Proteste

Der Aufstand der Afrikaner

Demonstration auf dem Rabinplatz in Tel Aviv Foto: Flash 90

Lange haben sie geschwiegen. Jetzt aber machen sie ihrem Unmut Luft. Zehntausende Afrikaner gehen in diesen Tagen in Israel auf die Straße, um gegen die Flüchtlingspolitik der Regierung zu protestieren. Am Sonntag und Montag erschienen die meisten von ihnen nicht bei der Arbeit, um sich an den Demonstrationen zu beteiligen. Auf dem Rabinplatz in Tel Aviv skandierten 20.000 Menschen »Ja zur Freiheit – Nein zum Gefängnis«.

Israel hatte vor Kurzem ein Gesetz geändert, das die Flüchtlinge betrifft. Nach der neuen Regelung können die Menschen nun für unbegrenzte Zeit ins Gefängnis gesteckt werden – ohne Angabe von Gründen oder ein Verfahren. Zusehends wurden Männer auf den Straßen von der Polizei aufgegriffen und in die Haftanstalten gebracht. Das offene Gefängnis Holot in der Negevwüste war eigens für Menschen aus den afrikanischen Ländern gebaut worden.

Gefängnisse Auf dem Podium rief Muatsam, einer der Protestanführer, am Sonntag: »Die Regierung gibt uns zwei Möglichkeiten: in unsere Heimat zurückzukehren oder ins offene Gefängnis zu gehen. Das ist aber nicht akzeptabel. Wir wollen, dass die Anstalten geschlossen, alle Afrikaner freigelassen werden und dass die Polizei aufhört, Leute festzunehmen. Prüft unsere Asylanträge ernsthaft!«

Am Montag versammelten sich vor dem Büro des UN-Flüchtlingshilfswerks und mehreren Botschaften in Tel Aviv Tausende von Männern, Frauen und Kindern. Den Großteil der Demonstranten bilden Menschen aus Eritrea, dem Sudan und Äthiopien, die über die einst löchrige Grenze zu Ägypten nach Israel kamen. Mittlerweile ist der Flüchtlingsstrom fast gänzlich versiegt, nachdem die Regierung die Verstärkung des Zauns zum Nachbarland im Süden veranlasst hatte. Doch Zehntausende Flüchtlinge leben noch in Israel.

Legal »To be black is not a crime« ist auf vielen Plakaten zu lesen: »Schwarz zu sein ist keine Straftat«. Mit Slogans wie diesem wollen sie vor allem auf die Ungerechtigkeit aufmerksam machen, dass viele sofort nach ihrer Ankunft in Gefängnisse gesteckt wurden und dort noch immer ihr Dasein fristen. Ihr einziges Vergehen war die illegale Einwanderung. Auch das Verbot zu arbeiten, stößt vielen übel auf. »Wir wollen nicht kriminell werden«, heißt es immer wieder, »doch wovon sollen wir leben, wenn wir unser Geld nicht legal verdienen dürfen?«

Die Regierung in Jerusalem verfolgt seit Jahren eine Politik der Passivität in Bezug auf die Flüchtlinge. Ihre Anerkennung als Verfolgte wurde stets unter dem Vorwand abgelehnt, »dass dann bald ganz Afrika an unsere Türen klopft«. Die im Land lebenden Menschen fordern nun aber ihr Recht darauf, dass ihre Asylanträge ordnungsgemäß geprüft werden.

Demonstrationen finden vor allem in Tel Aviv und Eilat statt, wo der Großteil der Afrikaner in Cafés, Restaurants und Hotels arbeitet. Der Betrieb vieler Lokale wurde durch das Fernbleiben der Arbeiter empfindlich gestört. Doch statt Ärger drückten die meisten Betreiber Solidarität aus. Viele schlossen ihre Läden am Sonntag sogar gänzlich und hingen Schilder an ihre Türen und Fenster: »Wir protestieren gemeinsam mit unseren afrikanischen Angestellten gegen die Politik der Regierung«.

Nahost

Iran soll Angriff mehrerer Terrorgruppen auf Israel planen

Nach israelischen Einschätzungen könnte das Mullah-Regime einen gleichzeitigen Einsatz an mehreren Fronten vorbereiten – mit Beteiligung der Hisbollah, der Hamas und der Huthi

 07.09.2026

Gesellschaft

Exodus der Ärzte

Studie: Seit 2023 haben rund 1370 Mediziner Israel verlassen, darunter zunehmend erfahrene Fachärzte

von Sabine Brandes  06.09.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  06.09.2026

Jerusalem

Israels Sicherheitsrat: Weltweite Reisewarnung für die jüdischen Feiertage

Die Behörde warnt vor gezielten Anschlägen durch extremistische Gruppen und Einzeltäter auf Juden und Israelis. Von Reisen in zahlreiche arabische und an den Iran grenzende Staaten wird dringend abgeraten

 06.09.2026

Jerusalem

Oberstes Gericht kippt Festnahmeverbot für ultraorthodoxe Wehrdienstverweigerer

Das im Sommer verabschiedete Moratorium verstößt nach Ansicht der Richter gegen den Gleichheitsgrundsatz. Der Staat dürfe bei der Strafverfolgung keine unzulässigen Ausnahmen machen

 06.09.2026

Kommentar

Warum es eine Brandmauer gegen die Linkspartei braucht

Wenn eine Brandmauer nur auf einer Seite steht, brennt es von der anderen rein. Über diese offene Seite müssen wir reden

von Nelly Eliasberg  06.09.2026

Israel-Hasserin El Hissy

Jüdische Gemeinde Frankfurt übt scharfe Kritik am Börsenverein des Deutschen Buchhandels

Die Hintergründe

 04.09.2026

Bildung

Fragt mich!

Der deutsch-israelische Psychologe Ahmad Mansour besucht regelmäßig Schulen. Hier erzählt er, wie aus Sprachlosigkeit ein offener Austausch über Antisemitismus, Israel und den Nahostkonflikt entstehen kann

von Ahmad Mansour  04.09.2026

Jerusalem

Netanjahu: Sturz des Regimes im Iran »zentrale Mission« Israels

»Ich bin zuversichtlich, dass wir in der Lage sind, diese Bedrohung ein für alle Mal zu beseitigen«, sagt der Ministerpräsident

 04.09.2026