Corona

Big Brother in Israel?

Die Wirtschaft in Israel wird nach und nach wieder geöffnet. Foto: Flash90

Die israelische Regierung erwägt, alle ankommenden Israelis überwachen zu lassen. Während der Dauer ihrer Quarantäne im Rahmen der Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus sollen sie dann zum Beispiel ein elektronisches Armband tragen müssen. Eine Gesetzgebung dazu soll in der kommenden Woche in die Knesset eingebracht werden. Kritiker warnen, dass sich Israel damit zu einem »Big-Brother-Staat« entwickeln könnte.  

HOTELS Mit dieser Maßnahme sollen die sogenannten Corona-Hotels ersetzt werden, die derzeit für Ankommende Pflicht sind. Die Hotels waren in die Kritik geraten, weil sich angeblich viele der dort Untergebrachten nicht an die Regeln gehalten hatten. Außerdem sollen Drogen in die Häuser gebracht worden sein. In einem der Hotels war es zur Vergewaltigung eines 13-jährigen Mädchens gekommen.

Der Gesetzesvorschlag besagt, dass jene, die die elektronische Überwachung verweigern oder keine Möglichkeit haben, in ihren eigenen vier Wänden zu bleiben, nach wie vor für die Zeit der Isolierung in ein Hotel gebracht werden können.

REGELBRÜCHE Die auf diese Weise elektronisch gesammelten Informationen sollen angeblich umgehend vernichtet werden. Lediglich Regelbrüche sollen für zwei bis vier Wochen gespeichert und an die Behörden weitergeleitet werden. Diskussionen im Verfassungsausschuss der Knesset zeigten, dass sich viele, die die Quarantäne in der eigenen Wohnung durchführten, ebenfalls nicht an die Vorgaben gehalten haben.

In der nächsten Woche wird auch das Oberste Gericht in Jerusalem eine Petition anhören, die sich mit Überwachung beschäftigt. Die Organisationen »Vereinigung für Bürgerrechte« und »Ärzte für Menschenrechte« klagen gegen ein umstrittenes Gesetz. Dieses sieht vor, dass die Daten von nichtgeimpften Israelis an lokale Behörden sowie die Sozial- und Bildungsministerien weitergegeben werden dürfen.

Auf den Sitzplätzen von Cafés und Restaurants im Freien darf ab Sonntag wieder jeder Platz nehmen.

Während die Kläger betonen, dass der Zweck, zur Impfung aufzurufen, richtig sei, seien die Mittel »extrem und unangemessen«. Sie argumentieren, das Gesetz sei »vorschnell und in einer fehlerhaften Verfahrensweise durchgedrückt worden«. Es gebe stattdessen eine Vielzahl anderer Möglichkeiten, um die Immunisierung der Bevölkerung voranzubringen.

KLASSEN Derzeit bereitet sich Israel auf weitere Öffnungen der Wirtschaft vor. Am kommenden Sonntag sollen sämtliche Klassen in den Schulen unterrichtet werden. Außerdem dürfen Cafés und Restaurants wieder Kunden empfangen. Auf den Sitzplätzen im Freien darf dann jeder Platz nehmen, innen lediglich Menschen, die über den »grünen Gesundheitspass« verfügen, den vollständig Geimpfte erhalten. Geschäfte, Märkte und Museen sind bereits seit einer Woche wieder für alle geöffnet.

Während sich der R-Wert, der zeigt, wie viele Personen ein Infizierter ansteckt, weiterhin um 1 bewegt, gehen die Zahlen der schwerkranken Covid-19-Patienten in den Krankenhäusern stetig zurück. Derzeit werden noch 690 Menschen landesweit behandelt. Insgesamt sind 5822 Israelis an den Folgen der Atemwegserkrankung gestorben.

Nach wie vor ist Israel bei der Geschwindigkeit der Impfungen Weltmeister. Die erste Spritze haben bereits knapp fünf Millionen in dem Neun-Millionen-Einwohner-Staat erhalten, die zweite 3,65 Millionen. Bislang wurde allein das Mittel von BioNtech-Pfizer verabreicht. Nach Angaben aus Jerusalem hatte das Unternehmen Israel mit mindestens zehn Millionen Dosen versorgt.

WAHLEN Der Geschäftsführer von Pfizer, Albert Bourla, hatte vor, Israel auf Einladung von Premierminister Benjamin Netanjahu am 8. März zu besuchen, um über weitere Lieferungen zu sprechen. Jetzt aber verschob er den Termin und will erst nach den Knessetwahlen anreisen.

Bourla wurde von renommierten israelischen Wissenschaftlern, Ärzten und Akademikern gewarnt, dass Netanjahu die Visite »für den Wahlkampf missbrauchen« könnte. Die vierten Wahlen innerhalb von weniger als zwei Jahren finden am 23. März statt. Netanjahu kämpft um eine weitere Amtszeit.

Nahost

Siedlergruppe dringt nach Syrien ein: IDF nimmt acht Personen fest 

Mehrere Menschen überqueren die Grenze. Medien zufolge wollen sie im Nachbarland eine Siedlung gründen. Es ist nicht ihr erster Versuch

 28.11.2025

Staatsbesuch

Kanzler Merz reist am nächsten Wochenende nach Israel

Das Datum steht: Bundeskanzler Merz reist in gut einer Woche zum Antrittsbesuch nach Israel. Der Gaza-Krieg hatte die Reise verzögert, durch die Waffenruhe wird sie jetzt möglich

 28.11.2025

Wirtschaft

Wenn Krembo zum Luxus wird

Die Lebenshaltungskosten steigen weiter. Mittlerweile befürchtet ein Drittel aller Israelis, sich bald nicht mehr ausreichend Lebensmittel leisten zu können

von Sabine Brandes  28.11.2025

Medien

Krieg an vielen Fronten

Israelische Journalisten spielen seit dem 7. Oktober eine undankbare Rolle. Sie sind der Wahrheit verpflichtet, aber nicht jeder im Land will wirklich sehen und hören, was ist

von Susanne Stephan  28.11.2025

Luftfahrt

Wizz Air will eigene Basis in Israel eröffnen

Nach dem Rückzug von RyanAir vom Ben-Gurion-Flughafen will Wizz Air dort kräftig investieren. Die Regierung erhofft sich dadurch sinkende Ticketpreise

 28.11.2025

Nahost

IDF zerschlägt Terrorzelle in Südsyrien

Bei der Operation in Beit Dschinn werden mehrere Mitglieder der Terrororganisation Jaama Islamiya getötet und zwei festgenommen

 28.11.2025

Sport

Basketball zurück in Israel: Hamburger beginnen in Jerusalem

Israelische Basketball-Teams tragen ihre Heimspiele im Eurocup und in der Euroleague bald wieder im eigenen Land aus. Zum Auftakt kommt ein Team aus Deutschland

 28.11.2025

Berlin

Israel, der Krieg gegen die Hamas und die Völkermord-Legende

Der israelische Militärhistoriker Danny Orbach stellte im Bundestag eine Studie und aktuelle Erkenntnisse zum angeblichen Genozid im Gazastreifen vor – und beklagt eine einseitige Positionierung von UN-Organisationen, Wissenschaft und Medien

 27.11.2025

Gazastreifen

Kapitulation oder Tod

Die zahlreichen in den Tunneln fest sitzenden Hamas-Terroristen wollen ihre Waffen nicht niederlegen

von Sabine Brandes  27.11.2025