Engagement

Für den Schutz gefährdeter Arten

Lebt noch in Brasilien: der Nördliche Braune Brüllaffe Foto: Getty Images/iStockphoto

Es geht weiter mit dem Weltretten – das fünfte Jahr in Folge. Die israelische Organisation TiME (This is My Earth) hat im vergangenen Jahr gleich zwei Landstücke im Ausland gekauft, um dort bedrohte Arten vor dem Aussterben zu bewahren. Darunter sind zwei Affenarten, mehrere Vogelarten sowie Pflanzen. Ein Gebiet liegt in Brasilien, das andere in Kenia. Demnächst werden diese Regionen durch den Einsatz der Israelis unter Naturschutz stehen.

TiME wurde vor einigen Jahren von Professor Uri Shanas von der Fakultät für Biologie und Umwelt an der Universität Haifa-Oranim und Professor Alon Tal von der Universität Tel Aviv gegründet. Heute besteht die Non-Profit-Organisation aus mehr als 5700 Mitgliedern, darunter Wissenschaftler aus verschiedenen Ländern. Neben Aufsichtsrat und Mitgliedern gibt es ein wissenschaftliches Beratungs-Komitee. TiME akzeptiert Mitglieder jeglichen Alters.

PLATTFORM Die Organisation, die komplett aus Freiwilligen besteht, fungiert als internationale demokratische Plattform, in der jeder Spender unabhängig von der Höhe seiner Einlage ein Stimmrecht dafür hat, wo in der Welt das nächste Stück Land gekauft wird. Den Mitgliedern werden drei Optionen präsentiert, die vom wissenschaftlichen Komitee ausgesucht wurden. Jede der Gegenden beherbergt eine Vielzahl an Arten, die vom Aussterben bedroht sind. Das erworbene Gebiet wird in der nahen Zukunft besonders geschützt.

Die Organisation, die komplett aus Freiwilligen besteht, fungiert als internationale demokratische Plattform.

»Wenn wir bislang gedacht haben, dass die Zerstörung der Natur uns Menschen hauptsächlich durch Klimawandel trifft, haben wir in diesem vergangenen Jahr eine andere Form der Zerstörung kennengelernt, die Corona-Pandemie«, sagt Shanas. »Die Pandemie hat einen schrecklichen Preis in Sachen Gesundheit, wirtschaftlicher Sicherheit und persönliches Leben von uns gefordert.«

Seiner Meinung nach sei daher jetzt die wichtigste Aufgabe der Menschen, die Naturgebiete zu schützen, um zukünftige Pandemien zu verhindern und die globale Erwärmung zu verlangsamen. »Wir sehen bislang nur die Spitze des Eisbergs und werden wahrscheinlich – als Konsequenz davon, wie wir mit der Natur umgehen – mit noch schlimmeren Vorfällen konfrontiert werden.«

crowdfunding 2020 sammelten die Mitglieder so viel Geld durch Crowdfunding, dass sie zum ersten Mal seit dem Bestehen gleich zwei Landstücke in einem Jahr erwerben konnten. Nach Angaben von TiME gehen 100 Prozent der Spenden in den Landkauf und -schutz.

Die TiME-Mitglieder erstanden dabei eine Fläche von etwas mehr als zwei Quadratkilometern im Serra-Bonita-Höhenzug des Atlantischen Regenwalds (Mata Atlantica) an der Ostküste Brasiliens für 140.000 US-Dollar. Diese Region gilt als eine der Naturregionen weltweit, deren Erhaltung höchste Priorität hat. Eine Untersuchung des Gebiets Ende des vergangenen Jahrhunderts ergab, dass auf 10.000 Quadratmetern je 458 Baumarten zu finden sind.

Der Nördliche Braune Brüllaffe und das Kapuzineräffchen sind vom Aussterben bedroht.

Mit den Käufen wird TiME nach eigenen Angaben mehrere Dutzend Arten in diesem Jahr retten können. Darunter die vom Aussterben bedrohten Affenarten Nördlicher Brauner Brüllaffe (Alouatta guariba) und das Kapuzineräffchen (Buff-headed Capuchin, Cebus xanthosternos). Außerdem will TiME 27 Vogelarten schützen, darunter den gefährdeten Gebänderten Kotinga.

DAKATCHA-WALDGEBIET Die Mitglieder hatten das Geld für das brasilianische Gebiet bereits vor Ende 2020 zusammen. Also blieben einige Wochen, um für ein weiteres »Landpaket« zu sammeln: Die Wahl fiel auf Kenia.

Auf den knapp 0,81 Quadratkilometern im Dakatcha-Waldgebiet soll vor allem die endemische Vogelart Golandweber (Ploceus golandi) geschützt werden, die dort das einzige noch existierende Nistgebiet weltweit hat. Auch stehen die Eulenart Otus ireneae und die seltene Pflanze Warburgia stuhlmannii auf dem Plan der Retter – und das alles zum Preis von 40.600 US-Dollar.

