Social Media

Digitale Diplomatie

Nicht nur Grenzzäune, sondern auch Sperrungen israelischer Websites erschwerten bislang den direkten Draht Israels zur arabischen Bevölkerung. Mit den sozialen Medien – insbesondere Facebook – können diese nun umgangen werden. Das Außenministerium unterhält dort seit 2010 eine Seite auf Arabisch und hat somit eine »virtuelle Botschaft« in Ländern etabliert, zu denen sonst keine Beziehungen bestehen.

Elad (37) betreut gemeinsam mit einer Mitarbeiterin die arabischen Social-Media-Kanäle des Außenministeriums und diskutiert auf Facebook, YouTube und Twitter mit mehr als einer Viertelmillion arabischer »Fans«. Er tut, was sich viele Israelis wünschen: den antisemitischen Verschwörungstheorien etwas entgegensetzen und die israelische Position erklären.

Ansprechpartner Der studierte Arabist und Literaturwissenschaftler postet auf Facebook im Schnitt drei Beiträge pro Tag und ist auch sonst ständiger Ansprechpartner für die arabischen User: »Pro Woche führen wir auf der Facebook-Page an die 100 Gespräche mit Nutzern.« Die meisten von ihnen kommen aus Ägypten, dicht gefolgt von Nutzern aus dem Irak und den Palästinensergebieten.

Elad liest jeden Kommentar. Kaum gestartet, gab es einen Hype um die digitale Botschaft Israels, und jedes seiner Postings bekam rund 1000 Nutzerkommentare. Mittlerweile hat sich das Feedback eingependelt. Zwei von zehn dieser Repliken muss er löschen – wegen »Hatespeech«. Trotzdem lässt Elad viel durchgehen: »Einige Nutzer beschimpfen uns, um die Interaktion mit Israel vor ihren Freunden, ihren Verwandten, ihrem Dorf rechtfertigen zu können.«

Gibt es also ausschließlich negative Reaktionen? Nein, denn immer wieder beschrieben arabische User, wie sich ihre Sichtweise nach Lektüre der Facebookseite geändert habe, fort von antisemitischen Ressentiments zu einem Verständnis für die israelische Seite. Gut zehn Prozent der Nutzer, schätzt Elad, würden Israel tatsächlich mögen, immerhin 40 Prozent würden zwar harsche Kritik üben, aber immerhin das Existenzrecht des jüdischen Staates anerkennen. Für gut die Hälfte der Nutzer jedoch sei die Seite nur eine Plattform, um Beschimpfungen loszuwerden.

Indoktrination Zwar thematisiere man auch Kulturelles und Gesellschaftliches auf Arabisch, die meiste Zeit investiert Elad jedoch in die Richtigstellung der antiisraelischen Propaganda: »Generell wissen die Menschen in den arabischen Staaten sehr wenig über den Konflikt, aber sie alle kennen die Mythen um Deir Yassin, Sabra und Schatila und Kfar Kana. Diese Indoktrination ist eine wahre Tragödie.«

Auch wenn die Arbeit als »digitaler Botschafter« frustrierend erscheinen mag, freut es Elad, immer wieder die gleichen Fragen zu beantworten. Denn er ist überzeugt: Den Aufgeschlossenen unter den Diskutanten vermag er durchaus zu vermitteln, dass Israelis kein Kinderblut trinken. Und eines Tages wird auch seine Arbeit dazu beitragen, dass es Frieden gibt, da ist er sich sicher.

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