Jom Haschoa

»Ein Zeichen für den Frieden«

Der historische Überflug 2003 Foto: IAF

Vor 15 Jahren flogen drei F-15-Maschinen der israelischen Luftwaffe (IAF) mit sechs Piloten über den Eingang des ehemaligen Todeslagers Auschwitz und sandten ein Zeichen in die ganze Welt. Wie kam es dazu?
Die IAF ist von Polen eingeladen worden, das 85-jährige Bestehen der polnischen Luftwaffe mitzufeiern. Es war für uns der erste Besuch in dem Land. Kurz nach der Einladung hatte der spätere Leiter der IAF, General Amir Eshel, die Idee für den Flug. Er ist ein Nachfahre von Schoa-Überlebenden. Ich war für die Planung zuständig.

Wie liefen die Vorbereitungen ab?

Wir haben uns ausgiebig Gedanken darüber gemacht, welche Nachricht wir senden wollen. Es ging uns vor allem darum, der israelischen Nation und dem jüdischen Volk zu zeigen, dass wir da sind, und deutlich zu machen, wie weit wir in fast sechs Jahrzehnten gekommen sind. Damals waren die Juden ungeschützt dem Grauen ausgesetzt. Doch jetzt hat Israel eine starke Armee, und die ist da, um sie zu beschützen.

Es gab auch Kritik, unter anderem von der Leitung des Museums Auschwitz-Birkenau und der polnischen Regierung.
Ja, besonders der Bürgermeister einer nahe gelegenen Stadt meinte, das ehemalige Todeslager sei eine Gedenkstätte und ein Ort der Ruhe. Das Donnern der Flugzeuge passe nicht dazu. Wir haben das verstanden. Doch gleichsam machten wir deutlich, dass wir mit unserem Flug in erster Linie eine Botschaft des Friedens senden: dass so etwas wie die Schoa nie wieder geschehen darf.

Meinen Sie, dass dies verstanden wurde?

Ich denke schon. Besonders nach den Reaktionen von Holocaust-Überlebenden. Eine Frau, die als Kind in Auschwitz war, erzählte mir, dass sie die Maschinen der Alliierten am Himmel gesehen und gebetet habe, dass eine kommt, um sie zu retten. Als sie die Bilder von unserem Flug in Israel im Fernsehen sah, fühlte es sich für sie an wie eine Rettung, sagte sie. Für sie schloss sich damit ein Kreis. Ihre Worte haben mich zutiefst bewegt. Diese Reaktionen von Überlebenden bedeuten uns so viel.

Ist die Botschaft heute noch so aktuell wie vor 15 Jahren?
Sie ist es heute noch viel mehr. Die Welt scheint immer chaotischer zu werden, zumindest in einigen Gegenden. Man braucht gar nicht weit zu schauen, zu unserem Nachbarn nach Syrien beispielsweise. Man kann diese Nachricht also gar nicht oft genug senden, und sie ist heute noch bedeutender als damals.

Sie waren als einziger Pilot kein Nachfahre von Schoa-Überlebenden? Wissen Sie, wieso Sie ausgewählt wurden?
Ich habe gemeinsam mit Eshel die Formation angeführt und mich oft gefragt, wieso. Eigentlich war ich ausschließlich für die Planung zuständig. Später wurde mir klar, dass auch dies tiefe Symbolkraft hat. Es ist egal, woher jemand kommt, alle Menschen sind gleich – und wir sind eine Nation.

Mit dem IAF-Oberstleutnant, dessen vollen Namen wir an dieser Stelle nicht nennen dürfen, sprach Sabine Brandes.

Israel

Jesus-Statue beschädigt: 30 Tage Haft für israelische Soldaten

Mit einem Hammer attackierte ein Soldat die christliche Heilsfigur im Libanon. Jetzt hat ein Militärgericht den Mann und seinen Kameraden verurteilt

 21.04.2026

Nachrichten

Schule, Posten, Verschwörung

Meldungen aus Israel

von Sabine Brandes  21.04.2026

Landwirtschaft

Von Staub zu Öl

Im Kibbuz Sde Boker wird Bio-Olivenöl produziert. Das Projekt interpretiert die alte zionistische Idee neu, die Wüste zum Blühen zu bringen

von Sabine Brandes  21.04.2026

Gesellschaft

»Ich lasse das nicht in mein Leben«

Yuval Amshalem zieht der Liebe wegen nach Berlin. Bei der Online-Wohnungssuche sah der 24-Jährige sich mit einem antisemitischen Shitstorm konfrontiert, auf den der AI-Experte entspannt reagiert. Ein Gespräch über Ziele im Leben

von Sophie Albers Ben Chamo  21.04.2026

Musik

Vom Kinderzimmer in Cholon in die US-Charts

Die israelische Band Temper City nimmt mit ihrem Song »Self Aware« einen weltweiten Hit auf

von Sabine Brandes  21.04.2026

Warschau/Jerusalem

Polen und Israel streiten über Vorwürfe von Kriegsverbrechen

Der Warschauer Außenminister Sikorski sagt, IDF-Soldaten räumten selbst Kriegsverbrechen ein. Sein israelischer Kollege Sa’ar spricht von »haltlosen und verleumderischen Aussagen«

 21.04.2026

Jom Hasikaron

Israel begeht Gedenktag für Gefallene – Appelle an Einheit und Hoffnung

»Diese Kriegsgeneration verdient es, vom Tag danach zu träumen. Sie verdient ein Lied der Hoffnung«, sagt Präsident Isaac Herzog

 21.04.2026

Jom Hasikaron

So viele Verluste

Mein Vater floh vor der Schoa, wurde beinahe in seinem Kibbuz ermordet und starb als Flüchtling im eigenen Land. Der Gedenktag wird dieses Jahr für mich besonders schmerzhaft sein

von Eshkar Eldan Cohen  20.04.2026

Jom Hasikaron

Wenn Hunde heilen

Ein Projekt in Israel bringt Soldaten und traumatisierte Überlebende mit jungen Hunden zusammen – und schafft stille Rettungsräume im Alltag. Eine Begegnung im Yarkon-Park in Tel Aviv

von Sabine Brandes  20.04.2026