Weltwirtschaftsforum

»Frieden ist unvermeidbar«

John Kerry (M.) mit Schimon Peres (l.) und Mahmud Abbas beim Weltwirtschaftsforum in Jordanien Foto: Flash 90

Ein Hauch von Hoffnung weht durch den Nahen Osten. Erst die Friedensinitiative für Israel und die Palästinenser von US-Außenminister John Kerry, jetzt das Weltwirtschaftsforum in Jordanien. Israels Präsident Schimon Peres sagte eindeutige Worte auf der Bühne des Nachbarlandes. Er erklärte, dass man für einen Frieden keine Zeit mehr verlieren solle.

Auch Kerry war an den Ufern des Toten Meeres auf jordanischer Seite mit dabei. »Wollen wir mit einer permanenten Intifada leben?«, fragte der Politiker in seiner Rede. »Keinen Frieden zu haben, bedeutet dauerhaften Krieg.« Die einzige Lösung dafür, dass Israel als jüdischer Staat überleben könne, sei eine Zwei-Staaten-Lösung. Den Anwesenden Peres und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas sagte Kerry, dass er bereits eine Vereinbarung in der Tasche habe. Sie bräuchten jetzt nur auf die Bühne zu kommen und diese unterschreiben.

Regelwerk Es folgte höfliches Lachen, doch niemand tat einen Schritt. Jeder weiß, dass ein Abkommen zwischen Israelis und Palästinensern ein kompliziertes Regelwerk sein wird, über dessen Details Delegationen beider Seiten an runden Tischen zerren und ringen werden. Dennoch solle man die Gelegenheit nutzen, die Kerrys Initiative geschaffen habe, betonte Israels Präsident.

»Es ist die Zeit für Frieden«, erklärte Peres voller Überzeugung in dem Forum. »Ich glaube, jetzt ist eine bedeutende Chance, zu den Gesprächen zurückzukehren und die Verhandlungen mit den Palästinensern zu einem Abschluss zu bringen.« Seine mit langem Applaus versehene Rede brachte dem fast 90-jährigen Friedensnobelpreisträger einmal mehr den Titel »Mr. Peace« ein.

»Wir alle stimmen mit dem Präsidenten Schimon Peres überein«, betonte auch der Chefunterhändler der Palästinenser, Saeb Erekat, in einem Interview. »Er sollte sich nun darauf konzentrieren, den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu zu überzeugen.«

Der, den Peres stets als »Partner« bezeichnet, machte in Jordanien klar, dass er keine Lösung akzeptieren werde, die »temporäre Grenzen« beinhalte. Abbas besteht auf der Bildung eines Palästinenserstaates in den Grenzen von 1967 – Ostjerusalem inklusive. Vorübergehende Grenzlinien würden den Konflikt nicht beenden, sondern stattdessen verlängern. Er bat Kerry, diese »zu vergessen«.

Zwei-staaten-lösung Dann forderte er Israel auf, die arabische Friedensinitiative zu lesen. Die derzeitige Aktivität der Regierung in Jerusalem sei »unerträglich« und würde die Möglichkeit einer Zwei-Staaten-Lösung zunichtemachen. Der Palästinenserpräsident hatte, anders als Peres, viel zu kritisieren und schien mehr in der Vergangenheit zu rühren, als in die Zukunft zu blicken. Er verlangte unter anderem, dass sich Israel dem »Problem der Flüchtlinge und der Sicherheitsgefangenen« annehme.

Peres hörte währenddessen aufmerksam zu und bezeichnete alle vorgebrachten Bedenken als bedeutend und bewegend. »Lasst uns zusammensitzen. Ihr werdet überrascht sein, wie viel man in offenen und direkten Gesprächen erreichen kann. Ich kann die Anliegen verstehen – doch wir haben ein gemeinsames Anliegen. Dass wir zusammentreffen und all das in einen Frieden verwandeln.«

»Beide Seiten müssen realisieren, dass Krieg nicht der Dauerzustand in der Region sein muss«, betonte Peres. Man müsste Abschied nehmen von der Skepsis, dass Krieg unvermeidbar sei. »Krieg ist nicht unvermeibar. Der Frieden ist unvermeibar.«

Kultur

Wer ist »Michelle«? Das Geheimnis hinter Israels ESC-Song

Noam Bettans Lied klingt wie eine Trennungsgeschichte – doch viele interpretieren den Text anders: Als die komplizierte Beziehung des jüdischen Volkes zu Europa

von Sabine Brandes  19.05.2026

Israel

Frühstart für Quallen-Saison: Erste große Schwärme vor der Küste

Problem am Badestrand: Zwischen Nahariya und Aschkelon werden bereits zahlreiche glibberige Nesseltiere gesichtet

 19.05.2026

Umfrage

Viele Gaza-Bewohner denken über Auswanderung nach

Laut einer israelischen Erhebung sind fast 80 Prozent der Befragten an Informationen über Möglichkeiten zur Ausreise in Drittstaaten interessiert

 19.05.2026

Jerusalem

Umfrage: Mehrheit der Israelis will Regierung ohne Netanjahu 

Die israelische Regierung wackelt. In jüngsten Umfragen käme die aktuelle Koalition bei weitem nicht auf eine Mehrheit. Auch die politische Zukunft von Regierungschef Netanjahu scheint ungewiss

von Andrea Krogmann  19.05.2026

Gaza

Neue Studie: Hamas plante 7. Oktober über Jahre

Forschungen der Hebräischen Universität zeigen auf, dass das verheerende Massaker Teil einer langfristigen Strategie zur Destabilisierung Israels war

von Sabine Brandes  19.05.2026

Washington

Trump: Geplanter Angriff auf Iran vorerst gestoppt

»Wenn wir ein Abkommen mit Iran erreichen können, ohne sie in Grund und Boden zu bombardieren, wäre ich sehr glücklich«, so der US-Präsident

 19.05.2026

In eigener Sache

»Jüdische Allgemeine« erhält Tacheles-Preis

Der Tacheles-Preis wird alle zwei Jahre an Personen oder Organisationen verliehen, die sich für die Sicherung einer jüdischen Zukunft in Deutschland einsetzen. Die Laudatio hält der neue WELT-Chefredakteur Helge Fuhst

 18.05.2026

Mittelmeer

Israel stoppt neue Gaza-Flotte

Ende April war die »Global Sumud Flotilla« bereits in internationalen Gewässern gestoppt worden. Die Aktivisten stachen daraufhin noch einmal von einem Hafen in der Türkei in See. Jetzt wurde die Flotte erneut von Israel abgefangen

 18.05.2026

Wirtschaft

Energiezentrum in Nahost

Die Gasfelder im östlichen Mittelmeer könnten für mehr Stabilität in der Region sorgen – gäbe es keine kriegsbedingten Ausfälle

von Sabine Brandes  18.05.2026