Diplomatie

Friedensgespräche drohen zu scheitern

US-Außenminister John Kerry Foto: Flash 90

Die Nahost-Friedensgespräche zwischen Israelis und Palästinensern drohen wieder einmal zu scheitern. Am Dienstagabend hatte Palästinenserpräsident Mahmud Abbas die Kabinettssitzung in Ramallah live im Fernsehen übertragen lassen. Zu sehen war die Unterzeichnung der Aufnahmeanträge für 15 UNO-Gremien.

Das widerspricht den Absprachen, die die Beteiligten für die Ende Juli vergangenen Jahres begonnenen Friedensgespräche unter Vermittlung von US-Außenminister John Kerry getroffen hatten. Danach hatten sich die Palästinenser verpflichtet, für die Dauer der Gespräche ihr Anliegen nicht vor internationale Gremien zu bringen. Die vereinbarte neunmonatige Dauer der Friedensverhandlungen endet erst am 29. April.

Unmut Abbas begründete seinen Schritt damit, Israel habe seinerseits die Zusage nicht eingehalten, bis zum 29. März die letzten 26 von insgesamt 104 wegen Terrorismus verurteilten palästinensischen Häftlinge freizulassen. Deswegen seien die Palästinenser nun berechtigt, sich an die Vereinten Nationen zu wenden.

Bei dem amerikanischen Außenminister John Kerry dürfte dieser Schritt für großen Unmut gesorgt haben. Denn noch am Dienstag hatte Kerry die Möglichkeit eingeräumt, der Spion Jonathan Pollard noch vor Pessach freizulassen, um die stockenden Friedensgespräche wieder in Schwung zu bringen. Mit der Freilassung Pollards, der wegen Spionage für Israel seit Jahren in amerikanischer Haft sitzt, sollte Israel der nächste Schritt erleichtert werden, wiederum palästinensische Gefangene freizulassen.

Proteste Mit dem erneuten Gang vor die UNO nahm Palästinenserpräsident Abbas Kerry nun gewissermaßen den Wind aus den Segeln. Eine heute geplante Reise nach Ramallah, dem Sitz der Palästinensischen Autonomiebehörde, sagte der US-Außenminister denn auch prompt ab. Von einem Scheitern der Friedensgespräche wollte Kerry dennoch nicht reden. »Wichtig ist, den Prozess am Leben zu erhalten und zu sehen, ob die Parteien bereit sind voranzugehen«, sagte Kerry in Brüssel. »Die USA sind stolz und bereit, in diesem Prozess ein Vermittler zu sein. Aber die politischen Führer der beiden Seiten müssen die Entscheidungen treffen, nicht wir.«

Sowohl Abbas als auch Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu betonten, die jüngsten Ereignisse bedeuteten nicht das Ende der Friedensverhandlungen, und man sei an weiteren Gesprächen interessiert. Die geplante Freilassung palästinensischer Gefangener ist in Israel höchst umstritten, da sich darunter Mörder israelischer Bürger befinden. Bei den bisherigen Gefangenenfreilassungen hatte es jedes Mal Proteste von Angehörigen der Terroropfer gegeben. ja

Israel-Hasserin El Hissy

Jüdische Gemeinde Frankfurt übt scharfe Kritik am Börsenverein des Deutschen Buchhandels

Die Hintergründe

 04.09.2026

Bildung

Fragt mich!

Der deutsch-israelische Psychologe Ahmad Mansour besucht regelmäßig Schulen. Hier erzählt er, wie aus Sprachlosigkeit ein offener Austausch über Antisemitismus, Israel und den Nahostkonflikt entstehen kann

von Ahmad Mansour  04.09.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  04.09.2026

Jerusalem

Netanjahu: Sturz des Regimes im Iran »zentrale Mission« Israels

»Ich bin zuversichtlich, dass wir in der Lage sind, diese Bedrohung ein für alle Mal zu beseitigen«, sagt der Ministerpräsident

 04.09.2026

Knesset-Wahlen

Ein Wegweiser durch den Dschungel der israelischen Politik

Am 27. Oktober wählt Israel. Sie wollen mitreden, aber können die Parteien nicht auseinanderhalten? Willkommen im Klub. Die Israelis können es auch nicht

von Guy Katz  04.09.2026

Rehovot

Israelische Forscher melden Erfolg bei Krebsforschung

Forscher des Weizmann Institute of Science entdeckten gemeinsam mit amerikanischen Wissenschaftlern einen bislang unterschätzten Mechanismus bei der Entstehung genetischer Mutationen

 04.09.2026

Interview

»Die meisten arabischen Staaten wollen, dass Israel gewinnt«

Dan Schueftan gilt als wichtigster israelischer Sicherheitsexperte. Er sieht Jerusalem so stark wie nie zuvor – und Europa auf einem ideologischen Irrweg

von Detlef David Kauschke  03.09.2026

Umfrage

Umfrage: Netanjahu-Lager holt auf, beide Blöcke bei 53 Mandaten

Noch vor einer Woche hatte dieselbe Umfrage ein deutlich anderes Bild ergeben. Damals lag die Opposition mit 57 Sitzen vorn

 03.09.2026

Missbrauch

Razzia gegen Kinderehen

Die Polizei ermittelt gegen eine strengreligiöse sektenähnliche Gruppe wegen illegaler Hochzeiten von Minderjährigen

von Sabine Brandes  03.09.2026