Interview

»Es ist herzzerreißend«

David Raveh Foto: MFA

Herr Raveh, Sie sind als Mediziner derzeit mit einer Hilfsdelegation der israelischen Armee im japanischen Erdbebengebiet. Benötigt das reiche Japan diese humanitäre Unterstützung wirklich?
Auf den ersten Blick mag es wundern, dass eine Großmacht mit 127 Millionen Einwohnern unsere Hilfe braucht. Aber die betroffene Gegend liegt abseits großer Zentren. Japan hat hier eigene junge Mediziner mobilisiert, die nun Hand in Hand mit den israelischen Ärzten und Krankenschwestern arbeiten. Es ist vor allem unsere immense Erfahrung, die gefragt ist.

Wie helfen Sie den Menschen konkret?
Wir arbeiten in der Nähe eines der großen Auffanglager, in denen Überlebende untergebracht sind. Unser Team besteht aus 14 hervorragend ausgebildeten Ärzten und zehn Krankenschwestern. Wir haben ein Hospital mit vier Behandlungszimmern und modernster Technologie aufgebaut, in dem wir so gut wie alles behandeln können. Die kulturellen Unterschiede zwischen beiden Nationen sind allerdings immens. In den ersten 48 Stunden begegneten uns die Japaner mit Skepsis, waren reserviert. Doch jetzt haben sie Vertrauen gefasst und sind sehr dankbar.

Es heißt, viele ausländische Teams seien gar nicht bis ins Katastrophengebiet gelangt und mussten unverrichteter Dinge zurückfliegen. Gibt es außer Ihrer Mannschaft noch andere vor Ort?
Hier in der Provinz Miyagi im Nordosten der Katastrophenregion sind wir die einzigen ausländischen Helfer. Die japanische Regierung hat von vornherein verlangt, dass jeder Hilfstrupp völlig unabhängig arbeiten muss, um keine Belastung für die Bevölkerung darzustellen. Wir dürfen ihr weder Essen noch Strom oder Wasser wegnehmen. Viele andere Nationen konnten oder wollten das offenbar nicht leisten. Doch wir fordern nichts von den Japanern, wir geben nur.

Wie groß ist die Zerstörung in dem Gebiet, in dem Sie sind?
Wir befinden uns inmitten eines Areals, das durch Beben und Tsunami schrecklich verwüstet wurde. Selbst, wenn man vorab Bilder gesehen hat, ist die Realität um ein Vielfaches schockierender. Die Trümmer türmen sich vor uns bis zu einer Höhe von 30 Metern auf, kaum ein Stein steht noch auf dem anderen. Das örtliche Krankenhaus zum Beispiel ist verschwunden. Die Chance zu überleben, war sehr gering. Es ist wirklich herzzerreißend.

Die Nachrichten über den Austritt von Radioaktivität aus den beschädigten Reaktoren klingen bedrohlich. Macht Ihnen das Angst?
Unsere Familien zu Hause waren anfangs ziemlich besorgt. Doch jeder von uns trägt zwei Messgeräte für Radioaktivität bei sich, dazu werden täglich drei Mal Wasser und Luft untersucht. Ich bin jetzt fünf Tage hier und habe nicht einmal ein Vierzigstel der maximalen Menge Strahlung aufgenommen, die für uns erlaubt ist. Also kein Grund zur Sorge.

Mit dem Mitglied des medizinischen Korps der israelischen Armee sprach Sabine Brandes.

Gaza

Israel nach Angriff auf Top-Terroristen: »Wir werden sie alle früher oder später fassen«

Kürzlich tötete Israel den Militärchef der Hamas, Iss al-Din al-Haddad. Nun hat die Armee laut Ministerpräsident Netanjahu auch dessen Nachfolger ins Visier genommen

 26.05.2026

Debatte

Warum werden Israels Fehler laut, der mörderische Judenhass seiner Feinde aber allzu oft nur sehr leise benannt?

Ein Kommentar von Stephan-Andreas Casdorff

von Stephan-Andreas Casdorff  26.05.2026

Jerusalem

Medienreform oder Angriff auf die Pressefreiheit?

Israels Kommunikationsminister Shlomo Karhi verspricht mehr Wettbewerb. Kritiker warnen jedoch vor politischer Einflussnahme und der Schwächung unabhängiger Sender

von Sabine Brandes  26.05.2026

Den Haag

Smotrich bestätigt Haftbefehl des ICC

Israels Finanzminister spricht offen über einen vermeintlichen internationalen Haftbefehl gegen ihn. Der Fall könnte weitere Spitzenpolitiker betreffen

von Sabine Brandes  26.05.2026

Diplomatie

Zini und Dahlan: Geheimtreffen mit vielen Fragen

Israels Schin-Bet-Chef reist heimlich in die Emirate – und spricht mit dem Mann, der als möglicher Schlüssel für Gazas Zukunft gilt

von Sabine Brandes  26.05.2026

Tel Aviv

Maxim Herkin veröffentlicht Tagebuch aus der Geiselhaft in Gaza

»Ich hoffe, dass diese Seiten Menschen berühren, ihnen etwas Echtes vermitteln und sie noch lange nach dem letzten Kapitel begleiten«, sagt die frühere Hamas-Geisel

 26.05.2026

Jerusalem

Lapid attackiert möglichen US-Iran-Deal

Lapid bezeichnet die geplante amerikanisch-iranische Vereinbarung als »Katastrophe«. Dass Israel nicht an der Ausarbeitung des Abkommens beteiligt gewesen ist, sei »absurd«, so der Oppositionspolitiker

 26.05.2026

Jerusalem

Netanjahu kündigt härtere Gangart gegen Hisbollah an

Der Ministerpräsident sagt, er habe das Militär angewiesen, den Druck deutlich zu erhöhen. Zuvor hatten die Terroristen Drohnenangriffe gegen Israel gestartet

 26.05.2026

Jerusalem

Netanjahu im Krankenhaus

Nach Angaben seines Büros handelte es sich um einen geplanten zahnärztlichen Eingriff

 26.05.2026