Sexuelle Gewalt

Ex-Geisel Ilana Gritzewsky: »Ich war noch nie so dankbar für meine Periode«

Die frühere Geisel Ilana Gritzewsky Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Warnung: In diesem Beitrag werden brutale und menschenverachtende Handlungen beschrieben. Bevor Sie ihn lesen, denken Sie bitte darüber nach, ob Sie Schilderungen dieser Art wirklich verarbeiten können.

Ilana Gritzewsky, eine ehemalige Geisel der Hamas, wurde nach eigenen Angaben von den Terroristen sexuell missbraucht, wie sie im Interview mit der »New York Times« schildert. Die 31-Jährige war am 7. Oktober 2023 zusammen mit ihrem Freund Matan Zangauker aus dem Fenster des Schutzraumes ihres Hauses im Kibbuz Nir Oz gesprungen, nachdem die Terroristen auf die Eingangstür geschossen hatten. Dann sei das Paar in verschiedene Richtungen gelaufen.

Gritzewsky wurde von Hamas-Terroristen abgefangen. Ehre Entführer hätten ihr eine Haube aus Nylon oder Plane über den Kopf gezogen und auf ein Motorrad gesetzt. Eingeklemmt zwischen zwei Männern, habe ihr einer von hinten unter das T-Shirt an die Brüste und an die Beine gegriffen. Dann habe er ihr Bein an den heißen Auspuff gedrückt, um ihr Verbrennungen zuzufügen. Schließlich sei sie auf dem Motorrad in Ohnmacht gefallen.

Was mit ihr während der Bewusstlosigkeit passiert sei, wisse sie nicht. Als Ilana Gritzewsky in einem verfallenen Gebäude im Gazastreifen aufwachte, seien ihre Brüste entblößt und ihre Hose heruntergezogen gewesen, während sieben bewaffnete Terroristen um sie herum standen.

Den Männern habe sie gesagt, dass sie ihre Regel habe. Das scheint sie vor Schlimmeren bewahrt zu haben, glaubt Gritzewksy. »Sie schlugen mich und hoben mich hoch. Ich spürte, dass sie enttäuscht waren. Ich glaube, ich war noch nie so dankbar für meine Periode«, sagte die 31-Jährige der »New York Times«.

Der sexuelle Missbrauch in Gaza war jedoch nicht vorbei. Ein Hamas-Terrorist habe sie mit vorgehaltener Waffe umarmt und gesagt, sie werde nie freigelassen, denn er werde sie heiraten und Kinder mit ihr haben.

Ihr Freund Matan Zangauker ist noch immer in Geiselhaft

Doch Ilana Gritzewsky kam im Rahmen des ersten Waffenstillstandsabkommens zwischen Israel und der Hamas am 30. November 2023 frei. Erst nach ihrer Rückkehr sei ihr aufgefallen, dass sie sich die Hüfte gebrochen habe.

Ihr Freund Matan Zangauker ist seit mittlerweile 537 Tagen in der Gewalt der Hamas. Sie habe ihn während ihrer Geiselhaft nie gesehen, so die gebürtige Mexikanerin, die gerade auch für seine Freilassung kämpft.

Lesen Sie auch

Ilana Gritzewsky, die inzwischen ein prominentes Gesicht der regelmäßigen Proteste ist, bei denen die Freilassung der bisher in Gaza verbleibenden Geiseln gefordert wird, sagte in dem Interview: »Ich lebe mit der Frage ›Warum ich und nicht sie?‹. Ich habe darauf keine Antwort.«

»Die Tatsache, dass ich draußen bin, ist ein Zeichen dafür, dass Gott wollte, dass ich meine Stimme erhebe, um den Lebenden zu helfen, ihre Freiheit zu erlangen und die Toten für ein ordentliches Begräbnis zurückzubringen«, so Ilana Gritzewsky.

Extreme Übergriffe

Sie ist bei weitem nicht die erste ehemalige Geisel, die angibt, sexuell missbraucht worden zu sein. Einige Verschleppte erklärten nach ihrer Rückkehr, sie seien in Gaza Zeugen extremer sexueller Übergriffe gegen Geiseln gewesen, die schließlich ermordet worden seien.

Israel hat internationalen Frauenorganisationen vorgeworfen, die sexuelle Gewalt der Hamas nicht zu verurteilen. UN Women, eine UNO-Unterorganisation, die sich um Frauenrechte und Gleichstellung kümmern soll, hatte nach dem 7. Oktober 2023 zwei Monate und 24 Tage lang gebraucht, um sich zu einer Verurteilung der Hamas-Angriffe in Israel durchzuringen. im

Gaza

Israel nach Angriff auf Top-Terroristen: »Wir werden sie alle früher oder später fassen«

Kürzlich tötete Israel den Militärchef der Hamas, Iss al-Din al-Haddad. Nun hat die Armee laut Ministerpräsident Netanjahu auch dessen Nachfolger ins Visier genommen

 26.05.2026

Debatte

Warum werden Israels Fehler laut, der mörderische Judenhass seiner Feinde aber allzu oft nur sehr leise benannt?

Ein Kommentar von Stephan-Andreas Casdorff

von Stephan-Andreas Casdorff  26.05.2026

Jerusalem

Medienreform oder Angriff auf die Pressefreiheit?

Israels Kommunikationsminister Shlomo Karhi verspricht mehr Wettbewerb. Kritiker warnen jedoch vor politischer Einflussnahme und der Schwächung unabhängiger Sender

von Sabine Brandes  26.05.2026

Den Haag

Smotrich bestätigt Haftbefehl des ICC

Israels Finanzminister spricht offen über einen vermeintlichen internationalen Haftbefehl gegen ihn. Der Fall könnte weitere Spitzenpolitiker betreffen

von Sabine Brandes  26.05.2026

Diplomatie

Zini und Dahlan: Geheimtreffen mit vielen Fragen

Israels Schin-Bet-Chef reist heimlich in die Emirate – und spricht mit dem Mann, der als möglicher Schlüssel für Gazas Zukunft gilt

von Sabine Brandes  26.05.2026

Tel Aviv

Maxim Herkin veröffentlicht Tagebuch aus der Geiselhaft in Gaza

»Ich hoffe, dass diese Seiten Menschen berühren, ihnen etwas Echtes vermitteln und sie noch lange nach dem letzten Kapitel begleiten«, sagt die frühere Hamas-Geisel

 26.05.2026

Jerusalem

Lapid attackiert möglichen US-Iran-Deal

Lapid bezeichnet die geplante amerikanisch-iranische Vereinbarung als »Katastrophe«. Dass Israel nicht an der Ausarbeitung des Abkommens beteiligt gewesen ist, sei »absurd«, so der Oppositionspolitiker

 26.05.2026

Jerusalem

Netanjahu kündigt härtere Gangart gegen Hisbollah an

Der Ministerpräsident sagt, er habe das Militär angewiesen, den Druck deutlich zu erhöhen. Zuvor hatten die Terroristen Drohnenangriffe gegen Israel gestartet

 26.05.2026

Jerusalem

Netanjahu im Krankenhaus

Nach Angaben seines Büros handelte es sich um einen geplanten zahnärztlichen Eingriff

 26.05.2026