Proteste

Flytilla ohne Flügel

Unerwünscht: Pro-palästinensischer Aktivist bei der Ankunft am Ben-Gurion-Flughafen Foto: Flash 90

Am Ende war die Zahl der Aktivisten, die am Ben-Gurion-Flughafen in Tel Aviv ankamen, kaum der Rede wert. Weniger als ein halbes Dutzend schaffte es nach Bethlehem zum »Welcome to Palestine«-Protest. Die israelischen Bemühungen, die pro-palästinensische »Flytilla« am Sonntag zu stoppen, noch bevor sie begann, hatten Wirkung gezeigt. Regierungspolitiker bezeichneten sie als »vollen Erfolg«. Allerdings ist der PR-Effekt, den die umfassende Maßnahme nach sich zog, im Land umstritten.

Der Plan der Regierung, so viele Aktivisten wie möglich bereits auf den Abflughäfen zu stoppen, war zweifelsohne erfolgreich. Die meisten europäischen Fluglinien hielten sich an die israelischen Vorgaben, die Tickets der Protestierer zu stornieren und sie nicht an Bord zu lassen. Darunter waren Air France, Swissair, Easyjet und die deutsche Lufthansa. Statt der 1.500 erwarteten Aktivisten schafften es dadurch gerade einmal knapp 100 ins Land. 78 von ihnen wurden sofort festgenommen, um in ihre Heimatländer abgeschoben zu werden.

Bereits im vergangenen Sommer hatten rund 800 Menschen, meist aus europäischen Ländern, vor, nach Israel zu fliegen, um sich für die palästinensische Sache einzusetzen. Auch damals verweigerten die Fluglinien den meisten die Reise. Um die 120 wurden von Israel ausgewiesen.

Flugblatt Allen, die am Sonntag angaben, sich am Protest beteiligen zu wollen, wurde am Flughafen ein Brief in die Hand gedrückt, der mit Sarkasmus auf die Anliegen der Pro-Palästina-Demonstranten einging: »Lieber Aktivist, wir erkennen Ihre Absichten an, Israel zum Ziel ihrer humanitären Bemühungen zu machen«, stand geschrieben. Stattdessen, so der Brief weiter, sollten sie doch lieber nach Syrien und in den Iran reisen, um gegen die dortigen unterdrückerischen Regime aufzubegehren. Das Schreiben schließt mit den Worten: »Daher schlagen wir vor, dass Sie sich zunächst um die wahren Probleme der Region kümmern und dann wiederkommen, um Ihre Erfahrungen mit Israel zu teilen. Haben Sie eine gute Reise.«

Vizeaußenminister Danny Ayalon lobte die Kampagne im Armeeradio: »Wir haben Schaden von Israels Souveränität und Image abgelenkt. Das Hauptziel war es, Provokationen und Gewalt zu verhindern.« Die Vorbereitungen seien vor allem auf diplomatischem Wege erfolgt, erläuterte er.

Vermutung In der Tageszeitung Haaretz jedoch erschien am Montag ein Artikel, in dem ein offizieller Vertreter des Außenministeriums mit der Aussage zitiert wird, fast die Hälfte der Namen auf der schwarzen Liste hätten ohne Grund darauf gestanden. »Wir haben Leute hinzugefügt, die so weit von antiisraelischer Politik entfernt sind wie der Osten vom Westen. Dabei haben wir Hunderte von Ausländern wegen bloßer Vermutungen beleidigt und der anderen Seite einen Sieg auf dem Silbertablett präsentiert.«

Die Organisatoren in Bethlehem sagten anschließend: »Es ist egal, ob 800 ankommen oder acht. Es hat gezeigt, dass es einen populären Aufstand gibt, der immer mehr Aufwind bekommt.« Außer etwas Geschubse zwischen linken und rechtsgerichteten Israelis auf dem Flughafen kam es zu keinerlei gewalttätigen Auseinandersetzungen. Der Flugbetrieb verlief ohne Störungen.

