Regierung

Erpressung durch den Extremisten

Itamar Ben Gvir, Minister für nationale Sicherheit in Israel (September 2023) Foto: Flash90

Der nationale Sicherheitsminister Itamar Ben Gvir will nicht mehr mit der Regierung stimmen, bis diese seine Forderung nach einer Einschränkung des Besuchsrechts für palästinensische Sicherheitsgefangene umgesetzt hat. Es ist nicht der erste Erpressungsversuch des Vorsitzenden der rechtsextremen Partei Otzma Yehudit gegenüber der Koalition in Jerusalem, der er selbst angehört.    

In den vergangenen Wochen hatte Ben Gvir versucht, Netanjahu davon zu überzeugen, ihm zu erlauben, die Häufigkeit der Familienbesuchsrechte der Häftlinge von einmal im Monat auf alle zwei Monate zu reduzieren.

GEWALT Netanjahu lehnt den Schritt angeblich strikt ab, da viele Leiter des Sicherheitsestablishments Bedenken geäußert haben, dass solche Beschränkungen zu einer Eskalation der palästinensischen Gewalt in der Zeit der Hohen Feiertage führen könnten. Häftlinge haben bereits mit einem Hungerstreik gedroht, sollte die Entscheidung umgesetzt werden.

Ben Gvir informierte Netanjahu über seinen Boykott, nachdem er bei einer Veranstaltung vor Rosch Haschana für Koalitionsabgeordnete auf das neue Jahr angestoßen hatte, berichteten israelische Medien. Das geschah einen Tag, nachdem das Büro des Premierministers bekannt gegeben hatte, dass keine unmittelbaren Änderungen an den Rechten palästinensischer Gefangener vorgenommen werden.

»Die Regierung wird aufgrund des Extremismus von Smotrich und Ben Gvir auseinanderfallen.«

Mitglied der Koalition

Der Minister jedoch wetterte auf einer Fraktionssitzung am Mittwoch, dass seine Partei nicht nachgeben werde und auf der »kompromisslosen Forderung, die Haftbedingungen für Terroristen deutlich zu reformieren«, besteht.

SPANNUNGEN Der Boykott von Ben Gvir verschärft die Spannungen innerhalb der Koalition weiter, die bereits wegen der Umwälzung des Justizssystems, einer Lieferung gepanzerter Fahrzeuge durch die USA an die Palästinensische Autonomiebehörde, der die Regierung in Jerusalem angeblich zugestimmt haben soll, und anderer Themen bestehen.

Am Donnerstag zitierte die Tageszeitung Yediot Acharont Vertraute des Premiers, die angeblich davon ausgehen, dass diese Koalition nicht mehr lange überleben wird. »Die Regierung wird aufgrund des Extremismus von Bezalel Smotrich und Ben Gvir auseinanderfallen. Es bedarf eines Wunders, damit diese Koalition bis zum Ende der Wintersitzung der Knesset überlebt«, habe ein hochrangiges Mitglied der Koalition gegenüber Journalisten geäußert.

EXTREMISMUS »Die Opposition und die Proteste werden nichts mit dem Ersetzen dieser Regierung zu tun haben. Die Tage unserer Regierung werden aufgrund des Extremismus zweier rechtsradikaler Parteien und insbesondere von Minister Ben Gvir gezählt sein.«

Dieser Mann habe keine Ahnung, was ein politisches Mandat bedeute, wird der Insider weiter zitiert. »Der Wahlkampf endete vor neun Monaten, und er ist jetzt Minister in der israelischen Regierung. Aber das versteht er nicht.«

Sicherheit

Warnung ignoriert?

Vor dem 7. Oktober soll Mohammed bin Zayed, der Emir von Abu Dhabi, Netanjahu informiert haben

von Sabine Brandes  15.09.2026

Israel

Wie Quentin Tarantino Israelis den Kinobesuch vermiest

Berichte über Quentin Tarantinos Kinobesuche gehen in Israel viral. Eine Frau hätte ihn beinahe angebrüllt

von Sophie Albers Ben Chamo  15.09.2026

Tel Aviv

IDF-Chef prüft rechtliche Schritte gegen Film »Naza«

Generalstabschef Eyal Zamir bezeichnet bisher bekannt gewordene Teile der Doku als »Ritualmordlegenden, bewusste Verzerrungen der Realität und falsche Anschuldigungen gegen IDF-Soldaten«

 15.09.2026

Eklat

Boykottaufrufe wegen Wonder Woman Gal Gadot

Ein Magazintitel mit der israelischen Schauspielerin sorgt in den sozialen Medien für heftige Reaktionen gegen die Modemarke Ralph Lauren

von Sabine Brandes  15.09.2026

Tel Aviv

Israelische Forscher entwickeln Bluttest zur Erkennung von Lungenkrebs

Nach Angaben der beteiligten Wissenschaftler könnte die Methode langfristig eine wesentlich günstigere Alternative zu aufwendigen genetischen Untersuchungen werden

 15.09.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  15.09.2026

Mascha Malburg und Joshua Schultheis

In eigener Sache

Mascha Malburg und Joshua Schultheis werden mit dem Georg-Stefan-Troller-Preis ausgezeichnet

Die Redakteurin der Jüdischen Allgemeinen und der freie Mitarbeiter erhalten die Auszeichnung für ihre Interviewreihe mit Juden aus Deutschland

 15.09.2026 Aktualisiert

Holocaust

»Unsere Rache an den Nazis ist, dass wir den Staat Israel haben«

Der Schoa-Überlebende Yehuda Widawski ist mit 107 Jahren gestorben. Jahrzehntelang suchte und restaurierte er jüdische Gräber in Polen

von Sabine Brandes  14.09.2026

Reaktionen

»Ritualmordlegende« - »Pflicht, Fragen zu stellen«: Israel streitet über »Naza«

Während Rechte den Film über den Gaza-Krieg als Verleumdung verurteilen, verteidigen Linke das Recht auf Kritik. Armee weist zentrale Vorwürfe zurück

von Sabine Brandes  14.09.2026