Passagiere des hochdramatischen Flydubai-Flugs nach Tel Aviv bereiten umfangreiche Klagen gegen die Fluggesellschaft, den Staat Israel und weitere Beteiligte vor. Dies berichtet unter anderem das israelische Wirtschaftsmagazin »Calcalist«. Die Passagiere haben ein Komitee eingesetzt, das die Verhandlungen mit den Behörden führen soll. Der erwartete Umfang der Klagen wird auf mehrere hundert Millionen Dollar geschätzt.
Nach den Gesprächen mit Anwälten hätten die Passagiere Empfehlungen erhalten. Die Klagen würden sich neben der emiratischen Airline voraussichtlich gegen das Verkehrsministerium in Jerusalem und möglicherweise auch gegen das entsprechende Ministerium der Vereinigten Arabischen Emirate sowie gegen relevante Ministerien anderer Länder richten, da sich unter den Passagieren auch Nicht-Israelis befanden.
Komitee von Mit-Passagier Manes gegründet
Das Komitee für eine Klage wird von Zvika Manes geleitet. Manes ist Geschäftsführer des Versicherungsunternehmens Barak Leumi und war selbst bei der Überwältigung des Copiloten beteiligt, der das Flugzeug zum Absturz bringen wollte. Zu den weiteren Mitgliedern gehören der Anwalt aus Singapur Tal Eisenberg sowie Daniel Schlichter, Itay Perlman und Shir Maor, die alle Passagiere des Flydubai-Flugs waren.
Die Komiteemitglieder hätten sich bereits mit Anwaltskanzleien in Israel getroffen und wollten voraussichtlich zudem internationale Kanzleien konsultieren, um die Rechtsvertretung für ihre Entschädigungsansprüche auszuwählen, schreibt Calcalist.
Etwa 100 der 174 Passagiere sollen eine Vollmacht unterzeichnet haben, die das Komitee zur Vertretung berechtigt. Die übrigen Passagiere hätten sich noch nicht entschieden, ob sie sich der Gruppe anschließen oder eigenständig Entschädigung einklagen.
Calcalist: »Eine der Herausforderungen bei einer solchen Klage ist ihre beispiellose Natur.«
Die Initiative entstand in einer WhatsApp-Gruppe von Passagieren, die unmittelbar nach der Landung des Flugzeugs am Flughafen Ben Gurion gegründet wurde. Darin sei Manes, ein leitender Finanzmanager mit Kontakten zu Juristen, gebeten worden, die Initiative zu ergreifen.
Eine der Herausforderungen bei einer solchen Klage sei ihre beispiellose Natur, heißt es in dem Bericht weiter. Denn ein versuchter Terroranschlag über den Wolken, bei dem der Copilot aus dem Oman versuchte, die Maschine zum Absturz zu bringen, sei einzigartig.
Erste Überprüfungen der Passagiere hätten ergeben, dass eine Klausel im »Abraham-Abkommen« zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten die Regulierung von Flügen zwischen den beiden Ländern betrifft. Es könnte sein, dass der betreffende Flug gegen das Abkommen verstößt.
In der Wirtschaftszeitung Globes wurde ein Experte für Luftfahrtrecht zu Entschädigungen befragt. Der Rechtsanwalt Shai Ben-Haim erklärte in dem Bericht, dass jedem Passagier des Flydubai-Flugs etwa 210.000 US-Dollar Schadenersatz (umgerechnet knapp 187.500 Euro) zustehen könnten.
»Montrealer Übereinkommen« legt Höchstsummen fest
Dies sei die Haftungsobergrenze im sogenannten »Montrealer Übereinkommen«, das in derartigen Fällen zuständig ist. Die Summe ist abhängig vom Ausmaß des entstandenen Schadens und den vorgelegten Beweisen. Ben Haim fügte hinzu, dass in bestimmten Fällen eine Entschädigung auch höher sein könne als die angegebene Höchstgrenze.
Der verhängnisvolle Flug Flydubai 1073 aus den Vereinigten Arabischen Emiraten nach Tel Aviv fand am 29. September statt. Während des Fluges hörte eine Passagierin Rufe aus dem Cockpit und forderte andere Israelis auf, nach dem Rechten zu sehen.
Was sie sahen, war schockierend. Der Kapitän Smit Machchhar hatte es schwer verletzt geschafft, die von innen verriegelte Tür zum Cockpit zu öffnen. Im Innern versuchte der Copilot aus dem Oman gerade, das Flugzeug zum Absturz zu bringen. Es gelang den Israelis, den Terroristen zu überwältigen und außer Gefecht zu setzen. Währenddessen rettete der Passagier Yaniv Hayun zunächst die Maschine, indem er sie stabilisierte. Anschließend übernahmen Piloten, die zufällig auf dem Flug waren, und landeten in der saudi-arabischen Stadt Tabuk, von wo aus die Passagiere sicher nach Israel zurückkehrten.
Das Drama hat in Israel eine Debatte über die Sicherheit von Flügen losgetreten. Die Frage, wie gut ausländische Piloten und Crews überprüft werden, die nach Israel fliegen, bestimmt seit Tagen die Schlagzeilen.