Jerusalem

»Geschichte des Holocaust darf nicht umgeschrieben werden«

Die Rede Selenskyjs war auch in Tel Aviv zu sehen. Foto: Flash90

Die Rede des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj am Sonntag per Videoschalte vor der Knesset ist in Israel auf gemischte Reaktionen gestoßen. Neben viel Zustimmung gab es auch reichlich Kritik, unter anderem von Yad Vashem.

Die Schoa-Gedenkstätte nannte Selenskyj zwar nicht namentlich, monierte aber, dass im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg falsche Vergleiche mit der Ideologie und den Taten der Nazis gezogen würden. »Yad Vashem verurteilt diese Trivialisierung und Verzerrung der historischen Fakten des Holocausts«, hieß in einer Stellungnahme der Gedenkstätte.

Herz Wie die Times of Israel berichtete, kritisierten auch mehrere Knessetabgeordnete Selenskyjs Rede wegen der gezogenen Vergleiche zwischen russischen Invasion und dem Holocaust scharf. »Ich bewundere den ukrainischen Präsidenten und unterstütze das ukrainische Volk im Herzen und mit Taten, aber die schreckliche Geschichte des Holocaust darf nicht umgeschrieben werden«, sagte Kommunikationsminister Yoaz Hendel. Andere, ungenannte Minister hätten über Selenskyjs »empörenden Vergleich« geflucht.

Auch Premierminister Naftali Bennett sagte, er sei der Überzeugung, dass man den Holocaust mit nichts gleichsetzen dürfe. »Es ist ein einzigartiges Ereignis in der Geschichte der Nationen, der Welt – die systematische, industrielle Vernichtung eines Volkes in Gaskammern.« Gleichzeitig betonte Bennetts: »Selenskyj ist ein Anführer, der für das Leben seines Landes kämpft. Viele hunderte Tote, Millionen Flüchtlinge. Ich kann mir nicht vorstellen, wie es ist, in seiner Haut zu stecken.«

Schrecken Außenminister Yair Lapid dankte Präsident Selenskyj dafür, dass er seine Gefühle und die Notlage des ukrainischen Volkes mit den Mitgliedern der Knesset und der Regierung geteilt habe: »Wir werden das ukrainische Volk weiterhin nach Kräften unterstützen und werden uns niemals von der Not der Menschen abwenden, die die Schrecken des Krieges kennen.«

Später habe Selenskyj laut Times of Israel seinen Kurs geändert. In seiner nächtlichen Video-Botschaft sagte, er, er sei »dankbar« für die Vermittlungsbemühungen von Israel Ministerpräsident Naftali Bennett. »Natürlich hat Israel sein eigenes Interesse und seine eigene Strategie, seine Bürger zu schützen. All das verstehen wir«, so der ukrainische Präsident. Für mögliche Gespräche der Ukraine mit Russland sei Jerusalem »der richtige Platz, um Frieden zu finden, falls möglich«. ja

Lesen Sie mehr zu den Reaktionen und Auswirkungen von Wolodymyr Selenskyj Rede zur Knesset in unserer nächsten Printausgabe.

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