Nahost

Baldige Annäherung Saudi-Arabiens mit Israel? 

Foto: imago images/Xinhua

Bei einer möglichen Annäherung zwischen Saudi-Arabien und Israel gibt es einem US-Medienbericht zufolge Bewegung. Die US-Regierung bestätigte Gespräche zu dem Thema, dämpfte aber zunächst die Erwartungen.

»Unterm Strich gibt es kein vereinbartes Verhandlungspaket. Es gibt keinen vereinbarten Rahmen, um die Normalisierung oder andere Sicherheitsüberlegungen festzuschreiben«, sagte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrats, John Kirby, am Mittwoch. Die Diskussionen seien noch nicht so weit fortgeschritten, wie der Bericht nahelege. 

Das »Wall Street Journal« berichtete am Mittwoch unter Berufung auf US-Regierungskreise, die USA und Saudi-Arabien hätten sich im Grundsatz auf die Umrisse eines entsprechenden Abkommens verständigt. Demnach würde Saudi-Arabien Israel anerkennen und dafür im Gegenzug US-Sicherheitsgarantien und Hilfe beim Aufbau eines zivilen Atomprogramms bekommen.

Israel müsste dafür umfassende Zugeständnisse an die Palästinenser machen. Eine Annäherung der beiden Staaten schien jahrzehntelang so gut wie ausgeschlossen. 

Die »New York Times« hatte zuvor ebenfalls von solch einem Plan berichtet. Seitdem gibt es Spekulationen, ob Saudi-Arabien als nächstes Land der arabischen Welt seine Beziehungen mit Israelnormalisieren könnte. Die USA sind Schutzmacht Israels und auch für Saudi-Arabien ein wichtiger Verbündeter. Offiziell hat Riad keine Beziehungen zu Israel, verdeckt arbeiten beide Länder aber in Sicherheitsfragen schon länger zusammen. 

Für einen möglichen Durchbruch, der dem »Wall Street Journal« zufolge in den nächsten 9 bis 12 Monaten zustandekommen könnte, gibt es aber noch viele offene Fragen und Hürden. Dazu zählt Israels rechts-religiöse Regierung, bei der Zugeständnisse an die Palästinenser nur sehr schwer durchsetzbar wären. Auch der grundlegende Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern wäre durch die Annäherung keineswegs gelöst. Für ein US-Abkommen mit Riad wäre auch die Zustimmung des Senats in Washington nötig, was mit Blick auf dortige Kritiker Saudi-Arabiens ebenfalls alles andere als sicher ist. 

Saudi-Arabien beheimatet mit Mekka und Medina die beiden heiligsten Stätten im Islam. König Salman steht als deren Hüter auch im Dienst der weltweiten Gemeinschaft der Muslime (Umma). Die Frage der Palästinenser und der Status Jerusalems ist eng mit der saudischen Geschichte und Identität als muslimischer Staat verknüpft. Allerdings zeigt König Salmans Sohn, der faktische Herrscher Mohammed bin Salman, weniger Interesse am Status der Palästinenser als sein Vater. Das Königreich ist auch einer der größten Geldgeber für die Palästinenser. 

Israel hat sich immer wieder für Beziehungen mit Saudi-Arabien ausgesprochen. Außenminister Eli Cohen sagte der arabischen Nachrichtenseite »Elaph« zuletzt, die Palästinenserfrage werde »keine Hürde zum Frieden« sein. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bezeichnete die Frage gegenüber Bloomberg als »eine Art Kästchen«, das man abhaken müsse. In »diskreten Verhandlungen« würde aber viel weniger über diesen Punkt gesprochen als oft angenommen.

Saudi-Arabien hatte 2002 eine Friedensinitiative zum Nahost-Konflikt vorgestellt. Diese sah normalisierte Beziehungen der arabischen Staaten zu Israel vor, falls sich der jüdische Staat aus allen 1967 besetzten Gebieten zurückziehen sollte. Zudem fordert er die Anerkennung eines unabhängigen Palästinenserstaates mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt sowie eine gerechte Lösung der palästinensischen Flüchtlingsfrage. 

Im September 2020 hatte Israel unter US-Vermittlung die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie Bahrain vereinbart. Marokko und der Sudan kündigten solche Schritte danach ebenfalls an. Zuvor unterhielten mit Ägypten und Jordanien nur zwei arabische Staaten Beziehungen zu Israel.

Mullahs

Iran droht, Israel werde nur noch »verbrannte Erde« sein

Revolutionsgarden sprechen offen über Vernichtung Israels, sollte dessen Energieinfrastruktur angegriffen werden.

von Sabine Brandes  19.10.2026

Susanne Stephan

Kommentar

Eines demokratischen Staates unwürdig

Israelische Behörden gehen immer rigoroser gegen Medienschaffende vor, die Kritik an der Regierung äußern. Diese Verbote schwächen am Ende die Demokratie und damit den jüdischen Staat als Ganzes

von Susanne Stephan  19.10.2026

Westjordanland

Zehn extremistische Siedler nach Gewaltexzess festgenommen

Präsident Isaac Herzog entschuldigt sich bei Opfern. Zugleich fordert eine Menschenrechtsorganisation eine Hotline für Notfälle im Westjordanland

von Sabine Brandes  19.10.2026

Westjordanland

Israels Armee räumt illegale Außenposten im Westjordanland

Als lasch kritisierte Gerichtsurteile gegen radikale Siedler helfen eher Wiederholungstätern als den Sicherheitskräften

 19.10.2026

Belfast

Barack Obama wirft Israel Landraub vor

Der jüdische Staat sei »zu weit gegangen«, sagt der frühere US-Präsident. Die Reaktion der Palästinenser auf die »jüdische Kontrolle über das Gebiet« sei deshalb aus ihrer Sicht nachvollziehbar gewesen

 19.10.2026

Israel

Trump stellt sich vor der Wahl hinter Netanjahu

Neun Tage vor der Parlamentswahl spricht der US-Präsident dem israelischen Ministerpräsidenten seine »volle und uneingeschränkte Unterstützung« aus. Netanjahu bedankt sich prompt

 18.10.2026

Israel

Führung und Verantwortung

Benjamin Netanjahus ehemaliger Militärsekretär erhebt Vorwürfe gegen den Premier

von Sabine Brandes  18.10.2026

Nahost

Bericht: Siedler attackieren EU-Diplomaten im Westjordanland

Maskierte Männer umstellen ein Diplomatenfahrzeug bei der Olivenernte im Westjordanland. Auch eine US-Fotografin wird verletzt

 18.10.2026

Kommentar

Ein Tag der Schande

Die Linkspartei, SPD und Grüne haben ihre Sondierungen beendet. Nun wollen sie in Berlin eine Regierung bilden

von Philipp Peyman Engel  17.10.2026