Koalition, dass Netanjahu einen solchen Deal eingehen könne. »Klar ist, dass Israel von einer extremen Minderheitsregierung regiert wird«, sagte Gantz.

VIDEOCLIP »Erst gestern lehnten Netanjahu und der Likud ihren eigenen Vorschlag ab, um danach zum Dialog aufzurufen«, echauffierte sich der Oppositionspolitiker weiter, wenige Minuten nachdem Netanjahu einen Videoclip veröffentlicht hatte, in dem er Gantz´ Team aufforderte, sich zu Gesprächen zu treffen.

Statt einer Zusage zu Verhandlungen verlangt der ehemalige Verteidigungsminister, dass Neuwahlen ausgerufen werden: »Netanjahu muss die Regierung und die Knesset auflösen. Der Staat Israel muss Wahlen durchführen, die die Heilung der israelischen Gesellschaft ermöglichen.« Denn es gebe »keinen effektiven Premierminister. Netanjahu tut zunächst das, was für ihn gut ist, und erst danach das, was für den Staat Israel gut ist«.

Nahost

Darüber sprachen Merz und Netanjahu heute

Kurz vor direkten Gesprächen von israelischen und libanesischen Vertretern greifen zwei deutsche Regierungsmitglieder zum Telefonhörer. Wer mit wem spricht und wie Berlin auf die Gespräche blickt

 13.04.2026

Ungarn

Netanjahu gratuliert Wahlsieger Magyar – und lobt Orban

Israels Premier: »Orban ist ein wahrer Freund Israels, der fest an der Seite Israels stand angesichts ungerechter internationaler Verleumdungen«

 13.04.2026

Diplomatie

Israel und Libanon verhandeln in Washington

Streben nach einem Friedensabkommen, Waffenruhe und Normalisierung: In Washington treffen sich Israel und Libanon zu direkten Gesprächen. Aber wie realistisch sind die Ziele?

 13.04.2026

Waffenruhe

Mangel an Flügen könnte für teuren Sommer sorgen

Reisexperten warnen, dass die Rückkehr der ausländischen Airlines ein langsamer Prozess sein könnte

von Sabine Brandes  13.04.2026

Budapest

Nach Wahlsieg: Magyar äußert sich erstmals zu Israel

Ungarns designerter Ministerpräsident will künftig wieder mit dem Internationalen Strafgerichtshof kooperieren. Auch zu möglichen EU-Sanktionen gegen Israel bezog Péter Magyar Stellung

 13.04.2026

Nahost

US-Militär will ab sofort Straße von Hormus blockieren

Donald Trump möchte verhindern, dass der Iran Gebühren von Schiffen durch die Meerenge verlangt. Jetzt will das US-Militär die Kontrolle der Straße von Hormus übernehmen

 13.04.2026

Nahost

Hinrichtungen im Iran auf 35-Jahres-Rekordhoch

Im Iran wurden 2025 laut Iran Human Rights mindestens 1.639 Menschen hingerichtet – ein Höchststand seit 35 Jahren. Menschenrechtsorganisationen fordern Konsequenzen

 13.04.2026

Libanon

Israels Armee umstellt Hisbollah-Hochburg

In dem Ort in der Nähe der israelischen Grenze sollen Dutzende Kämpfer der Terror-Miliz eingeschlossen sein

 13.04.2026

Israel

Zeit, Zionist zu sein!

Fünf Gründe, den jüdischen Staat zu lieben – mit all seinen Stärken und Schwächen

von Daniel Neumann  13.04.2026