Pandemie

Covid-Zahlen sinken weiter

Israelis auf der Tel Aviver Strandpromenade während des nationalen Lockdowns Foto: Flash90

Die Zahlen der Neuinfektionen mit Covid-19 in Israel sinken schneller als von vielen erwartet. Am Freitag gab das Gesundheitsministerium bekannt, dass die Positivrate der Tests derzeit bei 4,2 Prozent liege, die niedrigste Zahl seit Mitte Juli. Im September war die Rate bis auf 15 Prozent angestiegen.

2128 Menschen sind mittlerweile an den Folgen des Virus gestorben. Die Zahl der Patienten in Krankenhäusern landesweit war in den vergangenen Tagen um 200 gesunken und liegt derzeit bei rund 700.

EINWOHNER Am Donnerstag waren in Israel seit März insgesamt 300.000 Fälle bestätigt worden. Damit gehört Israel zu 24 Ländern weltweit, die diese Zahl überschritten haben. Allerdings ist der kleine Nahoststaat die einzige Nation mit weniger als zehn Millionen Einwohnern.

Am kommenden Sonntag soll der landesweite Lockdown, der am 18. September begonnen hatte, langsam erleichtert werden. Das beschloss das Corona-Kabinett am Donnerstag. Allerdings gibt es dabei noch viele Unklarheiten. Unumstritten ist, dass Israelis ihre Häuser ab der kommenden Woche nicht mehr nur in einem Umkreis von einem Kilometer verlassen, sondern sich frei im Land bewegen dürfen.

Israelische Medien berichten, dass das Kabinett erwäge, ab Sonntag Restriktionen für das gesamte Land teilweise aufzuheben.

Auch sollen Kindergärten ohne Beschränkung öffnen und Geschäfte sowie Unternehmen, die keinen Publikumsverkehr haben. Die Menschen dürfen wieder in Parks und an den Strand gehen. Restaurants und Cafés können dann auch wieder Take-Out anbieten. Allerdings sollen andere Geschäfte mit Publikumsverkehr nach wie vor geschlossen bleiben. Die Wirtschaft ist extrem vom Lockdown betroffen, die Arbeitslosigkeit liegt bei 25 Prozent.

LOCKDOWN Zunächst hatte es vonseiten der Regierung geheißen, dass Orte, die wegen hoher Infektionsraten als »rot« gelten, nach Angaben der Regierung im Lockdown bleiben müssen, bis auch hier die Zahlen sinken. Diese Regelung hätte entsprechend des »Ampel-Plans« von Corona-Berater Ronni Gamzu umgesetzt werden sollen, bei dem die israelischen Gegenden nach der Anzahl der Infektionen eingeteilt werden.

Israel gehört zu den 24 Nationen weltweit mit mehr als 300.000 bestätigten Covid-19-Fällen

Doch am Freitag berichteten israelische Medien, dass das Kabinett nun allerdings erwäge, ab Sonntag Restriktionen für das gesamte Land teilweise aufzuheben. Bei den momentanen »roten« Gegenden handelt es sich ausschließlich um Ortschaften mit überwiegend ultraorthodoxer Bevölkerung. Gamzu will erreichen, dass fünf Städte noch bis Mittwoch abgeriegelt bleiben. »Dann haben wir die Problemzonen unter Kontrolle.«

DRUCK Die strengreligiösen Parteien üben seit Beginn der Corona-Pandemie in Israel starken Druck auf Premierminister Benjamin Netanjahu (Likud) aus. Der Abgeordnete der frommen Partei Vereintes Tora-Judentum, Mosche Gafni verlangt nun von Netanjahu, den Corona-Berater zu feuern. Teile der charedischen Gesellschaft hatten sich besonders während des zweiten Lockdowns, der während der Hohen Feiertage durchgeführt wurde, geweigert, an die Beschränkungen zu halten.

Roni Numa, Leiter für die Abteilung »Charedim« im nationalen Programm für die Bekämpfung des Coronavirus, Magen Israel, hat sich dennoch dafür ausgesprochen, die Jeschiwot bereits in der kommenden Woche zu öffnen. Angeblich sollen die Studierenden in sogenannten »sterilen Kapseln« lernen und bis zu den Chanukka-Ferien im Dezember nicht nach Hause kommen.

Experten bezeichnen das Vorhaben für den Bildungssektor als »unmoralisch« und »unverantwortlich«.

PHASEN Alle anderen Schulen indes sollen geschlossen bleiben. Entsprechend des Exit-Plans des Gesundheitsministeriums, der in neun Phasen durchgeführt werden soll, könnten Schüler der Klassen eins bis drei in den kommenden zwei Wochen wieder in den Schulen unterrichtet werden. Alle anderen jedoch voraussichtlich nicht vor Ende Dezember oder sogar Mitte Januar.

Immer mehr Experten sprechen sich dagegen aus und bezeichnen das Vorhaben für den Bildungssektor als »unmoralisch« und »unverantwortlich«. Sie verlangen, dass zumindest die Altersstufen eins bis sechs schon in den nächsten Tagen wieder in die Klassenzimmer zurückkehren dürfen.

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