Zwischenfall Zeitgleich jedoch kam es bei einer anderen pro-palästinensischen Demonstration im Jordantal zu einem Zwischenfall, der in einem YouTube-Video zu sehen ist. Rund 200 Demonstranten aus Europa und den palästinensischen Gebieten fuhren auf Fahrrädern auf der Straße, schwangen palästinensische Flaggen und sangen Befreiungslieder. Bis zu dem Moment, an dem eine israelische Armeepatrouille sie stoppte und am Weiterfahren hindern wollte.

Wie auf dem Video zu sehen ist, schlägt ein Offizier der Armee plötzlich und ohne ersichtlichen Grund mit seinem M16-Gewehr einem Demonstranten mitten ins Gesicht. Andere Soldaten werfen Fahrräder die Böschung hinunter. Der gewalttätige Offizier Schalom Eisner ist mittlerweile vom Dienst suspendiert, eine Armee-Untersuchung wurde anberaumt, wie ein Pressesprecher mitteilte.

Eisner räumte ein, dass er seine Waffe nicht hätte benutzen sollen, betonte aber, dass das Video lediglich zwei Minuten einer zweistündigen Auseinandersetzung zeige, in denen die Protestierenden gewalttätig gewesen seien. Ein Vorwurf, den der Geschlagene, der Däne Andreas Ias, als »reine Erfindung« bezeichnet.

Staatspräsident Schimon Peres zeigte sich geschockt über die Bilder. Auch Premierminister Benjamin Netanjahu machte klar: »Ein derartiges Verhalten charakterisiert nicht die Soldaten und Offiziere der IDF. Es hat weder Platz in der israelischen Armee noch in unserem Staat.«

Libanon

Israels Armee umstellt Hisbollah-Hochburg

In dem Ort in der Nähe der israelischen Grenze sollen Dutzende Kämpfer der Terror-Miliz eingeschlossen sein

 13.04.2026

Israel

Zeit, Zionist zu sein!

Fünf Gründe, den jüdischen Staat zu lieben – mit all seinen Stärken und Schwächen

von Daniel Neumann  13.04.2026

Bericht

Antisemitische Gewalt auf Höchststand seit Jahrzehnten

Nach dem Gaza-Krieg werden Übergriffe gegen Juden in aller Welt zur Normalität

von Sabine Brandes  13.04.2026

Terror

Israel: Wir wollen ein echtes Friedensabkommen mit dem Libanon

Israel und der Libanon wollen erstmals seit Jahrzehnten direkte Gespräche auf politischer Ebene führen. Premier Netanjahu fordert als Ziel ein Friedensabkommen, das über Generationen halten soll

 13.04.2026

Nahost

Israel stellt sich auf Wiederaufnahme des Iran-Kriegs ein

Nach ergebnislos beendeten Gesprächen zwischen den USA und dem Iran versetzt Israel sein Militär Berichten zufolge in erhöhte Gefechtsbereitschaft. Geht der Krieg mit dem Iran bald wieder los?

 13.04.2026

Wahlen

Die Herausforderer

Der einstige Premier Naftali Bennett und Ex-Generalstabschef Gadi Eizenkot holen in Umfragen auf

von Sabine Brandes  12.04.2026

Nahost

Friedensgespräche im Raketenhagel

Während die Regierungen von Israel und dem Libanon verhandeln wollen, feuert die schiitische Terrororganisation Hisbollah weiter Geschosse auf den Norden ab

von Sabine Brandes  12.04.2026

Kommentar

Empathie für alle?

Dunja Hayali hat zu mehr Mitgefühl mit Betroffenen von Kriegen aufgerufen. Zurecht. Was in den deutschen Medien jedoch kaum vorkommt: das Leid der Israelis, die unter dem ständigen Beschuss der Hisbollah stehen

von Jenny Havemann  10.04.2026

Beirut

Hisbollah-Chef: Machen weiter »bis zum letzten Atemzug«

Während die libanesische Regierung an Verhandlungen mit Israel arbeitet, zeigt sich die Hisbollah unbeeindruckt: Es sei nicht die Zeit, um Zugeständnisse zu machen, betont ihr Anführer

 10.04.2026