Jerusalem

Bennett will zurück

Der israelische Politiker Naftali Bennett Foto: imago images/UPI Photo

Er werde »früher als gedacht« in die Politik zurückkehren. Das sagte der einstige israelische Premierminister der Einheitsregierung, Naftali Bennett, laut dem öffentlich-rechtlichen Sender Kan bei einer Konferenz mit ausgewanderten Israelis in den USA.  Er hatte sich im Jahr 2022 ganz aus der Politik zurückgezogen.

In den vergangenen Wochen hatte Bennett mehrere große Versammlungen mit Israelis in Nordamerika veranstaltet, gab Interviews und sammelte Spenden. Am Sonntag sprach er vor Hunderten von Landsleuten in Montreal und erklärte, die jetzige Regierung müsse ersetzt werden, um die komplizierte Situation des Landes zu verbessern. Im Bericht von Kan wurden auch einige Teilnehmer zitiert, die nach dem Treffen überzeugt waren, dass »Bennett bereits im vollen Wahlkampfmodus ist und all seine Kräfte hineinsteckt«.

Bennett, der einst die Rechtspartei Jamina gründete, plante nach eigenen Angaben ursprünglich, erst nach Erreichen des 15. Lebensjahres seines jüngsten Sohnes im Jahr 2027 auf das politische Parkett in Jerusalem zurückzukehren. Der Grund sei gewesen, dass seine Kinder in der Schule unter Mobbing und Ausgrenzung litten. Die »extremen Veränderungen der Umstände in Israel aufgrund der sich verschärfenden gesellschaftlichen Kluft und der anhaltende Krieg« hätten ihn jedoch umgestimmt, erklärte er bei einem Treffen in Kanada.

Bereits seit Monaten wird über die Rückkehr gemunkelt

Über die Rückkehr des Mannes, der es gemeinsam mit dem jetzigen Oppositionsführer Yair Lapid von der Zentrumspartei Jesch Atid gewagt hatte, eine Einheitsregierung mit acht Parteien auf die Beine zu stellen, wird bereits seit Monaten gemunkelt.

Im Juni 2021 war die ungewöhnliche Regierung eingeschworen worden und löste die unter dem damaligen Premier Benjamin Netanjahu ab. Die Koalition umfasste ein so breites Spektrum, wie es das in Israel noch nie zuvor gegeben hatte. Sie bestand aus Parteien, die von der Linkspartei Meretz bis zur rechten Jamina reichten. Streng religiöse Parteien waren nicht beteiligt, stattdessen saß mit Ra’am zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder eine arabische Partei in einer Regierung in Jerusalem.

»Es ist sehr wichtig, dass die nächste Regierung sowohl rechte als auch linke, religiöse und säkulare Abgeordnete umfasst.«

Bennett und Lapid wechselten sich im Amt des Premierministers ab. Einhellig sagten sie: »Wir haben die Verantwortung übernommen – und diese Regierung wird die gesamte Bevölkerung vertreten.« Zuvor hatte Israel in der tiefsten politischen Krise in der Geschichte des Landes gesteckt. Bei vier Wahlen innerhalb von zwei Jahren war kein eindeutiges Ergebnis zustande gekommen. Ein Jahr darauf jedoch fiel die Koalition bereits, nachdem die Abgeordnete Idit Silman von Jamina heimlich Verhandlungen mit dem Likud abgehalten hatte und die Koalition verließ, die damit keine Mehrheit im israelischen Parlament mehr hatte.

Ob Bennett wieder eine breite Regierung aufstellen wolle, sagte er bei seiner Nordamerikatour nicht. Gleichwohl machte er klar, wie wichtig es sei, »dass die nächste Regierung sowohl rechte als auch linke, religiöse und säkulare Abgeordnete umfasst«, und dass alles getan werden müsse, um Ultraorthodoxe zu Bürgern mit denselben Rechten und Pflichten zu machen.

