Nationalstaatsgesetz

»Beleidigung für nicht-jüdische Israelis«

Einer der Befürworter des vielfach kritisierten Gesetzes: Ultranationalist Itamar Ben-Gvir Foto: Flash 90

Der Wahlkampf in Israel ist in vollem Gang. Eine Bevölkerungsgruppe, an der die Politiker aller Parteien dieser Tage besonders interessiert sind: die arabischen und anderen nicht-jüdischen Minderheiten. Denn die könnten das Zünglein an der Waage in der gespaltenen Parteienlandschaft bei den neuen Parlamentswahlen am 1. November sein.

Am Dienstagabend erklärte Premierminister Yair Lapid von der Zentrumspartei Jesch Atid, dass er im Fall einer Wiederwahl Änderungen am sogenannten Nationalstaatsgesetz vornehmen wolle. In einem Interview mit arabischsprachigen Nachrichtenagenturen in Israel nannte er die Gesetzgebung in seiner jetzigen Fassung »eine Beleidigung für nicht-jüdische israelische Bürger«.

KNESSET »Ich lehne das Gesetz ab«, machte er klar und führte aus, dass er sich bereits bei der Verabschiedung 2018 dagegen gewandt habe. »Damals war ich entschieden gegen das Nationalstaatsgesetz. Im Plenum der Knesset sagte ich: ‚Der Staat wird seine Bürger nicht demütigen‘.« Das Gesetz müsse um einen Abschnitt zur bürgerlichen Gleichberechtigung, der Menschenwürde und Freiheit ergänzt werden, so der Ministerpräsident weiter.

Zusätzlich zu seinen Kommentaren zum Nationalstaatsgesetz stellte Lapid klar, dass eine zukünftige Regierung unter seiner Führung den Status quo auf dem Tempelberg nicht ändern werde. »Wir werden uns um die Religionsfreiheit der Muslime in Al-Aqsa kümmern. Wir erlauben jüdischen Besuchern, den Berg zu besteigen, aber nicht, dort zu beten.«

»Das Gesetz muss um einen Abschnitt zum Thema Gleichberechtigung, Menschenwürde und Freiheit ergänzt werden.«

premierminister yair lapid

Lapid ging anschließend noch einmal auf seine Rede vor zwei Wochen bei den Vereinten Nationen ein, in der er sich für eine Zwei-Staaten-Lösung für den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern ausgesprochen hatte. »Die ganze Welt musste das hören. Ich denke und habe immer gedacht, dass wir uns von den Palästinensern trennen müssen.«

Auch für den derzeitigen Oppositionsführer und Chef des rechtsgerichteten Likud, Benjamin Netanjahu, dreht sich dieser Tage alles um Wahlkampf. Er hatte während der Sukkot-Feiertage gemeinsam mit der Rechsaußenpartei Otzma Jehudit des Ultranationalisten Itamar Ben-Gvir vereinbart, die Kampagnen zu koordinieren, um sich keine Wähler abzuwerben. Auf Wahlplakaten von Otzma Jehudit lässt die Partei wissen: »Nur mit Ben-Gvir gibt es Bibi« in Anspielung auf den Wunsch einer rechts-religiösen Regierung unter Netanjahu.

BÜHNE Während einer religiösen Veranstaltung zum Laubhüttenfest am Montag hatte sich Netanjahu Berichten in israelischen Zeitungen zufolge allerdings geweigert, mit Ben-Gvir gemeinsam auf eine Bühne zu gehen und sich fotografieren zu lassen. Die beiden Politiker waren separat eingeladen worden.   

Die größte Koalition aller Zeiten in Israel, die derzeit noch als Übergangsregierung regiert, hatte sich im Juni aufgelöst. In ihr sind sieben Fraktionen vom rechten bis zum linken Parteienspektrum sowie eine arabische Partei vertreten.

Gesellschaft

Charedische Wehrdienstverweigerer erstmals festgenommen

Ultraorthodoxe Regierungspolitiker rufen zum Boykott der Polizei auf, nachdem die Behörden härter gegen Wehrdienstverweigerer vorgehen

von Sabine Brandes  28.05.2026

Ungelöster Fall

Wo ist die kleine Haymanut?

Mehr als zwei Jahre nach dem Verschwinden des Mädchens schaltet sich der Schin Bet ein – begleitet von wachsendem Druck auf Polizei und Regierung.

von Sabine Brandes  28.05.2026

New York/Jerusalem

Israel kritisiert Aufnahme in UN-Bericht zu sexueller Gewalt

Der israelische UN-Botschafter Danny Danon sagt, der Eintrag stelle »einen moralischer Skandal und einen vollständigen Zusammenbruch jeglicher Glaubwürdigkeit der Vereinten Nationen« dar

 28.05.2026

Wissenschaft

Israelische Forscher stoppen Alterungsprozess

Wissenschaftlern der Bar-Ilan-Universität gelingt es, zentrale Alterungsprozesse in Mäuselebern rückgängig zu machen. Ziel der Forschung ist es, gesundes Altern zu fördern

 28.05.2026

Jerusalem

Knesset-Auflösung: Erstes Votum für Montag angesetzt

Ein vorgezogener Wahltermin nimmt langsam Gestalt an. Das genaue Datum bleibt bisher offen

 28.05.2026

Studie

Wird Israel unbezahlbar?

Die Lebenshaltungskosten im Land gehören zu den höchsten weltweit. Dafür gibt es zahlreiche Gründe – manche sind hausgemacht

von Sabine Brandes  28.05.2026

Teheran

Chamenei droht USA und Israel

Die Kämpfer der »Widerstandsfront« hätten »bemerkenswerte Siege« gegen »die beiden amerikanisch-zionistischen Terrorarmeen« errungen, sagt der neue Oberste Führer

 27.05.2026

Krieg

Wo Raketen fliegen, bleiben Klassenzimmer leer

In Kiriat Schmona und anderen nördlichen Gemeinden brechen die Schülerzahlen wegen des Dauerbeschusses der Hisbollah trotz Waffenstillstand ein

von Sabine Brandes  27.05.2026

Wirtschaft

Elbit Systems erhält 1,4-Milliarden-Dollar-Auftrag aus Europa

Es geht um ein umfassendes Modernisierungspaket für Streitkräfte, das über einen Zeitraum von fünf Jahren umgesetzt werden soll

 27.05.2026