Korruption

Fünf bis sieben Jahre

Ehud Olmert Foto: Flash 90

Es sieht nicht gut aus für Ehud Olmert. In einer ersten Anhörung zur Höhe des Strafmaßes hat die Staatsanwaltschaft am Montag eine Haft von bis zu sieben Jahren für den einstigen Premierminister Israels und Ex-Bürgermeister von Jerusalem gefordert. Vor vier Wochen war Olmert vom Tel Aviver Bezirksgericht wegen Bestechlichkeit schuldig gesprochen worden. Es war der größte Korruptionsskandal, der jemals im Land aufgedeckt wurde.

Für den Richter David Rozen galt es als erwiesen, dass der Politiker während seiner Amtszeit als Bürgermeister in zwei Fällen Bestechungsgelder angenommen und Baugenehmigungen für das Projekt »Holyland« an Freunde verkauft hat. Mehrere Hunderttausend Schekel sollen geflossen sein.

Staatsanwalt Jonathan Tadmor fordert dafür bis zu sieben Jahre Haft und vier Jahre für die anderen Vergehen, unter anderem Vertrauensbruch. Anfang der Woche erklärte er, die Straftaten von Olmert seien schwerwiegend und hätten »einen zerstörerischen Einfluss auf Bürger und Regierung«.

wiederaufnahme Mit auf der Anklagebank saßen Uri Lupolianski, auch er ein ehemaliger Erster Mann der israelischen Hauptstadt, sowie Danny Dankner, der frühere Vorsitzende der zweitgrößten Bank des Landes, Hapoalim. Beide wurden wegen Bestechung schuldig gesprochen. Wenn es nach der Staatsanwaltschaft geht, wandern die Männer demnächst für bis zu acht Jahre ins Gefängnis. Sie sollen Hunderttausende von Dollar gezahlt haben, um einen bestimmten Standort in der Stadt für das Projekt zu sichern.

In einem anderen Verfahren im Jahr 2012 war Olmert in den Hauptanklagepunkten freigesprochen worden. Doch nun will die Staatsanwaltschaft diese Fälle neu aufrollen, da es neues Beweismaterial gebe. Das soll dem Obersten Gericht präsentiert werden. Wenn die Richter das Material akzeptieren, wird sich Olmert erneut vor Gericht verantworten müssen. Staatsanwalt Schai Nitzan geht davon aus, dass genau das passieren wird, und legte bereits Berufung gegen den Freispruch in der Affäre »Rischon-Tours« ein.

Olmert scheint noch immer zu hoffen, dass es glimpflich für ihn ausgeht. Er präsentierte dem Richter 17 Briefe von verschiedenen israelischen Persönlichkeiten, die ihm Charakterstärke bescheinigen. Unter anderem haben der Präsident von Jad Vaschem, Avner Schalev, und die Exfrau von Ehud Barak, Nava, Zeilen verfasst. Amir Dan, der Medienberater des früheren Kadima-Vorsitzenden, sagte bereits, die Forderungen der Staatsanwaltschaft seien unverhältnismäßig. Offenbar wolle jemand »eine Rechnung begleichen«.

Natur

Gefährliche Ameise

Die invasive Afrikanische Großkopfameise breitet sich schnell aus und kann Ökosysteme sowie die Landwirtschaft schädigen – jetzt wurde sie in Haifa gefunden

 29.10.2026

Jerusalem

Wahl in Israel: Behörden sehen keine Beweise für Betrug

Den Vorwurf der ausländischen Einflussnahme auf die Knesset-Wahl nimmt die Wahlkommission aber ernst

 29.10.2026

Jerusalem

Lieberman: »Nicht mit Bibi und nicht mit Tibi«

Der Chef von Israel Beiteinu schließt eine Zusammenarbeit mit Netanjahu und den arabischen Parteien aus – und fordert eine rein zionistische Koalition

von Sabine Brandes  29.10.2026

Jerusalem

Israels Wahlkommission fordert Untersuchung möglicher ausländischer Einflussnahme

»Es wurden ernsthafte Verdachtsmomente an mich herangetragen«, sagt der Vorsitzende der Zentralen Wahlkommission, Noam Sohlberg

 29.10.2026

Jerusalem

Herzog will Neuwahlen vermeiden

Angesichts der unklaren Mehrheitsverhältnisse appelliert der israelische Präsident an die politischen Lager, sich bei den anstehenden Koalitionsverhandlungen kompromissbereit zu zeigen

 29.10.2026

Jerusalem

Auszählung der »Sonderstimmen« in Israel hat begonnen

Die Stimmen von Soldaten, medizinischem Personal, Patienten sowie israelischen Diplomaten im Ausland könnten die Sitzverteilung in der Knesset noch verändern

 29.10.2026

Jerusalem

Wahl-Patt in Israel: Netanjahu und Eisenkot suchen Partner

Kein Lager hat eine Mehrheit, die Regierungsbildung dürfte schwierig werden. Während erste Gespräche laufen, erhebt Netanjahus Partei schwere Wahlbetrugsvorwürfe

 29.10.2026

Essay

Der neue Jude

Warum ich Mitleid mit den Deutschen habe, die bis heute nicht begreifen wollen, dass wir keine wehrlosen Opfer mehr sind, sondern starke, selbstbestimmte Menschen, die hart zurückschlagen, wenn man uns angreift

von Zeev Avrahami  28.10.2026

Nachrichten

Auszählung, Expats, Einmischung

Kurzmeldungen aus Israel

von Sophie Albers Ben Chamo  28.10.2026