Tel Aviv

Demo für die Wiederwahl

Demonstration auf dem Rabin-Platz Foto: Flash 90

Zwei Tage vor den Wahlen zu einem neuen Parlament in Israel demonstrierten die Rechtsparteien am Sonntagabend auf dem Rabin-Platz in Tel Aviv.

Eine Woche nach dem Protest gegen Premier Benjamin Netanjahu, zu dem rund 40.000 Menschen gekommen waren, traten die Chefs von Likud, Jüdisches Haus, Israel Beiteinu und Eli Yishais Jachad ans Podium, um Stimmung für ihre Parteien zu machen.

Zehntausende Anhänger waren ins Stadtzentrum gekommen, um der Rechten in Israel ihre Unterstützung zuzusichern. Schilder mit »Bibi«, Israel-Flaggen und Kippot dominierten das Bild. Organisiert hatte die Demonstration der Siedlerverband des Westjordanlandes. Noch am selben Tag hatte die Linkspartei Meretz versucht, die Demo zu verhindern, weil angeblich öffentliche Gelder für die Ausrichtung benutzt worden waren.

Szenario
Nachdem der Likud in letzten Umfragen vier Sitze hinter dem Herausforderer, der Zionistischen Union, zurücklag, sagte Netanjahu zu, selbst auf der Demonstration zu sprechen. »Wir müssen die Lücke zu Herzog schließen«, rief er in Bezug auf den Vorsprung von Arbeitspartei-Chef Isaac Herzog. »Wir können es.« Er warnte vor dem Szenario, dass die »Linken übernehmen«.

Nach dem letzten Freitag vor der Wahl ist es nach israelischem Wahlgesetz nicht mehr erlaubt, aktuelle Umfragen zu veröffentlichen. Demnach liegen die Ergebnisse bei 25 Stimmen für die Zionistische Union um Herzog und Zipi Livni und 21 für die regierende Likudpartei.

Die Rechtsparteien versuchen in den letzten Stunden vor dem Gang in die Wahllokale, sich gegenseitig Stimmen abzujagen, um es – wie Jachad – überhaupt ins Parlament zu schaffen. Oder um den Sieg des Rechtsblocks zu garantieren. Und das wird nur aufgehen, wenn Netanjahu es auf mehr Stimmen bringt als Herzog.

Königsmacher Moshe Kahlon und dessen Anhänger, der von den Medien als Königsmacher gehandelt wird, war auf der Demonstration nicht anwesend. Einen Tag zuvor hatte er Netanjahu eine Absage erteilt, ein Bündnis einzugehen und dafür das Finanzministerium zu erhalten. »Er hat bereits im Vorfeld Versprechungen gemacht und sie nicht eingehalten. Ich traue ihm nicht«, watschte er seinen ehemaligen Chef ab.

Kahlon, der in der Bevölkerung sehr beliebt ist, war einst Kommunikationsminister und Likudmitglied, bis er sich aus der Politik verabschiedete. Nun kehrte er mit seiner eigenen Partei, Kulanu, zurück und könnte, glaubt man den Umfragen, es auf neun Knessetsitze schaffen.

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