Doch TiME geht nicht in fremde Länder, kauft Landstriche auf und praktiziert einen sogenannten grünen Kolonialismus, wie die Organisation betont. Stattdessen ist es eines der zentralen Prinzipien, dass die Schutzgebiete nicht der israelischen Organisation, sondern einheimischen Menschen oder Organisationen gehören. So wird das betreffende Land in Brasilien vom Instituto Uiracu verwaltet und das kenianische von Nature Kenya, der ostafrikanischen Gesellschaft für Naturgeschichte.

Die Organisation habe als kleine Gruppe angefangen, die Aktivitäten aber mittlerweile stark ausgeweitet.

artenschutz-hotspot »2,3 Prozent der Fläche der Erde werden als Artenschutz-Hotspots bezeichnet, in denen viele endemische Tiere und Pflanzen leben, die bedroht sind«, erläutert der Gründer. »Mit unseren kleinen Landpaketen, die wir kaufen, tragen wir daher in bedeutender Weise dazu bei, viele Arten zu bewahren.«

Das Konzept habe sich nach fünf Jahren des Bestehens bewährt, hebt er hervor. »Anfangs dachte man, dass unsere Herangehensweise naiv sei, aber jetzt sieht man, dass sie tatsächlich funktioniert und die düstere Realität, in der wir leben, ändert.«

Die Organisation habe als kleine Gruppe angefangen, die Aktivitäten aber mittlerweile stark ausgeweitet. Zusätzlich zu Landerwerb und Aufbau von Naturschutzgebieten vermittelt TiME sein Bildungsprogramm – außer in israelischen Schulen – auch in Bildungseinrichtungen in den USA und Afrika. Uri Shanas freut sich über noch mehr Beteiligung: »Ich lade die Menschen von überallher ein, bei uns mitzumachen und ein Teil davon zu sein, die Gegenwart und zukünftige Richtung unserer Erde zu ändern.«

Israel

Schönheit mit Narben

Designer entwerfen Kleidung für kriegsversehrte Soldaten, um im öffentlichen Raum auf ihre Schicksale aufmerksam zu machen. Zu Besuch bei einer Modenschau in Tel Aviv

von Sabine Brandes  23.06.2026

Terrorgefahr

Schin Bet warnt vor möglichem Angriff auf Eilat im Stil des 7. Oktobers 

Der Chef des Inlandsgeheimdienstes soll führende Mitarbeiter der Behörde angewiesen haben, mögliche Angriffsszenarien für die Hafenstadt im Süden zu untersuchen

 23.06.2026

Kommentar

Wer kann das noch ernst nehmen?

Immer mehr zeigt sich: Anmoderation und Exekution von Unwahrheiten und falschen Fakten vor einem Millionenpublikum sind kein ärgerlicher Ausrutscher, sondern gezielte Agitation

von Daniel Killy  23.06.2026

Jerusalem

Israel-Libanon-Gespräche: Netanjahu kündigt Verbleib der Armee im Südlibanon an

»Die IDF wird weiterhin entschlossen handeln, um Bedrohungen für unsere Soldaten und Zivilisten abzuwehren«, sagt die israelische Regierung

 23.06.2026

Jerusalem

Netanjahu: Israel hat iranische Bombe verhindert

Israels Premier bezeichnete den Angriff auf den Iran als »größte Luftoperation« in der Geschichte des Landes

 22.06.2026

Bildung

Israel setzt auf Künstliche Intelligenz im Englischunterricht

Der Start des Programms fällt in eine Phase, in der die Schulen des jüdischen Staates mit erheblichen Problemen beim Sprachenunterricht kämpfen

 22.06.2026

Uganda

Entebbe-Entführung 1976: Debatten um Linksterror und Antisemitismus

Vor 50 Jahren entführten zwei Deutsche und zwei Palästinenser einen Airbus aus Israel nach Uganda. Dabei sollen sie Geiseln nach antisemitischen Kriterien voneinander getrennt haben. Die Tat befeuerte das Unbehagen vieler Linker mit Gewalt

von Nils Sandrisser  22.06.2026

Süd-Libanon

Israelische Armee entdeckt Hisbollah-Tunnel mit Raketenstellungen

IDF: Die Raketenschächte sind durch Luftangriffe nur sehr schwer oder gar nicht zerstörbar

 22.06.2026

Absichtserklärung

Trumps Frieden – Irans Sieg

Während der US-Präsident das Memorandum mit Teheran als Durchbruch feiert, warnen Experten in Israel vor Zugeständnissen bei der Atomfrage und im Libanon

von Sabine Brandes  21.06.2026