40 Jahre Camp David

Vier Jahrzehnte Stabilität

Anwar el-Sadat, Jimmy Carter und Menachem Begin reichten sich vor 40 Jahren die Hände zum Frieden. Foto: ullstein bild - AP

Es gibt keine große Party. Und doch ist der runde Geburtstag ein Grund zum Feiern. Am 29. März wurde der Friedensvertrag zwischen Israel und Ägypten 40 Jahre alt. Eng sind die Beziehungen der beiden Nachbarn nie geworden, doch gilt: Sie bedeuten große Stabilität in der instabilen Region Nahost.

Nach einem Jahr der immer wieder schwelenden gewalttätigen Proteste am Grenzzaun sowie Raketen aus Gaza auf den Süden und das Zentrum Israels kam es am vergangenen Wochenende auch im Westjordanland zu Ausschreitungen. Wie schon so oft, vermittelt auch jetzt wieder Kairo zwischen den verfeindeten Seiten, um zu einem Waffenstillstand zu gelangen.

»Im Nahen Osten darf man
niemals nie sagen.«
Avi Dichter, Ex-Geheimdienstler

Ein Ergebnis des Friedensvertrages von 1979. Ohne das Abkommen, sind Experten sicher, gäbe es in Gaza noch mehr Terroristen. Dann hätte sich auch der Islamische Staat, derzeit noch immer im Sinai, in der Hamas-Enklave niedergelassen. Doch Ägypten hat die Grenze zwischen dem Streifen und dem Sinai abgeriegelt, sodass Waffen und Terroristen nur eingeschränkt durch unterirdische Tunnel geschleust werden können.

CARTER Es war das erste Abkommen überhaupt, das zwischen dem jüdischen Staat und einer arabischen Nation geschlossen wurde. Am 26. März 1979 wurde der Vertrag in einer historischen Zusammenkunft in Camp David in der Nähe von Washington zwischen dem damaligen ägyptischen Präsidenten Anwar Sadat und dem israelischen Premierminister Menachem Begin geschlossen. US-Präsident Jimmy Carter diente als Vermittler.

Nur vier Jahre nach dem Jom-Kippur-Krieg zwischen den beiden Staaten war Sadat im November 1977 nach Jerusalem gereist – und war damit der erste arabische Staatsmann, der den Staat Israel besuchte. Ganz Israel hörte und schaute gebannt zu, als der Ägypter vor der Knesset vom Frieden sprach. Sadat hatte sich zuvor um engere Beziehungen zu den USA bemüht und Washington Israel daraufhin zu einem teilweisen Rückzug vom Sinai gedrängt, der 1982 vollständig realisiert wurde. »Wir haben den ersten Schritt zum Frieden getan«, sagte Carter in Camp David, »ein Schritt auf einer langen und schwierigen Reise. Wir dürfen die Hürden, die auf dem Weg liegen, nicht unterschätzen.« Sadat nannte Carter »den Mann, der das Wunder vollbracht hat«.

Begin und Sadat hatten ein tiefes Verständnis für die Bedürfnisse ihrer Völker, ist der Experte überzeugt.

Es sei in der Tat ein Wunder, meint auch Avi Dichter, ehemaliger Geheimdienstchef. Auf einer Konferenz der Bar-Ilan-Universität berichtete er, dass ihm kurz zuvor jemand gesagt habe, es werde niemals einen Frieden mit den Palästinensern geben. »Ich musste sofort an 1979 denken, als wir die geheimen Informationen zu den Verhandlungen zwischen Israel und Ägypten erhielten.« Sein Fazit: »Im Nahen Osten darf man niemals zu irgendetwas nie sagen.«

AUFSTAND Begin und Sadat hätten »ein tiefes Verständnis für die Bedürfnisse ihrer Völker« gehabt, das habe den Vertrag ermöglicht. Und doch sei es fast unglaublich, dass das Abkommen so lange Bestand hat. Denn auch in Ägypten gab es Aufruhr und Unsicherheit. 1982, nach der Ermordung Sadats, habe Israel nicht gewusst, was geschehen würde. Dass Hosni Mubarak jahrzehntelange Stabilität bringen würde, war nicht vorauszusehen. »Und dann kam der Aufstand des Arabischen Frühlings 2011, der anschließend die Muslimbruderschaft an die Macht brachte. Das war sehr schwer zu ertragen«, erinnert sich der Sicherheitsexperte. »Wir alle waren von diesen Entwicklungen traumatisiert.«

Dichter ist sicher, dass es kein gutes Ende genommen hätte, wäre der von der Muslimbruderschaft gestellte Staatspräsident Muhammad Mursi länger an der Macht geblieben: Die Extremisten in Kairo hätten die Hamas und den Islamischen Dschihad in Gaza aufgerüstet. Nach dem Putsch durch Abdel Fattah al-Sisi jedoch kehrte wieder Ruhe ein. Und die Israelis atmeten auf.

Ägypten hat viele Sorgen an den Grenzen – zum einen mit Libyen, zum anderen mit dem Sudan.

Doch es ist nicht alles Schönwetter an der Grenze im Süden. Ägypten habe viele Sorgen an den Grenzen, weiß Dichter. Zum einen mit Libyen, denn das Land ist nach dem Sturz von Muammar al-Gaddafi zu einem Umschlagplatz für Waffen der gesamten Region geworden. Auch der Sudan ist ein problematischer Anrainer. »Zudem ist die Lage auf dem Sinai schlimm, der IS hat sich schon lange eingenistet.« Er betont jedoch, dass dies Ägypten mehr schadet als Israel. Mit der Regierung von al-Sisi gebe es eine enge Sicherheitszusammenarbeit.

RABIN Und doch liegt der letzte Besuch eines ägyptischen Staatschefs lange zurück. Es war Mubarak bei der Beerdigung von Yitzhak Rabin 1995. »Das zeigt die Schwierigkeit, die ein Frieden mit Israel noch heute für die Regierungen in Ägypten bedeutet«, sagt Dichter. »Mit Jordanien ist das nicht viel anders.« Und doch seien die Abkommen von größter Bedeutung. Es stimme zwar, dass Tourismus von Ägyptern nach Israel nicht stattfindet. »Andersherum gibt es einige Israelis, die über die Grenze reisen, doch es ist nicht mehr so wie in den 80er-Jahren. Natürlich wegen des Terrorismus«, sagt er und fügt hinzu: »Tatsache ist, dass man im Nahen Osten einen Frieden nicht zwischen Völkern schließt, sondern zwischen Anführern.« Was wäre passiert, hätte man die Ägypter und Jordanier direkt gefragt? »Ich denke, wir wissen alle, wie das Ergebnis ausgesehen hätte.«

Man müsse jedoch betonen, dass Ägypten eine große Rolle dabei spielt, wenn sich die Rhetorik der arabischen Welt über Israel langsam ändert. Vor allem in Saudi-Arabien verstehe man langsam, dass Israel nicht der Feind, sondern die Lösung für vieles sei. »Sie wissen, dass der Iran das Problem ist. Das ist sicher die bedeutendste Entwicklung in den vergangenen Jahren.« Mittlerweile haben schon 19 arabische Staaten die Hisbollah als Terrororganisation eingestuft.

»Gleichwohl ist es den Ägyptern nicht angenehm, den Frieden mit Israel öffentlich zu betonen oder gar zu loben«, resümiert Dichter. »Das ist besorgniserregend.« Er hat aber weiter Hoffnung. »Denn das Potenzial ist riesig, und die Möglichkeiten für uns alle sind ungeahnt.«

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