Einspruch!

Endlich hinsehen

Oft sieht man sie nur aus dem Augenwinkel: die Frauen und Männer, die in Israel für Sauberkeit sorgen. Die Mehrzahl ist dunkelhäutig, äthiopischstämmig. Sie arbeiten als Reinigungskräfte und Sicherheitsleute in Schulen, Geschäften und Büros.

Sprache Sie gehören zu der rund 150.000 Menschen zählenden Gemeinde, die aus einem der ärmsten afrikanischen Länder stammt. Ohne Bankkonten, Bildung und Sprache kamen sie in Israel an. Und kamen oft nicht mit. Überdurchschnittlich viele Schulabbrecher, häusliche Gewalt, Armut. Doch auch überdurchschnittlich viele Soldaten in Kampfeinheiten, die ihr Leben für Israel geben. Sie werden im Alltag übersehen, oder es wird auf sie herabgeschaut. Denn meist fügen sie sich still in ihr Schicksal. Bis zu dem Punkt, an dem sich die Wut laut und gefährlich Bahn bricht. Dann – und nur dann – schaut man sie an.

Seit Tagen nun demonstrieren sie, nachdem ein 19-Jähriger von einem Polizisten erschossen wurde. Ihre Wut schlug in Gewalt um. Regierungschef Benjamin Netanjahu rief dazu auf, davon Abstand zu nehmen, und versprach, an Lösungen zu arbeiten. Das scheinen leere Worte, liest man den Bericht des Anti-Rassismus-Panels. Darin steht, dass von den 52 Projekten, die nach den Unruhen äthiopischer Juden vor vier Jahren beschlossen wurden, nur neun verwirklicht wurden.

Stopp Zudem hält jetzt Netanjahus neuer Minister für Transport, der Rechtsaußen Bezalel Smotrich, Millionen für äthiopische Schüler, Jugendzentren und Internate zurück. Smotrich ließ die Verteilung stoppen, weil er das Geld lieber für Projekte einsetzt, die ihn »mehr interessieren«. Dafür schäme er sich nicht, sagte er nun trotzig.

Viele äthiopische Juden leben in ständiger Scham. Es ist die Angst, nicht gut genug zu sein. Wenn Scham allerdings mit Verständnis und Empathie begegnet wird, wächst sie nicht weiter. Es entsteht dann das Gefühl, etwas schaffen zu können. Es ist an der Zeit, dass die Israelis äthiopischer Herkunft endlich gesehen werden. Und nicht nur aus dem Augenwinkel.

Analyse

Die Wahl bringt keinen klaren Sieger hervor - was nun?

Die Wahlbeteiligung war mit 77,7 Prozent die höchste seit mehr als einem Vierteljahrhundert. Doch die richtungsweisende Wahl in Israel ergab zunächst kein klares Ergebnis. Wie geht es jetzt weiter?

von Sara Lemel  27.10.2026

Israel

Wahltag in Blau-Weiß

Bis zuletzt warben die Parteien vor den Wahllokalen um Stimmen - und von denen gab es viele zu holen: Die Wahlbeteiligung war so hoch wie seit 1988 nicht mehr. Ein 94-Jähriger gab seine Stimme mit letzter Kraft ab und starb kurz darauf

von Sabine Brandes  27.10.2026

Knesset-Wahl

Eisenkot will Netanjahu ablösen

Netanjahus Likud liegt zwar laut ersten Prognosen vorn, doch seinem Lager fehlen viele Sitze zur Mehrheit. Ex-Militärchef Eisenkot will die Regierung ablösen – doch gelingt ihm das?

 27.10.2026

Knesset-Wahl

Lapid: Öffentlichkeit hat Netanjahu-Lager »nach Hause geschickt«

Netanjahus Likud-Partei wurde zwar laut Prognosen stärkste Kraft im Parlament, kommt aber mit ihren Partnern nicht auf eine Mehrheit. Die Opposition sagt, seine Regierung sei damit »gefeuert«.

 27.10.2026

Israel

Eisenkot-Lager liegt vor Netanjahu-Lager

Die Likud-Partei des Premiers wurde allerdings ersten Prognosen zufolge stärkste Kraft. Der Wahlausgang ist alles andere als eindeutig

 27.10.2026 Aktualisiert

Entscheidung

Keine längeren Öffnungszeiten trotz hoher Wahlbeteiligung

15 Stunden haben die Israelis Zeit, ihre Stimme abzugeben. Ein Antrag, die Abstimmung zu verlängern, scheiterte

von Sabine Brandes  27.10.2026

Knesset-Wahl

Überschwemmungen behindern Wahl im Süden Israels

Überflutete Zufahrtsstraßen, abgeschnittene Orte: Im Süden Israels kamen manche Einwohner nicht zu ihrem Wahllokal. Reicht die Zeit noch, bevor die kleinen Wahllokale schließen?

 27.10.2026

Israel

Wer wählt wen und warum?

Von unerschütterlicher Bibi-Treue bis zur Sehnsucht nach einem Neuanfang: Wir haben Israelis gefragt, wem sie ihre Stimme gegeben haben

von Sabine Brandes  27.10.2026

Israel

Wahlbeteiligung bricht Aufzeichnungsrekord

Schon mehr als drei Millionen Israelis haben am Nachmittag ihre Stimme abgegeben - das ist der höchste in den Aufzeichnungen gemessene Wert

 27.10.2026