Israel

Bennetts Koalition in der Krise

Regierungschef Naftali Bennett bei der Eröffnungssitzung der Knesset. Foto: Flash 90

Die Feiertage sind vorüber, die Knesset ist wiedereröffnet. Am Montag kam das israelische Parlament zusammen, um die Sommersitzung einzuläuten. In der parlamentarischen Pause hatte die Regierung von Ministerpräsident Naftali Bennett von der Rechtspartei Jamina ihre Mehrheit verloren. Die breiteste Koalition in Israels Geschichte besteht aus sieben Mitte-, Rechts- und Linksparteien sowie einer arabischen Partei.

AUSTRITT Die Opposition unter der Leitung von Ex-Premierminister Benjamin Netanjahu will dies ausnutzen, um die Regierung zu stürzen. Die Krise wurde durch den Austritt der Abgeordneten Idit Silman von Jamina ausgelöst. Damit verlor Bennett seine 61-köpfige Mehrheit in der 120 Sitze zählenden Knesset.

Die Krise weitete sich aus, als die islamistische Ra’am-Partei ihre Mitgliedschaft in der Koalition wegen der Spannungen auf dem Tempelberg in Jerusalem zeitweilig einfror.

»Man könnte meinen, dass Politik ein Spiel ist. Doch das ist es nicht.«

Ministerpräsident naftali bennett

Es wird erwartet, dass die Opposition ein Misstrauensvotum beantragt, was jedoch voraussichtlich keine unmittelbare Wirkung haben wird. Außerdem könnte ein Gesetzentwurf zur Auflösung der Regierung eingereicht werden.

Premier Naftali Bennett indes will versuchen, die Koalition am Leben zu halten. »Die Regierung hat viele wichtige Punkte auf der Tagesordnung. Wir arbeiten trotz des Lärms und der vielen Herausforderungen weiter zum Wohle aller Bürger des Staates Israel«, betonte er bei der Eröffnung. »Wenn man sich anschaut, was berichtet wird, könnte man manchmal meinen, dass Politik ein Spiel ist. Doch das ist es nicht. Es ist das Leben von uns allen.«

FEIND »Unsere Regierung muss weiter arbeiten und funktionieren, um mit der Sicherheitslage fertig zu werden und dem Feind, wenn er seinen Kopf hebt, nicht ein gespaltenes und zerstrittenes Land zu zeigen«, führte der Regierungschef in Bezug auf die Terrorwelle aus. »So war es vor einem Jahr.«

Immer wieder erschüttern in den vergangenen Wochen Terroranschläge von palästinensischen Extremisten das Land. Erst am vergangenen Donnerstag hatten Terroristen drei Menschen in der Stadt Elad ermordet.

Am Tag zuvor hatte er sich mit den Vorsitzenden der Koalitionsparteien getroffen. Während der Sitzung hatten sich die Parteichefs darauf geeinigt, »zusammenzuarbeiten, um die Regierung und die Koalition zum Wohle der israelischen Bürger aufrechtzuerhalten«, heißt es in einer Erklärung.

Mullahs

Iran droht, Israel werde nur noch »verbrannte Erde« sein

Revolutionsgarden sprechen offen über Vernichtung Israels, sollte dessen Energieinfrastruktur angegriffen werden.

von Sabine Brandes  19.10.2026

Susanne Stephan

Kommentar

Eines demokratischen Staates unwürdig

Israelische Behörden gehen immer rigoroser gegen Medienschaffende vor, die Kritik an der Regierung äußern. Diese Verbote schwächen am Ende die Demokratie und damit den jüdischen Staat als Ganzes

von Susanne Stephan  19.10.2026

Westjordanland

Zehn extremistische Siedler nach Gewaltexzess festgenommen

Präsident Isaac Herzog entschuldigt sich bei Opfern. Zugleich fordert eine Menschenrechtsorganisation eine Hotline für Notfälle im Westjordanland

von Sabine Brandes  19.10.2026

Westjordanland

Israels Armee räumt illegale Außenposten im Westjordanland

Als lasch kritisierte Gerichtsurteile gegen radikale Siedler helfen eher Wiederholungstätern als den Sicherheitskräften

 19.10.2026

Belfast

Barack Obama wirft Israel Landraub vor

Der jüdische Staat sei »zu weit gegangen«, sagt der frühere US-Präsident. Die Reaktion der Palästinenser auf die »jüdische Kontrolle über das Gebiet« sei deshalb aus ihrer Sicht nachvollziehbar gewesen

 19.10.2026

Israel

Trump stellt sich vor der Wahl hinter Netanjahu

Neun Tage vor der Parlamentswahl spricht der US-Präsident dem israelischen Ministerpräsidenten seine »volle und uneingeschränkte Unterstützung« aus. Netanjahu bedankt sich prompt

 18.10.2026

Israel

Führung und Verantwortung

Benjamin Netanjahus ehemaliger Militärsekretär erhebt Vorwürfe gegen den Premier

von Sabine Brandes  18.10.2026

Nahost

Bericht: Siedler attackieren EU-Diplomaten im Westjordanland

Maskierte Männer umstellen ein Diplomatenfahrzeug bei der Olivenernte im Westjordanland. Auch eine US-Fotografin wird verletzt

 18.10.2026

Kommentar

Ein Tag der Schande

Die Linkspartei, SPD und Grüne haben ihre Sondierungen beendet. Nun wollen sie in Berlin eine Regierung bilden

von Philipp Peyman Engel  17.10.2026