Israel

Bahn-Chaos am Sonntag

Nichts geht mehr: an der Savidor-Station in Tel Aviv Foto: Flash 90

Für Hunderttausende von Israelis begann die Woche mit Ärger, lästigen Staus und Verspätungen. Für Israel Katz aber könnte der Sonntag den letzten Tag im Amt bedeuten. Denn der Transportminister wird von Premierminister Benjamin Netanjahu beschuldigt, gegen ihn putschen zu wollen. Angeblich habe Katz wissentlich einen Streit mit den ultraorthodoxen Parteien heraufbeschworen, der dazu führte, dass am Wochenbeginn viele Züge ausfielen. Zigtausende von Pendlern und Soldaten saßen stundenlang auf den Bahnhöfen und Straßen fest.

Bereits seit Tagen hatte es Ärger in der Knesset gegeben, weil Katz wichtige Arbeiten am Streckennetz, die für die Sicherheit der Passagiere nötig sind, auch am Schabbat ausführen lassen wollte, wie eigentlich üblich. Doch das brachte die charedischen Parteien auf die Palme, die nicht die absolute Notwendigkeit der Arbeiten am jüdischen Ruhetag anerkennen wollten. Netanjahu ließ prompt alles stoppen und auf den Sonntag verlegen.

depots Somit blieben die meisten Züge in ihren Depots. Doch der Sonntag ist der geschäftigste Tag der Woche, an dem die Soldaten nach dem Wochenende in ihre Basis zurückkehren. Die Verbindung von Tel Aviv nach Haifa, eine der meistbefahrenen im Land, ist bis zum Sonntagabend unterbrochen. Allein diese Strecke wird täglich von mehr als 100.000 Israelis genutzt.

Netanjahu meint, Katz habe den Streit mit den Ultraorthodoxen absichtlich heraufbeschworen, um ihn in seinem Amt zu unterminieren. Nach Medienberichten versucht er nun, eine Mehrheit im Likud zu gewinnen, um den Minister aus seinem Amt zu entlassen. »Offensichtlich will Katz bei der Öffentlichkeit punkten, die die Details nicht kennt, und beschwört eine Krise mit den Charedim herauf«, wetterte Netanjahu.

demonstrationen Besagte Öffentlichkeit allerdings nimmt den Ausfall der Züge nicht auf die leichte Schulter, denn den Preis für die politische Krise zahlt ihrer Meinung nach der normale Bürger. Hunderte von Menschen zeigten ihren Unmut bereits am Samstag in verschiedenen Teilen des Landes. Vor der Tel Aviver Savidor-Station demonstrierten rund 300 Israelis mit Schildern und Trillerpfeifen. Auch Vertreter der Opposition waren da. Tamar Sandburg von der Linkspartei Meretz erklärte wütend, dass sie sich an keinen peinlicheren Zwischenfall in der Politik erinnere. »Doch dieses unglaubliche Kleinbeigeben schadet Abertausenden.«

Einige forderten eine generelle Reform der Zugverbindungen, andere machten sich dafür stark, dass nicht nur Arbeiten am Schabbat durchgeführt werden, sondern die Züge an diesem Tag auch regulär verkehren dürfen. Die Regierung versuchte, die Krise einzudämmen, indem sie Busse einsetzen ließ, um zumindest einen Teil der feststeckenden Soldaten von A nach B zu transportieren.

Holocaust

»Unsere Rache an den Nazis ist, dass wir den Staat Israel haben«

Der Schoa-Überlebende Yehuda Widawski ist mit 107 Jahren gestorben. Jahrzehntelang suchte und restaurierte er jüdische Gräber in Polen

von Sabine Brandes  14.09.2026

Reaktionen

»Ritualmordlegende« - »Pflicht, Fragen zu stellen«: Israel streitet über »Naza«

Während Rechte den Film über den Gaza-Krieg als Verleumdung verurteilen, verteidigen Linke das Recht auf Kritik. Armee weist zentrale Vorwürfe zurück

von Sabine Brandes  14.09.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  14.09.2026

Dokumentarfilm

IDF übt scharfe Kritik an »Naza« und weist Vorwurf zum angeblich genehmigten Angriff auf 500 Zivilisten zurück

»Die IDF haben niemals einen Angriff geplant, genehmigt oder durchgeführt, bei dem erwartet wurde, dass 500 Zivilisten oder auch nur annähernd so viele getötet werden«, heißt es von der Armee

 14.09.2026

Offener Brief

Javier Bardem und ich

Ich habe dich als neugierig, warmherzig, offen für den Menschen vor dir kennengelernt. Wenn du über Israel sprichst, erkenne ich dich nicht wieder – und sehe nur noch blindwütigen Hass

von Gabriella Meros  13.09.2026

Meinung

Wie London die Verweigerungshaltung der Palästinenser belohnt

Mit ihren Sanktionen gegen israelische Siedlungen will die britische Regierung im Nahost-Konflikt einer Zwei-Staaten-Lösung näher kommen. Doch sie zeigt vor allem: Verhandeln lohnt sich nicht, Blockade und Terror aber sehr wohl

von Daniel Neumann  13.09.2026 Aktualisiert

Syrien

Grossi: Von Israel zerstörter Reaktor hätte atomwaffenfähiges Material produzieren können

2007 zerstörte Israel den Atomreaktor Deir ez-Zor. 19 Jahre später bestätigt Atom-Aufseher Rafael Grossi, dass die Anlage atomwaffenfähiges Material hätte produzieren können

 11.09.2026

Rosch Haschana

Israel wächst – doch immer mehr Menschen verlassen das Land

Zum jüdischen Neujahr veröffentlicht das Statistikamt neue Zahlen. Die Geburtenrate ist mehr als doppelt so hoch wie in der OECD

von Sabine Brandes  11.09.2026

Sachsen-Anhalt

Empörung über AfD-Spitzenmann Siegmund wegen Rüstungsaussage 

Siegmund: »Weil wir bei späteren Remigrations- und Abschiebeoffensive natürlich auch entsprechende Hilfsmittel brauchen«

 11.09.2026