Israel

Eine Frage der Zeit

Gefahr im Blick: die Stadt Kuneitra von den Golanhöhen aus gesehen Foto: Flash 90

Die am Dienstagabend zwischen Israel und der Hamas geschlossene Feuerpause hält. Nach einer ruhigen Nacht schweigen auch am Donnerstagmorgen die Waffen auf beiden Seiten weiter. Aus Syrien aber flogen am Mittwochabend Granaten und verletzten zwei Israelis. Die israelische Armee (IDF) geht davon aus, dass es sich dabei um Irrläufer gehandelt habe. Bei einem Vergeltungsangriff sei eine Abschussrampe zerstört worden, hieß es.

In Israel versuchen die Menschen derweil, ihren Alltag wiederaufzunehmen. Sie bewegen sich unbeschwerter in den Straßen, ohne ständig den nächsten Schutzraum im Visier zu haben. Die Bewohner des israelischen Südens jedoch wähnen sich nicht in Sicherheit. Zu oft bereits sind Waffenruhen von der Hamas gebrochen worden, meinen viele. Daher sind nur wenige der während der heftigen Kämpfe der vergangenen Tage Geflüchteten bereits in ihre Häuser zurückgekehrt. Viele wollen noch einige Tage abwarten und sehen, ob sie der Ruhe tatsächlich trauen können.

»Sieg« Während Tausende von Einwohnern des Gazastreifens die Vereinbarung zum Waffenstillstand frenetisch feierten und sich von der Hamasführung erklären ließen, »es ist nicht in Worte zu fassen, wie überragend dieser Sieg« sei, sehen die Israelis die Vereinbarung mit der Terrororganisation im Gazastreifen skeptisch. Viele glauben nicht, dass sie sich langfristig an Abmachungen halten werde.

»Die Mission ist nicht beendet worden«, meint auch Danny Danon, ehemaliger stellvertretender Verteidigungsminister, der im vergangenen Monat für ähnliche Kommentare seinen Posten verlor. »Wir haben den Wählern versprochen, dass wir eine klare Linie gegen Hamas fahren werden, wir hatten die Chance – und haben doch gezögert. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann wir uns wieder mit den Terroristen auseinandersetzen müssen.«

Schlag In einer Umfrage der Tageszeitung Haaretz meinen mehr als die Hälfte (54 Prozent), dass weder Israel noch die Hamas diesen Krieg gewonnen habe. »Es gibt keine Sieger«, lautet der Tenor in großen Teilen der israelischen Bevölkerung, obwohl Premier Benjamin Netanjahu immer wieder betonte, dass seine Regierung »eine große militärische und politische Errungenschaft« vorzuweisen und dem Gegner einen »großen Schlag« verpasst habe. Außerdem habe Jerusalem für diesen Waffenstillstand keine großartigen Konzessionen an die Hamas gemacht.

Netanjahus Arbeit war in der Mitte der Operation »Protective Edge«, die 51 Tage lang angedauert hatte, von durchschnittlich 80 Prozent der Israelis als »gut« oder sogar »herausragend« eingeschätzt worden. Jetzt sind es nur noch 50 Prozent, die mit der Leistung des Ministerpräsidenten während der Krise zufrieden sind. Es komme nun darauf an, meinen viele, wie der Regierungschef mit den Herausforderungen der Nachkriegszeit umgeht.

Nachrichten

Wein, Stadt, Börse

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  04.11.2026

Jair Golan, Vorsitzender der Demokraten in Israel, im Porträt

Midterm-Wahlen

Israels Opposition hofft auf Neustart der Beziehungen zu Amerika

Israels oppositionelle Demokraten freuen sich über den Wahlsieg ihrer US-Parteifreunde und hoffen auf eine künftige Verbesserung der zuletzt angespannten Beziehungen zwischen beiden Ländern

 04.11.2026

Essay

Der neue Jude

Warum ich Mitleid mit den Deutschen habe, die bis heute nicht begreifen wollen, dass wir keine wehrlosen Opfer mehr sind, sondern starke, selbstbestimmte Menschen, die hart zurückschlagen, wenn man uns angreift

von Zeev Avrahami  04.11.2026

Israel nach der Wahl

Wahlprüfung in Israel abgeschlossen - Streit geht weiter

Das Wahlkomitee in Israel sieht keine Hinweise auf Unregelmäßigkeiten mit Folgen für das Ergebnis. Dennoch spitzt sich der Streit zwischen der bisherigen Regierung und der Opposition gefährlich zu

 04.11.2026

Nahost

Trump will Milliardenhilfen an Israel einstellen

Seit Jahren unterstützen die USA Israel mit Milliarden an Dollar Militärhilfe. Das soll sich nach Worten von US-Präsident Trump ändern. Die Idee soll dabei nicht von ihm gekommen sein

 03.11.2026

Medizin

Eine neue Lunge und zur Genesung nur Paracetamol

In Israel ist erstmals eine Lungentransplantation mithilfe eines Operationsroboters gelungen. Für den Patienten bedeutet das eine deutlich schnellere Genesung

von Sabine Brandes  03.11.2026

Hintergrund

Kampf um den mächtigen Sessel

Ohana raus, Lapid rein? Die Opposition will den Knessetpräsidenten austauschen. Es geht um weit mehr als einen repräsentativen Posten

von Sabine Brandes  02.11.2026

Regierungsbildung in Israel

Präsident Herzog will erst mit kleinen Parteien sprechen

Präsident Isaac Herzog beginnt am Mittwoch mit den Konsultationen zur Regierungsbildung

 02.11.2026

Wirtschaft

Wahlkater an der Börse

Die Hoffnung auf einen politischen Wandel in Israel ließen Aktien und Schekel zunächst steigen. Doch das Ergebnis schürt die Unsicherheit

von Sabine Brandes  02.11.2026