In einem weiteren Bericht in Channel 12 hieß es, dass Bennetts noch nicht benannte Partei bereits begonnen habe, Kontakt zu Personen aufzunehmen, die ihn zuvor unterstützt hatten. Sein Team hätte mehr als hundert ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Anhänger kontaktiert, um ihre Unterstützung einzuschätzen.

Dies geschah, nachdem die jüngste repräsentative Umfrage von Anfang September Bennett in Bezug auf die Eignung für die Rolle des Premierministers als führend auswies. Auf die Frage, wen sie für das Amt des Premierministers bevorzugen, antworteten 36 Prozent mit Bennett und 28 Prozent mit Netanjahu (Channel 12).

Neues Rechtsbündnis wäre stärkste Fraktion

Auch ein neues Rechtsbündnis mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten sowie Israel Beitenu von Avigdor Lieberman, der Neuen Hoffnung von Gideon Sa’ar und einer Partei des ehemaligen Mossad-Chefs Yossi Cohen, könnte, würde jetzt gewählt, als stärkste Fraktion in die Knesset einziehen.

Offiziell hat der israelische Politiker bislang nichts angekündigt, und auch sind Wahlen in Israel erst in zwei Jahren vorgesehen. Allerdings protestieren regelmäßig Hunderttausende Israelis gegen die amtierende Regierung und fordern vorgezogene Neuwahlen.

7. Oktober

»Sie aßen Kuchen – als ob kein Skelett neben ihnen läge«

Die ehemalige israelische Geisel Evyatar David erzählt erstmals einem internationalen Sender vom Hunger, der Gefangenschaft in den Terrortunneln der Hamas und wie es ihm heute geht

von Sabine Brandes  27.08.2026

Südlibanon

Erst Drohnenangriffe, dann Gegenschläge

Nachdem die pro-iranische Terror-Miliz Hisbollah mit zwei Drohnen israelische Soldaten angegriffen hatte, reagierte die IDF mit Gegenangriffen

 27.08.2026

Nahost

Israel: Leibwächter von Ex-Hamas-Chef Sinwar in Gaza getötet

Vor knapp zwei Jahren hatte die israelische Armee den Hamas-Chef Sinwar getötet, der als Drahtzieher des Massakers vom 7. Oktober 2023 galt. Nun soll auch sein Bodyguard ums Leben gekommen sein

 27.08.2026

Sicherheit

Streit um Gaza-Friedensplan spitzt sich zu

Israel kritisiert den US-geführten »Board of Peace« – und erwägt einen Ausschluss britischer Vertreter aus dem Koordinierungszentrum

von Sabine Brandes  27.08.2026

Diplomatie

CIA warnt Putin vor Angriffen auf Nato und drängt auf neue Iran-Politik

Geheimtreffen in Moskau: CIA-Chef Ratcliffe mahnt Russland wegen eines möglichen Angriffs auf die NATO und fordert im Iran-Krieg die Öffnung der Straße von Hormus

von Sabine Brandes  27.08.2026

Schweiz

Gewalt-Demo gegen Israel in Basel verboten

Die Polizei hält die geplante Anti-Israel-Demo, bei der die Organisatoren »Tod dem Zionismus« wünschen, für nicht bewilligungsfähig

von Nicole Dreyfus  27.08.2026

Kommentar

Die verlorene Mitte

Beim Betrachten des Wahlkampfs zu den Landtagswahlen im Herbst muss man feststellen: Judenhass ist in Deutschland längst kein Ausschlusskriterium mehr für die Parteien der sogenannten politischen Mitte

von Benjamin Graumann  27.08.2026

Israel

Netanjahu-Rivale Eisenkot lehnt Zweistaatenlösung ab

Der ehemalige Armeechef hat sich erstmals zu einem möglichen Palästinenserstaat geäußert. Zugleich warnt er vor dem Ausbau der israelischen Siedlungen im Westjordanland und vor steigender Siedlergewalt

 27.08.2026

Knesset

Wem gehört die Wahl?

»Fly & Vote« will Israelis im Ausland zum Abstimmen nach Hause bringen. Der Likud droht der Initiative mit rechtlichen Schritten

von Sabine Brandes  26.08.2026