Vermisst

»Bleib stark!«

Omer Neutra (22) ist US-Israeli. Foto: Sabine Brandes

Vermisst

»Bleib stark!«

Omer Neutra ist ein Lone Soldier aus den USA

von Sabine Brandes  21.12.2023 11:19 Uhr

Sieben Tage nach der verheerenden Attacke gegen Israel durch die Hamas ist der Lone Soldier Omer Neutra 22 Jahre alt geworden. In Long Island, USA, wo er geboren wurde, zündeten seine Eltern am 14. Oktober Geburtstagskerzen auf seinem Lieblingskuchen an. Omer war nicht dabei – er wird als Geisel der Hamas im Gaza­streifen festgehalten.

»Wir hatten einen Kuchen mit 23 Kerzen«, sagt seine Mutter Orna. »Nach jüdischer Tradition stellt man eine zusätzliche Kerze auf. Sie wurde nicht ausgeblasen. Wir ließen sie einfach schmelzen und sprachen gemeinsam Gebete. Es ist einfach niederschmetternd.« Omer wurde einen Monat nach den Anschlägen vom 11. September 2001 als Sohn israelischstämmiger Eltern in Manhattan geboren. Er besuchte eine konservative jüdische Schule und »kannte alle Statistiken der New York Knicks auswendig«, sagt sein Vater Ronen stolz.

Die Neutras sprachen zuletzt am 6. Oktober mit ihrem Sohn

Er beschreibt seinen Sohn als eine Art Tausendsassa: »Er war Kapitän der Highschool-Basketballmannschaft, der Volleyballmannschaft, und als die Fußballmannschaft einen Kapitän brauchte, wurde er auch deren Kapitän. Das ist die Sorte Mensch, die er ist.« Der israelisch-amerikanische Doppelstaatsbürger wollte nach dem Abitur ein Jahr Pause einlegen, um seine Familienwurzeln besser kennenzulernen. Dabei verliebte er sich in das Land, blieb und verpflichtete sich in der israelischen Armee.

Die Neutras sprachen zuletzt am 6. Oktober mit ihrem Sohn, als er in der Nacht vor dem Überfall an der Grenze zum Gazastreifen patrouillierte. Zwei Tage darauf standen Vertreter des israelischen Konsulats in New York vor der Haustür. »Sie sagten, er sei gefangen genommen worden«, erinnert sich seine Mutter.

»Es sind so viele Menschen gestorben, dass man Erleichterung verspürt, wenn man denkt, dass der eigene Sohn Geisel und nicht tot ist. Es ist Wahnsinn, aber so ist es.« Ihnen wurde gesagt, er sei auf von der Hamas veröffentlichten Videoaufnahmen zu sehen. »Omer, wir wissen, dass du am Leben bist«, richten sich die Eltern direkt an ihren Sohn. »Bitte, bleib stark!«

Essay

Erinnerungen an Schawuot in Be’eri

Unsere Autorin ist in dem Kibbuz aufgewachsen, der durch das Massaker traurige Bekanntheit erlangte. Eines der prägendsten Feste ihrer Kindheit war das Wochenfest – wird jene Freude je wieder zurückkehren?

von Eshkar Eldan Cohen  21.05.2026

Wahlen

Arabisch-israelisches Zünglein an der Waage?

Der Aktivist Yoseph Haddad will den Sprung in die Politik wagen und könnte im festgefahrenen Rennen um die Knesset entscheidend sein

von Sabine Brandes  21.05.2026

Aschkelon

Israel schiebt Hunderte Flottillen-Aktivisten ab

Während die ausländischen Flottillenaktivisten vom Flughafen Ramon aus ausgeflogen werden, steht die israelische Teilnehmerin Zohar Regev in Aschkelon vor Gericht

 21.05.2026

Jerusalem

»Nicht das Gesicht Israels«: Sturm der Entrüstung gegen Ben-Gvir

Der rechtsextreme Politiker steht in der Kritik, weil er ein Video veröffentlichte, in dem Aktivisten der Gaza-Flotille gedemütigt werden. Auch Regierungschef Benjamin Netanjahu distanzierte sich von seinem Minister

von Sabine Brandes  21.05.2026

Tacheles-Preis

»Ihr prägt den Journalismus. Ihr prägt unser Land«

WELT-Chefredakteur Helge Fuhst hielt die Laudatio auf die Jüdische Allgemeine. Eine Dokumentation

von Helge Fuhst  21.05.2026

Dokumentation

»Mehr Mut zu unbequemen Wahrheiten!«

Die Jüdische Allgemeine ist mit dem Tacheles-Preis ausgezeichnet worden. Hier dokumentieren wir die Dankesrede von JA-Chefredakteur Philipp Peyman Engel

von Philipp Peyman Engel  21.05.2026

Meinung

Das entspricht nicht der Essenz unseres Landes!

Man muss keine Sympathie für die Aktivisten der Gaza-Flotille haben, um die Art abzulehnen, wie Itamar Ben-Gvir mit ihnen umgegangen ist. Der Minister hat dem Ansehen Israels geschadet

von Sarah Cohen-Fantl  21.05.2026

Herzliya

Israelische Studie: Sexy Profilbilder können Dating-Erfolg mindern

Eine Untersuchung der Reichman University zeigt: Stark sexualisierte Fotos in Dating-Profilen erzeugen zwar Aufmerksamkeit, schmälern aber die Chancen auf eine ernsthafte Beziehung

 21.05.2026

Würdigung

»Wo andere laut schweigen, lässt sie sich nicht unterkriegen«

Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland würdigt in seiner Laudatio auf die Jüdische Allgemeine die Verdienste der Redaktion - und ihren Mut

von Abraham Lehrer  21.05.2026