Gewalt in Israel

Brutale Lynchversuche

Bei Ausschreitungen zerstörte Autos in der israelischen Stadt Lod (12. Mai 2021) Foto: Flash 90

In den »gemischten« Städten Israels eskaliert die Gewalt weiter. Premierminister Benjamin Netanjahu besuchte am Donnertagnachmittag die Stadt Lod, in der die jüngsten arabischen Unruhen begonnen hatten. Er ziehe weitreichende Maßnahmen in Erwägung, um den Aufstand zu beenden, darunter den Einsatz des Militärs. Zur selben Zeit gibt es Lynchversuche von Arabern gegen Juden sowie jüdischen Extremisten gegen Araber.

Am Donnerstagabend wurde der Komplex der Dusa-Synagoge in Brand gesteckt. Übergangsverteidigungsminister Benny Gantz verlängerte den Ausnahmezustand für die Stadt um weitere 48 Stunden, wie israelische Medien berichteten. Es handelt sich um die fünfte Synagoge in der Stadt, die bei den jüngsten Gewalteskalationen in Brand gesetzt wurde.

»POGROME« Auch die Möglichkeit der umstrittenen »Verwaltungshaft« liege auf dem Tisch, führte der Premier aus. Dabei können Gruppen von Menschen eingesperrt werden, ohne dass es einen Vorwurf, eine Anklage oder eine Verhandlung gibt. Kritiker bezeichnen diese Machtausübung als undemokratisch. Befürworter meinen, die Maßnahme sei gerechtfertigt, wenn die nationale Sicherheit bedroht sei. »Wir haben keine größere Bedrohung als diese Pogrome, und wir haben keine Wahl, als die Ordnung wiederherzustellen«, so Netanjahu. »Mit aller Macht.«

Die jahrelangen Versuche und Anstrengungen der Kooperation und Koexistenz zwischen Juden und Arabern werden in diesen Tagen völlig zunichte gemacht, beklagen sich Aktivisten, Bürgermeister und Gemeindevertreter.

In Akko wurde ein 37-Jähriger so brutal mit Steinen und Eisenstangen zusammengeschlagen, dass er mit schweren Kopfverletzungen ins Krankenhaus gebracht werden musste und in Lebensgefahr schwebte. Sein Zustand habe sich über Nacht verbessert, doch er werde noch immer künstlich beatmet, gaben die behandelnden Ärzte im Medizinischen Zentrum Galiläa an.

Der Mann wurde als Oberschullehrer Elad Barzilai identifiziert. Er habe am Abend seine Schüler während der Unruhen in der Stadt finden und sie davon abhalten wollen, sich an Gewaltakten zu beteiligen, berichten israelische Medien.   

MOB In Bat Yam wurde ein arabischer Autofahrer von einem jüdischen Mob aus Rechtsextremen aus seinem Fahrzeug gezerrt und auf brutalste Weise zusammengeschlagen und -getreten. Das Kamerateam eines Senders übertrug die grausamen Bilder live im Fernsehen. Der Mann wurde mit schweren Verletzungen ins Ichilow-Krankenhaus eingeliefert. Sein Zustand sei jedoch stabil. Auch wurden arabische Geschäfte attackiert.

Anschließend zeigten sich Politiker aller Parteien entsetzt. Netanjahu war außer sich vor Wut und richtete sich an die Unruhestifter: »Es ist mir egal, ob euer Blut vor Wut kocht. Dann kocht es eben. Man darf das Gesetz nicht in die eigene Hand nehmen und einen arabischen Bürger lynchen. So wie wir es auch von arabischen Einwohnern sehen, die dies jüdischen Bürgern antun. Das nehmen wir nicht hin. «

In Haifa, der Hafenstadt im Norden, die eigentlich seit Jahrzehnten als Beispiel der Koexistenz bekannt ist, zündeten arabische Einwohner Fahrzeuge auf dem Parkplatz eines Gebäudes an, das von ultraorthodoxen jüdischen Familien bewohnt wird. Das zeigten Überwachungskameras. Dutzende Menschen mussten wegen Rauchvergiftung behandelt werden. Auch in Jaffa und Tiberias kam es wieder zu Gewaltakten und Auseinandersetzungen mit der Polizei. 

GRENZPOLIZEI Verteidigungsminister Benny Gantz hatte am Vormittag zehn weitere Einheiten der Grenzpolizei in die Städte beordert, um die arabisch und jüdische Gewalt einzudämmen. Am Mittwoch waren knapp 400 Krawallmacher verhaftet worden. Gantz sagte, man befände sich in einer »absoluten Notsituation«. Gleichsam machte er klar, dass er nicht erlauben werde, »Soldaten für die Polizeiarbeit in Städten abzustellen«.  

​Auch Präsident Reuven Rivlin verurteilte die Gewalt auf Israels Straßen. Sie sei »eine wirkliche Bedrohung für die israelische Souveränität«. Die gemäßigte Mehrheit von Juden und Arabern müsse sich für Rechtsstaatlichkeit und eine gemeinsame Existenz einsetzen, forderte der Präsident. »Wir dürfen nicht zulassen, dass Extremisten den Ton angeben.«

Tel Aviv

Gloria Gaynor tritt in Israel auf

Nur wenige ausländische Musiker kommen derzeit nach Israel. Die »Queen of Disco« ist eine von ihnen. Was für ein Verhältnis hat sie zum jüdischen Staat?

 20.10.2026

Dubai

»Fly Dubai«-Kapitän schildert Axt-Angriff: »So wollte ich nicht sterben«

»Beim ersten Schlag dachte ich, dass etwas auf meinen Kopf gefallen wäre«, sagt Smit Machchhar drei Wochen nach dem Anfriff

 20.10.2026

Knessetwahl

Gantz zieht die Reißleine

Nach dem Absturz seiner Partei verzichtet der Ex-Generalstabschef auf eine Kandidatur – und wirbt erneut für eine große Einheitsregierung.

von Sabine Brandes  20.10.2026

Tel Aviv

Israels Armee verhängt Urlaubsstopp vor der Wahl

Die Hintergründe

 20.10.2026

Mullahs

Iran droht, Israel werde nur noch »verbrannte Erde« sein

Revolutionsgarden sprechen offen über Vernichtung Israels, sollte dessen Energieinfrastruktur angegriffen werden.

von Sabine Brandes  19.10.2026

Westjordanland

Zehn extremistische Siedler nach Gewaltexzess festgenommen

Präsident Isaac Herzog entschuldigt sich bei Opfern. Zugleich fordert eine Menschenrechtsorganisation eine Hotline für Notfälle im Westjordanland

von Sabine Brandes  19.10.2026

Westjordanland

Israels Armee räumt illegale Außenposten im Westjordanland

Als lasch kritisierte Gerichtsurteile gegen radikale Siedler helfen eher Wiederholungstätern als den Sicherheitskräften

 19.10.2026

Belfast

Barack Obama wirft Israel Landraub vor

Der jüdische Staat sei »zu weit gegangen«, sagt der frühere US-Präsident. Die Reaktion der Palästinenser auf die »jüdische Kontrolle über das Gebiet« sei deshalb aus ihrer Sicht nachvollziehbar gewesen

 19.10.2026

Israel

Trump stellt sich vor der Wahl hinter Netanjahu

Neun Tage vor der Parlamentswahl spricht der US-Präsident dem israelischen Ministerpräsidenten seine »volle und uneingeschränkte Unterstützung« aus. Netanjahu bedankt sich prompt

 18.10.2026