London 2012

Blau-weißer Sportsgeist

Stilvoll: Israels Team in Castro-Anzügen im Olympischen Dorf Foto: imago

Der olympische Geist hat Einzug gehalten. Und er trägt blau-weiß. Nach dem stilvollen Auftritt der Athleten in Designanzügen der heimischen Modemarke Castro schwärmen die Israelis von Shahar Peer, Alex Schatilov und Co. Selbst wenn die Aussichten auf Medaillen in den meisten Disziplinen für die Israelis eher dürftig sind und Tennis-As Peer schon in der ersten Runde ausschied, fiebern die Menschen mit ihren Sportlern bei der Olympiade 2012 in London mit.

Vor ihrer Abreise hatten die 38 Olympioniken und die 25 Teilnehmer der Paralympics während des Empfangs bei Staatspräsident Schimon Peres spontan die chassidische Melodie angestimmt: »Die ganze Welt ist eine enge Brücke – doch das Wichtigste ist, niemals Angst zu haben.« In diesem Sinne machten sich die Athleten auf den Weg nach Großbritannien.

In der Heimat sind sie immer präsent. Ob in Kiosken, in der Kneipe nebenan oder in den Wohnzimmern: In diesen Tagen sind die Fernseher beinahe rund um die Uhr eingeschaltet. Auch wenn das erste olympische Wochenende fast nur Enttäuschungen für die Männer und Frauen aus Israel brachte – die Landsleute bleiben dran. »Ist doch klar, dass ich bei jedem Wettkampf einschalte, an dem ein Israeli teilnimmt«, macht Schimon Ben-Ami deutlich, während er sich sein Abendessen in der Pizzeria »Slice« von Ramat Hascharon schmecken lässt und nicht eine Sekunde den Blick vom Bildschirm abwendet. »Ich bin generell ein Sportfan, doch wenn es um unsere Teilnahme an internationalen Wettkämpfen geht, werde ich zum Fanatiker. Ich schaue Tag und Nacht.«

unterstützung Die Sportler wird die Unterstützung freuen. Der Sponsor des Olympiateams, Samsung Israel, entwickelte speziell für sie eine Handy-Applikation, mit der Fans Nachrichten direkt an ihre Idole schicken und sie nach Lust und Laune anfeuern können. Samsung gab rund 750.000 Dollar für die App aus, die die Nachrichten in Echtzeit sendet. »Wir sind stolz darauf«, sagte Marketingmanager Barak Palatchi, »denn so bekommen die Athleten dann moralische Unterstützung, wenn sie sie am meisten brauchen.«

Die Sportler freuen sich, dabei zu sein. Manche fieberten schon Wochen vorher der Teilnahme entgegen. Obwohl es vor den diesjährigen Spielen großen Unmut im jüdischen Staat wegen der Weigerung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) gegeben hatte, eine Schweigeminute für die 1972 in München ermordeten israelischen Sportler einzulegen.

Spontan Doch dann hat es die israelische Sport- und Kulturministerin getan, hat es das italienische Team getan, haben es spontan 20.000 Menschen in London getan, hat es der NBC-Sportkommentator getan: eine kleine Minute mit großer Bedeutung. Was das IOC nicht fertiggebracht hatte, nahmen viele Menschen in ihre eigenen Hände. Ganz persönlich gedachten sie der Sportskameraden, die vor 40 Jahren von palästinensischen Terroristen ermordet worden waren.

In London versammelten sich bei der Aktion »Minute for Munich« 20.000 Menschen an verschiedenen Orten der Stadt, um ihrem Gedenken Ausdruck zu verleihen. Der italienische Sportminister Piero Gnudi brachte mehr als 30 seiner Teammitglieder ins Olympische Dorf, um mit den Israelis gemeinsam eine Schweigeminute abzuhalten. »Das ist ein bewegendes Zeichen von Solidarität und Freundschaft«, so der Präsident des israelischen olympischen Komitees, Zwi Varschaviak. NBC-Kommentator Bob Costas erinnerte beim Einzug des israelischen Teams an die getöteten Sportler.

Disziplinen Die Israelis im Alter von 18 bis Mitte 40 kämpfen unter anderem in den Disziplinen Boden- und Geräteturnen, Tennis, Windsurfen, Schwimmen, Judo, Turnerin und Synchronschwimmen. Auf nicht nur eine, sondern gleich zwei Medaillen hofft Alex Schatilov, der es bei Redaktionsschluss ins Finale geschafft hatte. Der Turner lag auf Platz vier im Bodenturnen, Platz zwölf der Gesamtwertung, und gab sich ganz selbstbewusst: »Ich bin hier, um mindestens eine Medaille zu holen. Mit weniger gebe ich mich nicht zufrieden.«

Auch die Tennisspieler Andy Ram und Jonathan Erlich – genannt Andyjony –, haben Hoffnungen. Die beiden erreichten die zweite Runde des Turniers, nachdem sie sich im Doppel gegen die Spanier durchgesetzt hatten.

In anderen Disziplinen lief es am ersten Olympiawochenende allerdings nicht so gut für die israelischen Athleten. Die Schwimmwettbewerbe waren von Niederlagen geprägt, auch in der Turnhalle lief es nicht gut. Die Turnerin Valeria Maksyuta stürzte gleich zweimal und kam nur auf den letzten Platz der Wertung. Beim Windsurfen werden Nufar Edelmann und Schachar Zubari antreten. Zubari ist die große Medaillenhoffnung. Er hatte vor vier Jahren in Peking Bronze in der Disziplin RS:X geholt.

Auch wenn viele der Athleten am Ende kein Edelmetall mit in die Heimat nehmen werden, ist der olympische Geist bei ihnen ungebrochen. Nimrod Schapira Bar-On (100 Meter Freistilschwimmen) drückt es für alle Athleten aus: »Wir wollen dabei sein und Israel bestmöglich vertreten. Wir sind alle hoch motiviert und geben unser Bestes.«

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