Der verhinderte Terroranschlag während des Flydubai-Fluges nach Tel Aviv wirft in Israel zunehmend eine grundsätzliche Frage auf: Wie gut werden ausländische Piloten überprüft, die nach Israel fliegen?
Seitdem Drama an Bord der Maschine, die der omanische Copilot zum Absturz bringen wollte, steht das israelische System zur Kontrolle ausländischer Fluggesellschaften unter Druck. Zwar werden die Namen von Passagieren und Besatzungsmitgliedern Israel vor einem Flug übermittelt – doch im Fall des omanischen Copiloten schlug offenbar kein Warnsystem an. Dabei unterhält Oman keine diplomatischen Beziehungen zu Israel und der Mann war bereits auffällig gewesen.
Eytan Ben David, ehemaliger stellvertretender Leiter der Luftsicherheit bei El Al und des Nationalen Sicherheitsrats, sagte dem US-Sender CBS News, nach den geltenden Regeln hätte der Mann gar nicht nach Israel fliegen dürfen. »Es reicht schon zu sehen, dass er die omanische Staatsangehörigkeit besitzt, um zu sagen: ›Stopp, er kann nicht nach Israel fliegen, weil er Omaner ist. Ersetzen Sie ihn durch einen anderen Piloten.‹ Es war ein riesiges Versagen, und es ist ein großes Wunder.«
Ben David meint, dass die Namen nicht ordnungsgemäß überprüft worden seien und keine angemessene Sicherheitsüberprüfung stattgefunden habe. »So ist es dazu gekommen. Wir müssen diesen Vorfall so behandeln, als wäre eine Katastrophe geschehen.«
Arkia und Israir mieten regelmäßig Maschinen und Crews
Die Affäre betrifft dabei allerdings auch Israels eigene Fluggesellschaften. Arkia und Israir mieten regelmäßig ausländische Flugzeuge samt Besatzung, was im Fachjargon »Wet Leasing« genannt wird.
Nach einer Recherche des israelischen Kanals 132 seien im Juli dieses Jahres 70 Prozent der Arkia- und 56 Prozent der Israir-Flüge auf diese Weise durchgeführt worden. Auf solchen Flügen, die im Ausland starten, gibt es allerdings nicht dieselbe israelische »Sicherheitshülle« wie bei regulären israelischen Flügen: Unter anderem sind keine israelischen Sicherheitsleute an Bord, und die zusätzlichen Passagierkontrollen würden nicht stattfinden, heißt es in dem Bericht.
Unter anderem diskutieren Sicherheitsexperten im Land derzeit, ob ein ausländischer Pilot, der mit einer israelischen Airline fliegt, genauso überprüft wird wie ein israelischer Pilot.
Eytan Ben-David: »Es war ein riesengroßes Versagen, und es ist ein Wunder, dass die Katastrophe verhindert wurde«.
Währenddessen das Verkehrsministerium in Jerusalem selbst ins Visier. Die Polizei untersucht mögliche Interessenkonflikte bei zwei hochrangigen Mitarbeitern der für die Luftsicherheit zuständigen Abteilung. Leiter Avri Cohen habe Berichten in israelischen Medien zufolge zusätzlich als Sicherheitsbeamter für israelische Airlines an ausländischen Flughäfen gearbeitet.
Diese Nebentätigkeit soll er seit 2018 ausgeübt haben. Zunächst hieß es aus dem Ministerium, sie sei genehmigt gewesen; später räumte das Ministerium ein, dass die erforderliche Genehmigung der staatlichen Kommission für den öffentlichen Dienst doch nicht vorlag. Es heißt, Cohen werde die Tätigkeit nun beenden.
Auch Dvir Rubinstein, Leiter des Flugsicherheits-Zentrums im Ministerium wird polizeilich untersucht. Allerdings ist er kein Angestellter, sondern arbeitet als externer Auftragnehmer für das Ministerium. Es heißt, Rubinstein betreibe eine private Beratungsfirma, die nach Medienberichten unter anderem Flydubai und Emirates geschult und beraten haben soll. Für seine Arbeit soll er von Flydubai bezahlt worden sein – während er im Ministerium für die Sicherheitsaufsicht über ausländische Airlines zuständig war. Hierzu gab das Ministerium an, die Nebentätigkeit sei genehmigt und außerhalb seiner Arbeitszeit erfolgt.
Zwei Personen aus dem Ministerium werden untersucht
Nach Angaben der Sicherheitsbehörden werde derzeit geprüft, ob ein Interessenkonflikt vorgelegen habe. Brisant ist der Fall vor allem wegen der Zuständigkeit ihrer Abteilung, denn sie soll die Sicherheitsvorkehrungen für ausländische Flüge nach Israel festlegen und überwachen.
Darüber hinaus könnte der Vorfall mit Flydubai nun sogar internationale Folgen haben: Im Jahr 2023 war Israel dem amerikanischen Visa-Waiver-Programm beigetreten. Zu den Bedingungen gehörte, dass Israel Informationen über Passagiere und Besatzungsmitglieder erhält und überprüft. Angeblich wollten die USA nun jedoch prüfen, ob Israel diese Verpflichtungen auch tatsächlich erfüllt. Washington könnte die visafreie Einreise von Israelis neu bewerten.