Studie

Food-Apps gegen Verschwendung

Nicht nur fotografieren, auch teilen! Foto: Getty Images / istock

Studie

Food-Apps gegen Verschwendung

Ben-Gurion-Uni rät zum Teilen von Lebensmitteln

von Sabine Brandes  24.03.2020 17:44 Uhr

In einem In-Lokal einen gemeinsamen Teller zu bestellen, gilt als schick. Wenn man die Reste von anderen verspeist, wird allerdings meist die Nase gerümpft. Eine neue Studie der Ben-Gurion-Universität (BGU) im Negev zeigt aber, dass Apps für das Teilen von Lebensmitteln die Verschwendung von Essen drastisch verringern können.

Tamar Makov von der Fakultät für Betriebswirtschaft und Management an der BGU leitete die Studie, die gemeinsam mit Wissenschaftlern der Universitäten Yale, Harvard, Boston und California Davis durchgeführt wurde.

Der Verlust von Lebensmitteln nach der Ernte wird global auf 1,3 Milliarden metrische Tonnen jährlich geschätzt. Das entspricht acht Prozent Treibhausgasen, 20 Prozent Frischwasserverbrauch und 30 Prozent der Nutzung von landwirtschaftlichen Flächen. Viel zu viel, um in den Abfall zu wandern, resümieren die Experten.

VERSCHWENDUNG In der EU und den USA verschwendet jeder Haushalt im Durchschnitt 124 bis 154 Kilogramm pro Kopf und Jahr, zehn Prozent des gesamten Lebensmittelkonsums. »All das stellt eine außerordentliche Verschwendung von Ressourcen und Geld dar«, so Makov. »Ganz zu schweigen davon, welch ethische Farce es ist, ein Drittel der globalen Ernte wegzuwerfen, während einer von neun Menschen unter chronischer Unterernährung leidet.«

In eineinhalb Jahren wurden auf diese Weise 91 Tonnen Essen weitergegeben und landeten, statt im Müll, im Magen eines anderen.

Während das kurze Regalleben vieler Lebensmittel ihre Weiterverteilung schwierig macht, sei die Teil-Wirtschaft hervorragend dazu geeignet, schnell Angebot und Nachfrage zu koordinieren.

Die Leiterin der Studie und ihre Kollegen untersuchten dafür 170.000 Posts der führenden Food-Sharing-App OLIO. Dabei fanden sie heraus, dass mehr als 60 Prozent der aufgelisteten Produkte konsumiert wurden. Vor allem ging es um Backwaren, haltbare Lebensmittel, frische Produkte und zubereitete Gerichte.

müll In eineinhalb Jahren wurden auf diese Weise 91 Tonnen Essen weitergegeben und landeten, statt im Müll, im Magen eines anderen.

»Die Zahl mag im Vergleich zur globalen Verschwendung klein sein, doch sie zeigt, dass diese Apps helfen können, den Klimawandel zu bekämpfen«, erläutert Makov. »Denn Menschen sind absolut bereit, Essen von Fremden zu bekommen. Und zwar in viel größerem Umfang als je zuvor.«

Kommentar

»Eigentlich habe ich noch nie mit einem Juden gesprochen«

Als Antisemitismusbeauftragter jüdisch zu sein ist kein Manko. Im Gegenteil: Es braucht an deutschen Universitäten mehr jüdische Beauftragte

von Guy Katz  30.06.2026

Archäologie

Höhle der Menschheitsgeschichte

Funde in einer Hunderttausende von Jahren verschlossenen Höhle südlich von Haifa könnten eines der größten Rätsel über die Vorgeschichte des Homo sapiens lösen

von Sabine Brandes  30.06.2026

Folgen des 7. Oktober

Israel tötet Peiniger von Rom Braslavski

Rund zwei Jahre lang wurde der Deutsch-Israeli von Terroristen des Islamischen Dschihad gequält. Als er von der Tötung »Abu Yusufs« hört, bricht er in Tränen

 30.06.2026

Meinung

Georg Restle, die Jüdische Allgemeine und der berüchtigte Scheck aus Jerusalem

Früher hätte man Journalisten wie Restle, die Juden unterstellen, sie seien nur Sprachrohr einer Regierung in Israel, die Eignung als Politik-Redakteure beim Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk abgesprochen. Zu Recht

von Michael Thaidigsmann  30.06.2026

Internationales Rotes Kreuz

Knesset lehnt Gesetz zum Besuchsverbot für Häftlinge ab

Sicherheitsminister Ben-Gvir wollte den Zugang zu palästinensischen Sicherheitsgefangenen verwehren, doch der Gesetzentwurf scheitert an Stimmen der eigenen Koalition

von Sabine Brandes  30.06.2026

Bnei Brak

Rabbiner verflucht Israels Armeechef Eyal Zamir

Ein israelischer Soldat wurde wegen eines religiösen Aufnähers inhaftiert. Das und die geplante Einberufung von Charedim sorgt für Verärgerung bei den Ultraorthodoxen

 30.06.2026

Rüstungstechnologie

Israelische Raketenabwehr für Katar

Fotos beweisen, dass in katarischen Regierungsmaschinen Militärtechnologie von Elbit verbaut wurde. Dabei pflegen Israel und Katar nicht einmal diplomatische Beziehungen

 29.06.2026

Reaktionen

»Erster Schritt zum Frieden«

Während Jerusalem und Beirut das Abkommen begrüßen, weist die Hisbollah es entschieden zurück

von Sabine Brandes  29.06.2026

Jerusalem

Israel erkennt den Völkermord an den Armeniern an

Die historische Entscheidung birgt diplomatische Sprengkraft. Außenminister Sa’ar bezeichnete die Anerkennung als »moralische Pflicht«

von Sabine Brandes  29.06.2026