Salmonellen

Bitterer Nachgeschmack

Foto: Marco Limberg

Kein »Egozi« mehr, keine »Kif-Kef«-Waffeln und keine Reiscracker mit Edelbitter. Die entsprechenden Regale in Supermärkten, Kiosken und Süßwarengeschäften sind leergeräumt. Lediglich Schilder erinnern noch an die israelischen Leckereien. Das Land befindet sich inmitten eines massiven Produktrückrufs. Verschiedene Produktionslinien des größten Süßwarenherstellers Elite stehen im Verdacht, mit Salmonellenbakterien verseucht zu sein.

Ein Kiosk im Tel Aviver Viertel Yad Eliyahu hat hauptsächlich Süßigkeiten im Sortiment. Die besten Kunden sind Kinder in den Pausen, sagt Verkäufer Schaul Arie. »Aber seit letzter Woche gibt es bei uns nicht mehr viel zu holen.« Rund die Hälfte der Produkte ist ausgeräumt. »Wir versuchen, den Mangel mit anderen Waren zu ersetzen, etwa Milka, Toblerone oder Tony’s Chocolonely. Aber israelische Kinder lieben ihre Pesek Zman und Kif-Kef heiß und innig.«

Lieferung Der Kioskbesitzer hatte gehofft, dass es ein kleines Problem sei und Elite schon kurz nach dem Bekanntwerden der Verunreinigung wieder liefern würde. Doch es kam anders: Gesundheitsminister Nitzan Horowitz machte klar: »Die Schokoladenfabrik von Elite-Strauss wird die Herstellung nicht wiederaufnehmen können, bis wir zu dem eindeutigen Schluss gekommen sind, dass sie gesunde, saubere und für die Öffentlichkeit ungefährliche Produkte herstellen kann.«

Der Generaldirektor des Gesundheitsministeriums, Nachman Ash, bestätigte nach einem Rundgang durch die Anlage: »Sie können ihre Produkte nicht herstellen und vermarkten, bis die Fabrik erneut als sicher zertifiziert ist.« Die Strauss Group ist einer der größten Lebensmittelhersteller Israels. Der TV-Sender »Channel 12« bezeichnete das Geschehen als »größten Lebensmittelrückruf, den Israel jemals erlebt hat«.

Sofort fielen die Aktien des Unternehmens. Doch mehr noch: In der Bevölkerung machte sich Empörung breit, als das Unternehmen mit dem Vorwurf in israelischen Medien konfrontiert wurde, dass es mehrere Tage gewartet habe, um die Öffentlichkeit über die Gesundheitsgefahr zu informieren.

feiertage Pessach stand vor der Tür. In dieser Zeit gehen die Verkäufe von Schokolade traditionell in die Höhe. Berichten in »The Marker« und »Walla« zufolge hatte Strauss den Rückruf nicht angeordnet, bevor die endgültigen Testergebnisse zu den Produkten vorlagen, die sich aufgrund der Feiertage verzögert hatten.

Viele Israelis kauften noch Artikel, die in der voraussichtlich kontaminierten Fabrik hergestellt worden waren.

Viele Israelis kauften also noch Artikel, die in der voraussichtlich kontaminierten Fabrik hergestellt worden waren. Das Gesundheitsministerium verteidigte das Unternehmen jedoch und erklärte, es habe bei der Durchführung der Tests alle relevanten Richtlinien befolgt.

Strauss ließ derweil wissen, dass alle, die verunreinigte Produkte gekauft haben, eine Entschädigung in Höhe des doppelten Verkaufspreises erhalten sollen. Zu den betroffenen Süßigkeiten gehören einige der beliebtesten Snacks, zum Beispiel Pesek Zman, Kif-Kef, Taami, Egozi und der Para-Schokolriegel.

mängel In einem Interview mit »Channel 12« entschuldigte sich Strauss-Geschäftsführer Eyal Dror bei der Öffentlichkeit. Es seien in der Fabrik in Nof Hagalil tatsächlich einige Mängel festgestellt worden. Er gab an, dass Beamte Tauben in der Anlage gefunden hätten, die zur Salmonellen-Kontamination beigetragen haben könnten.

»In den Wochen vor der ersten Entdeckung wurden in der Fabrik Renovierungsarbeiten durchgeführt, die nicht ordnungsgemäß verlaufen sind. Vielleicht hat sich das ausgewirkt. All das dürfte nicht passieren.«

Allerdings sei die Entscheidung, die Fabrik in Galiläa zu schließen, vom Unternehmen getroffen worden und nicht vom Gesundheitsministerium.Unilever, der Hersteller von Strauss-Eis, erklärte mittlerweile, dass er einige der Produkte, die Zutaten aus der kontaminierten Fabrik enthielten, vorsorglich zurückgerufen werden, obwohl angeblich keinerlei Anzeichen von Salmonellen in dem Speiseeis entdeckt wurden.

»Kinder« Anfang dieses Monats gab zudem der israelische Importeur und Vertreiber von Ferrero-Produkten, Premium Confectionery and Trading, bekannt, dass er sich Großbritannien anschließt und einige »Kinder«-Produkte zurückruft, die von dem italienischen Unternehmen in seiner Fabrik in Belgien hergestellt wurden. Auch dort gebe es Bedenken hinsichtlich der Kontamination mit Salmonellen.

Für die Strauss-Gruppe könnte durch den Schokoladenskandal ein viel größerer Schaden entstehen als durch die Kosten der Rückrufaktion allein. Die Expertin für Unternehmensführung an der Ben-Gurion-Universität, Einav Friedman, meinte in einem Fernsehinterview, dass sich die Israelis wahrscheinlich noch jahrelang an diesen Vorfall erinnern werden. »Die Öffentlichkeit braucht lange, um zu vergeben«, sagte sie. Vor allem, wenn sie sieht, dass das Unternehmen nicht alles für die Transparenz tut.

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