Vermisst

Eine ganze Familie entführt

Mitglieder der Familie Shoham Foto: Sabine Brandes

Oft schaut er in eine Box mit Spielzeug seiner Enkel, die im Wohnzimmer steht. »Darin ist das Plastikobst, aus dem sie uns immer einen Salat gemacht haben«, sagte Gilad Korngold vor einigen Wochen und versuchte, seine Tränen zurückzuhalten. »Ich will sie einfach zurück. Ich will meine Familie zurück.« Sein Sohn Tal Shoham, österreichisch-israelischer Doppelstaatsbürger, dessen Frau Adi und die beiden Kinder Yahel (3) und Nave (8) wurden am 7. Oktober von Terroristen der Hamas gekidnappt. Adi, Yahel und Nave haben auch die deutsche Staatsangehörigkeit. Die drei kamen am Samstag zurück nach Israel. Korngolds Sohn Tal ist noch immer in Geiselhaft.  

Nave und seine Schwester Yahel sind zwei der etwa 40 Kinder, die als Geiseln im Gazastreifen festgehalten wurden. »Es ist unmöglich, dass Kinder, Babys und Mütter in Gefangenschaft leben – jeder muss seine Stimme erheben, um sie freizulassen«, flehte Korngold. »Jede einzelne Minute denke ich an sie.«

Die beiden Kinder waren gemeinsam mit ihren Eltern von ihrem Zuhause in Carmiel im Norden des Landes in den Kibbuz Be’eri gereist. Dort wollten sie das Wochenende mit Adis Großfamilie verbringen. Adi Shoham wuchs in Be’eri auf, ihre Eltern Shoshan und Avshalom Haran lebten dort. Nachdem sie in den Sicherheitsraum geflüchtet waren, brannten die Terroristen das Haus der Familie nieder und zwangen die Bewohner nach draußen, weiß Korngold. Dort erschossen sie Adis Vater Avshalom und kidnappten den Rest der Familie.

Zehn Familienmitglieder galten als vermisst

Zehn Familienmitglieder galten nach dem Massaker als vermisst, darunter Adis Tante Lilach Leah Kipnis und ihr Onkel Eviatar Kipnis. Ebenso die Schwester von Avshalom Haran, Sharon Avigdori, und ihre zwölfjährige Tochter Noam.

Am 17. Oktober erfuhr die Familie, dass die sterblichen Überreste von Eviatar Kipnis identifiziert worden seien. Eine Woche später wurde auch Lilach für tot erklärt. Die Leiche von Eviatars Betreuer Paul Castelvi wurde im Be’eri-Wald gefunden.

Die Hoffnung im Angesicht dieser unfassbaren Tragödie hat der Großvater Gilad Korngold nie aufgegeben. »Am Samstag haben uns unsere Enkel oft besucht. Dann sind wir ins Schwimmbad gegangen. Wir wollen das wieder tun.« Sie seien eine starke Familie, die zusammenhalte, betont er. »Wir kämpfen weiter.«

Meinung

Georg Restle, die Jüdische Allgemeine und der berüchtigte Scheck aus Jerusalem

Für den frischgebackenen Leiter des ARD-Studios Nairobi ist die »Jüdische Allgemeine« ein Propaganda-Sprachrohr der israelischen Regierung. Eine Entgegnung

von Michael Thaidigsmann  29.06.2026

Rüstungstechnologie

Israelische Raketenabwehr für Katar

Fotos beweisen, dass in katarischen Regierungsmaschinen Militärtechnologie von Elbit verbaut wurde. Dabei pflegen Israel und Katar nicht einmal diplomatische Beziehungen

 29.06.2026

Reaktionen

»Erster Schritt zum Frieden«

Während Jerusalem und Beirut das Abkommen begrüßen, weist die Hisbollah es entschieden zurück

von Sabine Brandes  29.06.2026

Jerusalem

Israel erkennt den Völkermord an den Armeniern an

Die historische Entscheidung birgt diplomatische Sprengkraft. Außenminister Sa’ar bezeichnete die Anerkennung als »moralische Pflicht«

von Sabine Brandes  29.06.2026

Reisen

(Fast) freie Startbahn für den Sommer

Mehr als 200.000 Flugtickets hätten storniert werden müssen, weil am Flughafen Ben Gurion noch immer amerikanische Militärflieger parken. Jetzt gibt es eine Einigung

von Sabine Brandes  29.06.2026

Nahost

Israel greift Ziele in Südsyrien an

Die Armee hat nach eigenen Angaben »mehrere bewaffnete Terroristen« getötet

 29.06.2026

Südlibanon

Israelische Armee zerstört massiven Hisbollah-Tunnel

Der 25 Meter tiefe und 200 Meter lange Tunnel soll nur 10 Kilometer von der israelischen Grenze entfernt gewesen sein

 29.06.2026

Kommentar

»Eigentlich habe ich noch nie mit einem Juden gesprochen«

Als Antisemitismusbeauftragter jüdisch zu sein ist kein Manko. Im Gegenteil: Es braucht an deutschen Universitäten mehr jüdische Beauftragte

von Guy Katz  28.06.2026

Interview

»Es braucht eine umfassende Kampagne«

Der israelische Diplomat Akiva Tor beklagt, dass das angeschlagene Image seines Landes die nationale Sicherheit des jüdischen Staates gefährdet

von Sabine Brandes  27.06.2026