Feiertagsbilanz

Fahrradunfälle und sieben Geburten

Fahrradfahrer an Jom Kippur auf dem Ayalon Highway in Israel (2018) Foto: Flash 90

Unfälle mit Fahrrädern, Schwächeanfälle und Dehydration von Fastenden, Schwangere in den Wehen und schließlich die Geburt von sieben Babys: An Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, mussten die Ambulanzen des Magen David Adom in Israel mehr als 1700-mal ausrücken. Das teilten die Rettungskräfte mit. Tausende zusätzliche Retter hatten an diesem Tag Dienst. Für sie ist Jom Kippur der »geschäftigste« Tag des ganzen Jahres.

Der Versöhnungstag hatte am Dienstag nach Sonnenuntergang begonnen und war am Mittwochabend nach Einbruch der Dunkelheit zu Ende gegangen. Im Gegensatz zu Krankenwagen fahren in Israel an Jom Kippur so gut wie keine gewöhnlichen Autos. Flugzeuge dürfen nicht fliegen, Maschinen nicht arbeiten, Radio- und Fernsehstationen übertragen nicht. Doch während die zivile Wirtschaft ruhte, waren die Sicherheitskräfte wie Armee, Polizei und medizinisches Personal in Alarmbereitschaft.

Fasten Viele Israelis begingen den jüdischen Sühnetag mit dem traditionellen Fasten, indem sie 25 Stunden lang keine Nahrung und Getränke zu sich nahmen. Die Synagogen waren mit Gläubigen gefüllt. In allen Orten hörte man das Gemurmel der Gebete durch die Luft hallen. An der Kotel in Jerusalem versammelten sich an diesem Tag Tausende.

Gegen Abend an Jom Kippur hatte ein 26-jähriger Palästinenser nach Angaben der Polizei in der Stadt versucht, einen jüdischen Gläubigen mit einem Schraubenzieher niederzustechen. Beamte erschossen den Angreifer, das Opfer sei unverletzt geblieben. Die Armee hatte zuvor das palästinensische Westjordanland abgeriegelt, wie an den meisten jüdischen Feiertagen.

Auch die Grenzübergänge zum Gazastreifen waren geschlossen und wurden lediglich für Notfälle geöffnet. An der Grenze zum Gazastreifen waren mehrere Proteste ausgebrochen, gab die israelische Armee an. »Hunderte von Demonstranten rollten brennende Reifen und warfen Molotowcocktails gegen die Soldaten und den Grenzzaun. Rund 20 Palästinenser durchbrachen den Zaun«, hieß es in einer Stellungnahme der Armee. Sie seien festgenommen worden, Verletzte oder größeren Sachschaden habe es nicht gegeben.

Muskelkraft Auch säkulare Israelis pflegen eine lange Tradition an diesem besonderen Tag: Sie übernehmen die verlassenen Straßen und Autobahnen einmal im Jahr gänzlich mit ihrer Muskelkraft. Keine Autos und Lastwagen, sondern Kinder, Jugendliche und Erwachsene düsen mit Fahrrädern, Rollern, Skateboards und Rollschuhen über den Asphalt.

Einige Minuten nach 19 Uhr am Mittwoch begann wieder langsam der israelische Alltag: Die Familien versammelten sich zum Fastenbrechen, die Motoren wurden wieder angeworfen.

Ganz Eifrige holten bereits am selben Abend die Werkzeuge heraus. Denn am Sonntag beginnt das nächste Fest im jüdischen Kalender: Sukkot. Und dafür gilt es, Laubhütten zu bauen, um sieben Tage darin zu wohnen. Besonders in den ultraorthodoxen Gegenden des Landes ertönte das Hämmern und Sägen bis spät in die Nacht.

Israel

Gesetz: Der 7. Oktober soll nicht »Massaker« heißen

Das Büro von Premierminister Netanjahu ließ das Wort für den Titel des Gedenktages streichen. Überlebende und Angehörige außer sich vor Wut

von Sabine Brandes  12.02.2026

Nahost

Israels digitale Front gegen Teheran

Hunderte Cyberattacken wurden in zwölf Monaten abgewehrt. Behörden sprechen von einer »ausgedehnten iranischen Kampagne«

von Sabine Brandes  12.02.2026

Westjordanland

Bericht: Autonomiebehörde zahlt weiterhin »Märtyrer-Renten«

Eigentlich hatte Mahmoud Abbas das Ende der international verurteilten »Pay for Slay«-Praxis verkündet. Laut einem Bericht von Palestinian Media Watch hat er gelogen

 12.02.2026

Gaza

Sicherheitsstillstand

Die Terrororganisation Hamas macht auch in der zweiten Phase des Waffenruhe-Abkommens klar, dass sie einer Entmilitarisierung nicht zustimmen wird

von Sabine Brandes  12.02.2026

Nachrichten

Botschafter, Kontrolle, Künstliche Intelligenz

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  12.02.2026

Meinung

Wiesbaden: Wie man dem Antisemitismus und dem Islamismus eine Bühne bietet

Im Haus der Vereine durfte die Jugendgruppe »Salehin« auftreten. Offiziell ging es um eine »kulturelle religiöse Jugendveranstaltung«. Doch tatsächlich wurde dort Propaganda für das Mullah-Regime gemacht

von Daniel Neumann  12.02.2026

Gesellschaft

Gewalt in arabischen Gemeinden eskaliert: Fünf Tote in zwölf Stunden

Die Gewalt in arabischen Gemeinden Israels eskaliert. Der Polizeichef spricht von einem »nationalem Ausnahmezustand«

von Sabine Brandes  12.02.2026

Gaza

Israel meldet Tötung eines Terror-Drahtziehers

Basel Himouni, ein Hamas-Terrorist aus Hebron, hatte einen Anschlag auf Busse in Beerscheba im Jahr 2004 organisiert. Damals wurden 16 Israelisch ermordet und über 100 Menschen verletzt

 12.02.2026

Melbourne

Herzog warnt vor Judenhass in Australien

Der Staatsbesuch des israelischen Präsidenten löste Proteste im Land aus. Herzog sagte, er habe eine Botschaft des guten Willens nach Australien gebracht und hoffe auf eine Entspannung der Lage

 12.02.2026 Aktualisiert