Diplomatie

»Ein wahrhaftes Alt-Neuland«

Susanne Wasum-Rainer Foto: imago/Leemage

Frau Wasum-Rainer, Sie waren die erste Frau, die die deutschen Botschaften in Rom und Paris leitete, jetzt sind Sie die erste Botschafterin in Tel Aviv. Was bedeutet das für Sie?
Mir selbst ist das gar nicht bewusst, ich bin ein normaler Profi des Auswärtigen Amtes. Verantwortung zu übernehmen, ist das Schöne an meinem Beruf, und ich freue mich, dass mein Arbeitgeber mir diese Möglichkeit gegeben hat. Ich hoffe auch, dass es Ansporn für die vielen wundervollen jungen Kolleginnen ist.

Es heißt, dass es Ihr lange gehegter Wunsch war, als Botschafterin nach Tel Aviv zu kommen. Wodurch wurde Ihre Verbindung zu Israel so stark?
Ich war sehr früh fasziniert von der Beziehung zwischen beiden Ländern. Sie zu verstehen und dabei sogar mitwirken zu können, ist spannend. Als Jurastudentin war ich 1980 in Israel und für einen Rechtsanwalt tätig, der den Holocaust überlebt hatte. Die Art, wie ich für ihn arbeiten durfte, hat alles Weitere in meinem Leben bestimmt. Auch Adenauers Botschaft, dass eine Versöhnung mit Israel, Frankreich und Polen notwendig ist, prägte mich. Außerdem habe ich seit vielen Jahren enge Freunde in Israel, eigentlich sind sie schon Familie. Wenn ich hier bin, schließt sich der Kreis.

Sie sprechen hervorragend Hebräisch. Wie kam es dazu?
Ich finde, es ist eine interessante Sprache mit einer noch interessanteren Geschichte. Für mich ist Iwrit mit vielen positiven Assoziationen verbunden und Teil meiner Verbindung zum Land. Auch ohne die Aussicht, jemals beruflich hierherzukommen, habe ich immer dafür gearbeitet und fleißig Hausaufgaben gemacht. Außerdem hatte ich eine wundervolle Lehrerin in Berlin.

Bei Ihrem Antrittsbesuch beim israelischen Präsidenten sagte er zu Ihnen, dass »Deutschland ein wirklich großartiger Freund« ist. Wie fühlt sich das an?
Es war bewegend, und es erfüllt mich mit Stolz, dass wir es geschafft haben, mit unserer leidvollen Geschichte eine Freundschaft aufzubauen. Es zeigt mir auch, dass wir auf diese Beziehung achten müssen. Noch mehr hat es mich berührt, dass sich der Präsident am Internationalen Holocaust-Gedenktag eine Stunde lang mit jungen deutschen Freiwilligendienstleistenden und mir unterhalten hat – voller guter Worte und Herzlichkeit. Das gibt Mut für eine bessere Zukunft.

Sie waren bereits in den 90er-Jahren als Mitarbeiterin der Botschaft in Tel Aviv. Was hat sich in den rund zwei Jahrzehnten im Land verändert?
Auf der einen Seite alles: Israel ist zur Hightech-Supermacht geworden, hat fast doppelt so viele Einwohner und ist ganz und gar zukunftsorientiert. Auf der anderen Seite, dem Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern, hat sich nichts weiterentwickelt. Ich kann mir nicht anmaßen, dieses Land wirklich zu kennen. Es ist ein wahrhaftes Alt-Neuland.

Mit der Diplomatin sprach Sabine Brandes.

Krieg gegen Mullahs

Israel tötet Irans Geheimdienstchef Esmail Khatib

Esmaeil Khatib wurde in der Nacht zu Mittwoch in Teheran getötet

 18.03.2026 Aktualisiert

Nahost

Iran richtet angeblichen Mossad-Spion hin

Wegen angeblicher Spionage für den israelischen Geheimdienst lässt der Iran einen Mann hinrichten. Die Justiz wirft ihm vor, sensible Informationen weitergegeben zu haben

 18.03.2026

Nahost

Aus Rache für Laridschani: Iran greift Israel mit Streumunition an

Auch die Golfstaaten geraten erneut unter Beschuss. Die Lage im Überblick

 18.03.2026

Iran

Israel fliegt Angriffe auf Basidsch-Einheiten

Die iranischen Basidsch-Einheiten sind für ihr hartes Vorgehen gegen die Proteste im eigenen Land bekannt. Israels Armee nimmt die paramilitärische Organisation weiterhin ins Visier

 17.03.2026

Nahost

Hisbollah soll umfangreiche Raketenangriffe planen

Nach den Raketen aus dem Iran müssen die Menschen in Israel nach Erkenntnissen des Militärs mit Angriffen durch die Hisbollah rechnen. Derzeit laufen israelische Angriffe gegen die Terror-Miliz

 17.03.2026

Krieg gegen Iran

Netanjahu wünscht Iranern »Jahr der Freiheit«

Nach der Tötung iranischer Funktionäre richtet Netanjahu persönliche Grüße zum persischen Neujahrsfest an die Menschen im Iran. Was steckt hinter der Botschaft?

 17.03.2026

Nahost

Libanesischer Soldat stirbt nach israelischem Angriff

Die libanesische Armee ist im Krieg zwischen Israel und der Hisbollah neutral und beteiligt sich nicht an den Kämpfen. Dennoch geraten einige Soldaten unter Beschuss

 17.03.2026

Antisemitismus

»Es bleibt eine Sekte«: So reagieren Linke auf Büttners Austritt

Andreas Büttner verlässt die Partei, weil ein Landesverband den Zionismus ablehnt. Das sorgt innerhalb der Linken für Diskussionen

 17.03.2026

Kommentar

Jetzt offenbart die Linke ihr wahres Gesicht

Wer den Zionismus ablehnt, lehnt die Existenz eines jüdischen Staates ab - und damit genau jenen Schutzraum, der für Juden weltweit nach Jahrhunderten der Verfolgung existenziell geworden ist

von Daniel Neumann  17.03.2026