Social Media

Die Hebräisch-TikToker aus Gaza

Er nennt sich selbst »Fachmann für die hebräische Sprache«. Dabei ist Hebräisch nicht die Muttersprache von Ghaleb Amu Amar. Und doch postet der Palästinenser aus Gaza fast ausschließlich Videos auf Iwrit. »Achla Boker!«, einen »großartigen Morgen«, wünscht er meist am Anfang und schickt ein »alles Gute« in Richtung Israel.

Seine Videos vor dem Massaker der Hamas am 7. Oktober zeigten eine große Tafel, auf der er mit Kreide hebräische Wörter schrieb und ins Arabische übersetzt. Am 6. Oktober 2023 erklärte er das Wort: »Aminut« (Verbindlichkeit). Anschließend Funkstille. Das nächste Video folgte erst im Mai dieses Jahres. Es gibt keine Tafel mehr, doch Amu Amar schreibt weiter Hebräisch. Auf ein mit dunkler Farbe bestrichenes Quadrat an einer Wand.

»Ich verurteile die Geschehnisse vom 7. Oktober aufs Schärfste. Dieser Tag weckt Erinnerungen an all das vergossene Blut, an das, was dem jüdischen und auch dem palästinensischen Volk widerfahren ist. Kurz gesagt, das ist alles, was ich sagen wollte. Viel Glück und alles Gute«, sagt er einmal.

Die Kommentare auf Hebräisch sind gemischt

Kommentare auf Hebräisch unter seinen Videos sind gemischt. Die meisten sind lobend und positiv. Shani etwa schreibt auf Hebräisch: »Wer auch immer die Hand in Frieden ausstreckt, dem soll man nicht den Rücken zudrehen.« Amu Amar kommentiert mit einem roten Herzen. Ein anderer aber schreibt in Bezug auf die Videos, in denen Amu Amar die Wurzeln eines Wortes erläutert: »Du sprichst über Wurzeln. Aber ihr habt hier keine Wurzeln.«  

Mittlerweile postet der Mann aus Gaza häufiger Videos vom alltäglichen Leben im Gazastreifen während des Krieges, besonders vom Zubereiten von Speisen. Trotz der offensichtlich extrem schwierigen Lage verbreitet er eine positive Stimmung und Zuversicht.

Über einem Feuer, das er in einer Metalltonne entfacht hat, brät er an einem Tag Falaffelbälle mitten auf einer Straße irgendwo im Gazastreifen, in einem selbstgebauten Taboon-Ofen backt er an einem anderen Tag »Pizza für die Kinder und die ganze Familie«.

»Lasst uns gemeinsam für Frieden und Ruhe zwischen unseren Völkern beten.«

Amu Amar postet oft »von der Küste in Khan Younis«, wie er selbst sagt. Aus den Videos geht nicht hervor, woher er so gut Hebräisch spricht, schreibt und die Grammatik beherrscht. Doch er ist offenbar stolz darauf, und es scheint ihm ein Anliegen, seine Kenntnisse an seine mehr als 21.700 Follower weiterzugeben.

Es sind Videos voller Menschlichkeit, die inmitten des Krieges versuchen, einen Dialog mit der anderen Seite zu führen. Trotz der Gefahr, die Menschen wie ihm noch immer durch die Hamas in Gaza droht, spricht er laut und offen auf Hebräisch in die Kamera, zeigt sein Gesicht und veröffentlicht seinen vollen Namen.

Viele Followers danken ihm und wünschen »Frieden für beide Völker«. Einer aber fragt: »Bist du für Hamas?« Amu Amar macht mit seiner Antwort – auch die auf Hebräisch – klar: »Bist du noch normal? Wer ist für Hamas? Sogar die Hunde in Gaza hassen sie.«  

Der Mann aus Gaza wendet sich an die »Bürger des Staates Israel«

Auch ein anderer Mann aus Gaza nimmt kein Blatt vor den Mund. Auf seinen Videos ist kein Name zu sehen, doch die Botschaft könnte nicht klarer sein. Mit breitem Lächeln wendet er sich an die Israelis: »Schalom, Bürger des Staates Israel«, sagt er, während er inmitten einer Schar von Kindern vor Zelten steht.

»Wegen des Krieges leben wir hier in Hütten, wie Sie sehen, und der Sommer geht in den Winter über. Es wird bald beginnen zu regnen, und dann wird es sehr schwer werden.« Der Mann bittet darum, »gemeinsam für Frieden und Ruhe zwischen unseren Völkern zu beten« und schickt »Grüße von allen Bürgern des Staates Gaza«. Dann fordert er die Kinder auf, Grüße nach Israel zu senden. »Schalom!«, rufen sie und lachen. »Schalom!«

Jerusalem

Großeltern umgebettet: Theodor Herzls letzter Wille ist erfüllt

Die Überreste von Schimon und Rikva Herzl, Vorfahren väterlicherseits des Zionismus-Begründers und prägende Gestalten in Theodor Herzls Jugend, wurden von Serbien nach Israel überführt und auf dem Herzlberg beigesetzt

 06.08.2026

Justiz

Israelischer Siedler wegen Tötung eines Palästinensers angeklagt

Der getötete Aktivist setzte sich gegen Siedlergewalt ein und war an dem Oscar-prämierten Film »No Other Land« beteiligt. Jetzt steht der mutmaßliche Täter vor Gericht

 06.08.2026

Gaza

IDF-Chef Zamir: Jeder Verantwortliche für die Massaker vom 7. Oktober wird zur Rechenschaft gezogen

Die Jagd auf die beteiligten Terroristen sei »eine dauerhafte und fortlaufende Aufgabe, die das Kommando mit großem Erfolg erfüllt«, sagt der Generalstabschef

 06.08.2026

Dublin

Wegen Israel-Boykott: Irisches Regierungsflugzeug kann nicht mehr im Nebel landen

Beim Kauf der Maschine wurde bewusst auf das System »FalconEye« verzichtet, weil der israelische Rüstungskonzern Elbit Systems an dem Produkt beteiligt ist

 06.08.2026

Gesellschaft

Misstrauen vor der Wahl

72 Prozent der jüdischen Israelis fürchten, dass die Parlamentswahl im Oktober beeinträchtigt werden könnte

von Sabine Brandes  06.08.2026

Magdeburg/Halle

Schulze: Hallervorden-Auftritt steht für Meinungsfreiheit

Der Komiker verbreitet Verschwörungstheorien über Israel und relativiert Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine

 06.08.2026

Medien

Wo steckt die palästinensische Opposition?

Zwei taz-Essays erzählen eindringlich von palästinensischer und muslimischer Entfremdung in Deutschland. Sie lassen zugleich einen entscheidenden blinden Fleck im Nahostkonflikts unerwähnt

von Leeor Engländer  06.08.2026

Wahlkampf

Who’s who in Jerusalem?

Israels Parteien buhlen nicht nur um potenzielle Wähler, sondern auch um mögliche Bündnisse

von Sabine Brandes  06.08.2026

Jerusalem

Ehemalige Likud-Politiker Erdan und Edelstein gründen neue Partei

Eine konservative Alternative zu Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wollen die Gründer bieten. Haben sie Chancen auf Erfolg?

 06.08.2026