Transfusion

Böses Blut

Ihre Blutspende wurde abgelehnt: Knessetabgeordnete Pnina Tamano-Shata Foto: Flash 90

Die Entrüstung war groß: Nachdem die Knesset-Abgeordnete Pnina Tamano-Shata von der Partei Jesch Atid bei einer Blutspende abgewiesen worden war, herrschte Unruhe auf den Parlamentsfluren. »Heute habe ich einen weiteren Beweis dafür bekommen, dass ›Gleichheit für Äthiopier‹ in Israel ein schöner Slogan ist, aber in der Wirklichkeit nicht existiert«, so die empörte Politikerin. Im Anschluss an den Vorfall wurde das Blutspende-Team von Magen David Adom des ehrwürdigen Jerusalemer Hauses verwiesen.

Für Tamano-Shata ist diese Erfahrung allerdings nicht neu. Sie habe für Israel bereits ihren Dienst in der Armee abgeleistet und sei nun in der Knesset tätig, als Blutspenderin aber sei sie unerwünscht, sagte sie. Das habe sie bereits als 16-Jährige erleben müssen – und nun noch einmal. Als die Frau in der vergangenen Woche – kurz nachdem sie aus Südafrika zurückgekehrt war, wo sie an der Trauerfeier für Nelson Mandela teilgenommen hatte – ihren Ärmel hochkrempeln wollte, erklärte ihr ein Sanitäter, dass sie nicht spenden könne, angeblich, weil sie Äthiopierin ist.

Der herbeizitierte Leiter des Blutspende-Teams erklärte daraufhin zwar, dass ihr Blut sehr wohl erwünscht sei, allerdings – anders als bei anderen Spendern – eingefroren und nur im Notfall benutzt werde. Den Skandal konnte er mit diesem Satz schon nicht mehr aufhalten. In Ausnahmefällen, etwa bei besonders seltenen Blutgruppen, können die eingefrorenen Dosen nach besonderer Prüfung verwendet werden.

kalkuliert Die 1981 in Äthiopien geborene Tamano-Shata ist als dreijähriges Kind mit ihrer Familie im Rahmen der »Operation Moses« nach Israel eingewandert. Bereits 1997 hatte sie sich auf die Fahnen geschrieben, gegen das »hässliche Phänomen« der diskriminierenden Blutspendepraxis anzugehen. »Es ist Zeit, dass das endet«, so Tamano-Shata. So war ihr Auftritt an der Spenderstation kein Zufall, sondern Kalkül. Auch ist ihr als ehemaliger Journalistin die Medienwirksamkeit eines derartigen Zwischenfalles durchaus bewusst.

Mehrfach bereits hatte sich Tamano-Shata in dieser Legislaturperiode mit der Gesundheitsministerin Yael German getroffen, um über dieses Thema zu sprechen. German, eine Parteikollegin von Tamano-Shata, hatte versprochen, die strikten Richtlinien für die Blutspende zu überprüfen, und angekündigt, dass eine Lockerung anstehe, denn die bestehende Regel sei »archaisch und absurd«. Es dürfe nicht sein, dass Einwanderer, die vor fast 30 Jahren nach Israel gekommen seien, heute in dieser Hinsicht noch immer benachteiligt werden.

Regeln Bislang besagen die Regeln unter anderem, dass Menschen, die in einem Land geboren sind oder länger als ein Jahr dort gelebt haben, in dem etwa die HIV-Rate besonders hoch ist, kein Blut spenden dürfen. Das sind neben der Karibik und Südostasien hauptsächlich afrikanische Länder wie beispielsweise Äthiopien.

Doch es betrifft nicht nur diese Menschen: Auch homosexuelle Männer sind von der Blutspende in Israel ausgenommen sowie Personen, die sich von 1980 bis 1996 mehr als sechs Monate ohne Unterbrechung in Großbritannien aufhielten. Damit soll die Gefahr gebannt werden, Träger von BSE, des sogenannten Rinderwahnsinns, in die Blutbanken aufzunehmen.

Ähnliche Regeln gelten in Deutschland. Hier darf jemand, der in einem Malariagebiet geboren wurde, aufgewachsen ist oder längere Zeit dort gelebt hat, beim Roten Kreuz kein Blut spenden. Und Äthiopien liegt in einer Gegend, in der Malaria weit verbreitet ist.

Die Vorgaben für die Eignung zum Blutspenden sind von Gesundheitsexperten anhand von Statistiken ausgearbeitet worden, um vor allem die Übertragung von ansteckenden Krankheiten wie Hepatitis B und HIV zu minimieren und nicht, um bestimmte Bevölkerungsgruppen zu diskriminieren.

empört Dennoch echauffierten sich zahlreiche Kollegen von Tamano-Shata nach dem Vorfall und riefen sie an, um ihre Solidarität auszudrücken. Knessetsprecher Yuli Edelstein sagte, er habe geglaubt, »dass so etwas hinter uns liegt. Aber jetzt weiß ich, dass es nicht so ist.« Er forderte daraufhin die Männer und Frauen von Magen David Adom auf, die Knesset zu verlassen.

Sport- und Kulturministerin Limor Livnat schimpfte ebenfalls über diese »rassistische und erniedrigende Politik«. Ihr Kollege im Wirtschaftsressort, Yair Lapid, ging sogar so weit, am selben Tag auf seiner Facebookseite zu erklären, dass »jeder, der dafür verantwortlich ist, gefeuert wird«.

Vertreter des israelischen Pendants des Roten Kreuzes zeigten sich anschließend schockiert über den Eklat. Ein Sprecher der Organisation sagte im Fernsehen: »Wir haben schlicht nach Richtlinien gehandelt, die vom Gesundheitsministerium herausgegeben wurden. Unsere Mitarbeiter sind nicht autorisiert, diese zu ändern.«

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