Knesset

Bildung der Regierung hat begonnen

Israels Staatspräsident Reuven Rivlin bei ersten Beratungen mit Fraktionen am Montagvormittag in Jerusalem Foto: Flash 90

Zum ersten Mal in der Geschichte Israels werden die Beratungen des Präsidenten mit den verschiedenen Parteien zur Regierungsbildung öffentlich im Fernsehen übertragen. Präsident Reuven Rivlin will damit sicherstellen, »dass alle Bürger einen transparenten Zugang zum Ausgang der Wahlen haben«. Am Montagmorgen traf er sich zunächst mit der konservativen Likud-Partei von Premier Benjamin Netanjahu und anschließend mit der Zentrumsunion Blau-Weiß von Benny Gantz und Yair Lapid.

Nach den endgültigen Auszählungen der Stimmen hatte der Likud 36 Mandate bei der Parlamentswahl vom vergangenen Dienstag erhalten, Blau-Weiß 35. Rivlin erklärte, er werde sich mit allen Parteien treffen, die es ins Parlament geschafft haben, ihre Empfehlungen anhören und am Ende der Beratungen das Knessetmitglied bestimmen, das er mit der Regierungsbildung beauftragt.

Es ist wahrscheinlich, dass die meisten Parteien Premier Netanjahu unterstützen werden.

EMPFEHLUNGEN Es wird davon ausgegangen, dass dies derjenige mit den meisten Empfehlungen – und damit Netanjahu – sein wird. Dessen derzeitige Koalitionspartner verkündeten bereits, dass sie ihn auch dieses Mal wieder vorschlagen werden. Es wäre dann Netanjahus fünfte Amtszeit.

Der Likud (36 Sitze), die ultraorthodoxen Parteien Schas (8) und Vereinigtes Tora-Judentum (7), die Union rechter Parteien (5) sowie Kulanu (4) haben alle bereits öffentlich bestätigt, dass sie Netanjahu unterstützen werden.

Blau-Weiß, die Arbeitspartei und Meretz wollen den Polit-Newcomer Benny Gantz vorschlagen, um die Regierung zu bilden. Dass Gantz dies jedoch tatsächlich tun wird, wäre nur dann wahrscheinlich, wenn Netanjahu es wider Erwarten nicht schafft, eine regierungsfähige Koalition auf die Beine zu stellen.

Präsident Reuven Rivlin will seine Entscheidung am Mittwoch bekannt geben.

FRIST Die arabischen Parteien Chadasch-Taal (6) und Balad-Raam (4) wollen niemanden vorschlagen, und der Ex-Verteidigungsminister Avigdor Lieberman mit seiner Partei Israel Beiteinu (4) ist noch unentschlossen.

Entsprechend dem Grundgesetz gibt es jetzt 28 Tage Zeit, um eine neue Regierung zu formen. Bei Bedarf kann der Präsident 14 zusätzliche Tage gewähren. Rivlin will seine Entscheidung am Mittwoch bekannt geben.

Jerusalem

Israel startet Kampagne gegen Voreingenommenheit der UN

Ein Video zeigt Papageien bei der UNO-Vollversammlung, die »Beschuldigt Israel!« durch den Versammlungssaal schreien

 23.09.2026

Jerusalem

Lucien Lazare gestorben

Der Historiker und Pädagoge schloss sich während der deutschen Besatzung Frankreichs dem Widerstand an. In Israel gehörte er zur Kommission von Yad Vashem

 23.09.2026

Jerusalem

Israel droht mit Räumung Gazas im Falle neuer Entführung

Fast drei Jahre nach dem beispiellosen Hamas-Massaker am 7. Oktober droht Israels Verteidigungsminister mit drastischen Folgen, sollte erneut ein Israeli verschleppt werden

 23.09.2026

Israelische Zeitungen

Wahlergebnisse

»Sieg der Extreme«

Nach dem AfD-Erfolg in Mecklenburg-Vorpommern wächst in Israel die Aufmerksamkeit für Deutschlands politische Verschiebung

von Sabine Brandes  22.09.2026

Debatte

Wehret den Anfängen gilt rechts und links

Ein Offener Brief an Bischof Christian Stäblein vom Evangelischen Arbeitskreis der CDU Berlin/Brandenburg

von Cornelia Seibeld  22.09.2026

Reaktionen

Besorgnis in Israel nach Berlin-Wahl

Der Wahlsieg der Linken sorgt vor allem mit Blick auf Antisemitismus und das jüdische Leben in der deutschen Hauptstadt für Aufmerksamkeit in israelischen Medien

von Sabine Brandes  22.09.2026

Umfrage

Mehrheit sieht keine Chance für friedliche Zwei-Staaten-Lösung

Eine friedliche Koexistenz ist für eine Mehrheit der Israelis und eine noch größere Mehrheit der Palästinenser im Westjordanland und in Ostjerusalem derzeit nicht vorstellbar

 22.09.2026

Alei Zahav

Terroranschlag im Westjordanland: Vater rettet seinem Sohn das Leben und stirbt

»Papa, ich möchte dir für 16 gemeinsame Jahre danken. Danke, dass du mir zugerufen hast, als der Terrorist kam«, sagte der 16-Jährige Yoav bei der Beerdigung seines Vaters

 22.09.2026

Meinung

Berlin bekommt, was es verdient!

Ein Kommentar von Chefredakteur Philipp Peyman Engel zum Erdrutschsieg der Linkspartei in der Hauptstadt

von Philipp Peyman Engel  20.09.2026