Medien

Das Tor zur Sprache ist zu

Viele lesen noch nach Jahren im Land im Schneckentempo, können kaum die Schlagzeilen in der Tageszeitung entziffern. Jeder, der versucht hat, die hebräische Sprache zu meistern, kennt die Schwierigkeiten. Die umgekehrte Schreibrichtung, das Fehlen der Vokale: Die moderne Version der alten Bibelsprache, Iwrit, fliegt den wenigsten zu. Große Hilfe im israelischen Sprachdschungel bot seit mehr als einem halben Jahrhundert die Wochenzeitung »Shaar Lamatchil« in einfachem Hebräisch. Jetzt wurde sie eingestellt. Vorerst.

Die letzte Ausgabe vom April erklärte, dass die Zeitung »bis auf Weiteres nicht mehr gedruckt werden wird«, und dankte allen Lesern sowie Lehrern in Israel und im Ausland für ihre Unterstützung.

Einst vom Bildungsministerium als Stütze für die Millionen von Neueinwanderern ins Leben gerufen, gehörte das Blatt in sämtliche Klassenräume der Ulpanim, Einwandererzentren, Hebräischschulen sowie jüdischer Gemeinden außerhalb des Landes. Auch im arabischen Sektor gab es regelmäßige Abonnenten. »Wir wollen unser Land auf diesen Seiten in einfachem Iwrit vorstellen und laden Sie ein, die Zeitung zu lesen, bis Sie eine reguläre Tageszeitung verstehen«, hieß es 1956 in der ersten Ausgabe.

Olim Nach einigen Jahren wurde die Publikation privatisiert, zunächst erschien die Zeitung unter Leitung von Davar und der Jerusalem Post, in den letzten zehn Jahren druckte Yedioth Shurot, die Tochterfirma der Tageszeitung Yedioth Ahronoth. Vor 14 Jahren bescheinigte Premierminister Benjamin Netanjahu der Zeitung zur 1.000. Ausgabe: »Israel hat es geschafft, die Millionen von Neueinwanderern in die Gesellschaft zu integrieren, und Shaar Lamatchil hat definitiv dazu beigetragen.«

Doch es ist nicht so, dass es keinen Bedarf mehr für die Zeitung mit der Hilfspunktierung gibt oder die Leserschaft stark gesunken wäre. Stattdessen sei es schlicht ein »bürokratisches Missgeschick« gewesen, wie Insider israelischen Medien mitteilten. So gab es keinerlei offizielle Entscheidung zur Einstellung. Grund war eine Ausschreibung für einen neuen Betreiber, die unbeantwortet blieb.

»Niemand wollte die Verantwortung übernehmen, niemand machte ein Angebot«, sagen Angestellte des Bildungsministeriums. Angeblich wollen die Verantwortlichen nun, wo bereits alle Reporter entlassen sind und die Druckmaschinen stillstehen, einen späten Rettungsversuch starten, damit sich das Tor zum Iwrit wieder öffnen kann.

Meinung

Wie Israel zum Juden unter den Staaten gemacht wird

Antisemitismus zeichnet sich dadurch aus, dass er keine empirischen Grundlagen braucht, um zu existieren - weder in der UN noch anderswo

von Jacques Abramowicz  25.06.2026

Tel Aviv

Gemeinsames Seemanöver Deutschlands und Israels vor Haifa

Ein Schiff der Bundesmarine besucht Haifa, es folgt ein Manöver mit Israel. Die gemeinsame Seefahrt geschieht vor dem Hintergrund einer weiter angespannten Lage in der Region nach dem Iran-Krieg

 25.06.2026

Israel

Ex-Armeechef Eisenkot könnte Netanjahu ablösen

In Umfragen holt seine Partei Jaschar rasant auf und liegt auf dem zweiten Platz hinter Likud

von Sara Lemel  25.06.2026

Knesset

Wahltag mit Fragezeichen

Der 20. Oktober gilt als Favorit für Israels nächste Parlamentswahl. Doch Streit in der Koalition und offene Gesetzesvorhaben könnten den Zeitplan noch verändern

von Sabine Brandes  25.06.2026

Nachruf

Jom-Kippur-Veteran Simcha Applebaum gestorben

Der Holocaust-Überlebende, Reservisten-Oberst und Mitbegründer des Kibbuz Netzer Sereni wurde 99 Jahre alt

 25.06.2026

Humanitäre Hilfe

Mehr als 10.000 Tote in Venezuela erwartet

Die Hilfsorganisation IsraAID macht sich auf den Weg in das lateinamerikanische Land nach den zwei verheerenden Erdbeben vom Mittwochabend

von Sabine Brandes  25.06.2026

Gesellschaft

Erste Hilfe für Plüsch und Seele

Im Norden Israels wurden Kuscheltiere zu Patienten – und Kinder finden zwischen Unsicherheit und Alltag ein Stück Geborgenheit

von Sabine Brandes  25.06.2026

Wettbewerb

Borat und der König vom KitKat

Am Strand von Tel Aviv versammelten sich Doppelgänger des Schauspielers Sacha Baron Cohen

von Sabine Brandes  25.06.2026

Jerusalem

Katz: IDF bleibt im Südlibanon – auch bei möglichem Druck aus Washington

»Die IDF sind vorbereitet … und wir ziehen uns nicht zurück«, sagt der israelische Verteidigungsminister

 25.06.2026