Deutsch-Israelisches Jugendwerk

Bislang nur eine Absichtserklärung

Der Grünen-Politiker Konstantin von Notz Foto: Stephan Pramme

»Das Deutsch-Israelische Jugendwerk kommt!«, hieß es 2018. Vor genau drei Jahren nahm Gestalt an, was zuvor bereits vielfach diskutiert wurde: die zeitnahe Einrichtung eines Deutsch-Israelisches Jugendwerks. Ziel eines solchen soll es sein, die seit mehr als 60 Jahren bestehenden deutsch-israelischen Jugendbeziehungen weiter auszubauen und zu stärken. Bei den 7. Deutsch-Israelischen Regierungskonsultationen im Oktober 2018 in Jerusalem beschlossen die damalige Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Franziska Giffey (SPD), und der damalige israelische Bildungsminister Naftali Bennett eine zügige Umsetzung der Idee.

»Die Verbindung zwischen Israel und Deutschland hat eine besondere Qualität. Wir haben uns auf die Gründung eines Deutsch-Israelischen Jugendwerkes verständigt, weil wir überzeugt sind, dass die Geschichte auch Auftrag für die Zukunft ist«, so lautete der einleitende Satz der Erklärung der Ministerin.

Dieser Absichtserklärung seien bis zum Ende der Regierungszeit der Großen Koalition bislang noch keine Taten gefolgt – die konkrete Projektplanung habe noch nicht einmal begonnen, kritisiert der stellvertretende Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Konstantin von Notz. Er hat daher eine schriftliche Anfrage an die Bundesregierung gestellt. Ende September erhielt er eine Antwort.

AUSTAUSCH »Gerade vor dem Hintergrund der zu beobachtenden Zunahme von Antisemitismus und Judenhass müssen wir die Bildung von Strukturen und Räumen für Dialog, Begegnung und Beziehungsaufbau entschlossen stärken«, begründet der Grünen-Politiker seine Nachfrage. Die »Lethargie der Groko« in diesem für den weiteren Austausch zwischen Deutschland und Israel so wichtigen Bereich verwundere.

Denn eigentlich bestehe »breite Einigkeit darin, dass das Jugendwerk von großer Bedeutung für die Aufrechterhaltung und Stärkung des deutsch-israelischen Jugendaustauschs ist«. Es könne einen wichtigen Beitrag für eine lebendige Erinnerungskultur leisten.

»Die Bundeskanzlerin würde am Ende ihrer Regierungszeit ein wichtiges Zeichen setzen, indem sie in den letzten Gesprächen in Israel das Thema aufruft.«

Konstantin von Notz

»Wir würden es sehr begrüßen«, so von Notz, »wenn die Bundeskanzlerin am Ende ihrer Regierungszeit ein wichtiges Zeichen setzen würde, indem sie in den letzten Gesprächen in Israel das Thema aufruft und die deutsche Entschlossenheit bekräftigt.« Die nächste Regierung müsse den Ball dann zügig aufnehmen und alle notwendigen Anstrengungen unternehmen, um die bisherigen Versäumnisse aufzuholen.

BUNDESKANZLERIN Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) holt in den kommenden Tagen einen Arbeitsbesuch in Israel nach. Merkel werde vom 9. bis 11. Oktober in Israel erwartet. Eine für Ende August geplante Reise Merkels nach Israel war wegen der dramatischen Entwicklung in Afghanistan abgesagt worden. Die Entscheidung war in Absprache mit dem israelischen Ministerpräsidenten Naftali Bennett getroffen worden.

Vorbild für das Deutsch-Israelische Jugendwerk könnten das bereits bestehende Deutsch-Französische und Deutsch-Polnische Jugendwerk sein. Beide Organisationen haben zur Aufgabe, die Beziehungen zwischen jungen Menschen in jeweils beiden Ländern zu intensivieren, das gegenseitige Verständnis zu vertiefen und ihnen dadurch die Kultur des Nachbarlandes näherzubringen.

Lesen Sie mehr dazu in unserer kommenden Printausgabe.

Geiseln

Idan ist endlich zu Hause

Die Leiche von Idan Shtivi, den die Hamas vom Nova-Festival entführte, wurde von der IDF in Gaza gefunden und zurückgeführt

von Sabine Brandes  31.08.2025

Tel Aviv

Geisel-Familien fordern Deal

Bei einer Demonstration appellieren Angehörige der Geiseln an den amerikanischen Präsidenten: »Trump, make history«

 31.08.2025

Archäologie

Austausch am Karmel

Ein 140.000 Jahre altes Kinderskelett, das bei Haifa gefunden wurde, ist der früheste Beweis für die Kreuzung zwischen Homo sapiens und Neandertaler – und eine wissenschaftliche Sensation

von Sabine Brandes  31.08.2025

Einspruch

Wenn Urlaub zum Risiko wird

Sabine Brandes ist schockiert, dass Israelis im Ausland ständig Angst vor Beleidigungen und Angriffen haben müssen

von Sabine Brandes  31.08.2025

Gaza

Armee: Ranghoher IS-Terrorist im Gazastreifen getötet

Die israelische Armee meldet die Tötung eines führenden IS-Vertreters im Gazastreifen. Er und seine Terrormiliz sollen sich aktiv an Kämpfen gegen israelische Truppen beteiligt haben

 29.08.2025

Gaza

Leichen von Ilan Weiss und weiterer Geisel geborgen

Die sterblichen Überreste des Verteidigers vom Kibbuz Be’eri sind nach einer riskanten Operation wieder in Israel

 29.08.2025

Armee

Skandal um den General

Der für das Westjordanland zuständige Avi Bluth wird beschuldigt, Kollektivstrafen anzukündigen. Die Armee und Regierungsvertreter verteidigen ihn

von Sabine Brandes  29.08.2025

Nachrichten

Milch, Bündnis, Angriff

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  29.08.2025

Markus Lanz

Wolkige Rhetorik und rhetorische Volten

In der ZDF-Sendung bemühte sich Kanzleramtsminister Thorsten Frei, den Rüstungsexportstopp seiner Regierung zu erklären, während taz-Journalistin Ulrike Herrmann gar einen »Regimewechsel« in Israel forderte

von Michael Thaidigsmann  29.08.2025